Monat: Juni 2016

Seit 10 Tagen Dad – eine abschweifende Bestandsaufnahme

Dad + Mini

Neulich mitten in der Nacht: Dad erledigt seine Arbeit in Nachtschicht während Mini kuscheln und Mum pennen darf.

Die Ideen für Blogartikel kommen mir zwar jeden Tag zu den Ohren heraus, aber wer denkt, man hätte trotz Neugeborenem, kaisergeschnittener Frau und Beruf noch genügend Zeit zum Bloggen, der ist ein törichter Narr (ich). Doch wer wiederum denkt, mich interessiert das, der kennt mich nicht. Wozu sind Nächte da. “I’ll sleep when I’m dead” nahm sich schon Bon Jovi in den Neunzigern vor. Ob er seither geschlafen hat, ist nicht überliefert. Doch ich schweife bereits ab…

Menschen ändern sich nicht, lautet eine Lebensweisheit. Es ist sicher etwas dran, dass ein Mensch kein vollkommen anderer Charakter wird, egal, was passiert und egal wie viel Zeit er hat. Aber dass Menschen sich innerhalb weniger Jahre doch ziemlich verändern können, das habe ich bereits an mehr oder weniger nahestehenden Mitmenschen festgestellt und ganz aktuell auch an mir. Ich erkenne mich nämlich manchmal selbst nicht wieder und manchmal nur schwerlich. Gleichzeitig geht es hier nicht um Jahre, sondern um wenige Monate, vielleicht auch tatsächlich nur um zehn Tage. Ich weiß es nicht genau. Seit zehn Tagen bin ich nun Vater einer kleinen Tochter, und seit mindestens zehn Tagen bin ich ein anderer Mensch. Ich habe vorher immer dankend abgelehnt oder zur Not mit Unwohlsein angenommen, wenn mir befreundete Menschen ihr Kind angeboten haben: “Magste auch mal halten?” (Meine Frau hat sich geradezu einen Spaß daraus gemacht, mir anderer Leute Kinder mit scheinheiliger “Willste auch mal?”-Frage anzudrehen.) Ich hatte absolut nicht das Bedürfnis, ein Baby zu halten und das war sicher auch besser für die Babys – und die Freundschaften. Schließlich hatte ich keine Ahnung wie man so etwas nimmt und hält und wieder abgibt, ohne es zu beschädigen. Außerdem war mir nie klar, was ich dann mit der Situation anfangen soll, wenn das Bündel in meinem Arm liegt. Ja, süß, klar. Und jetzt? Es tut nix. Kann. Nicht. Kommunizieren.

Weiterlesen

Die Vaterdämmerung – Mini wird geboren

Ein Morgenmensch war ich noch nie. Auch nicht am Morgen der Geburt meiner Tochter. Während ich früher mit einer Regelmäßigkeit verpennt habe, nach der man die Uhr stellen konnte, habe ich heutzutage zumindest noch eine monstermäßige Aversion gegen frühe Uhrzeiten. Je früher die Uhrzeit desto größer das Monster, und früh ist alles vor halb neun. Wenn wir uns in die Region um 5:30 Uhr bewegen, da ist es ganz egal, ob ich einen Flug erreichen muss, oder ob ich Vater werde… es ist nicht. Meine. Zeit. Um genau jene Uhrzeit klingelte aber unser Wecker an diesem lebensverändernden Donnerstagmorgen, denn wir sollten um spätestens viertel vor sieben im Krankenhaus einchecken, damit die Vorbereitung des Kaiserschnitts beginnen kann.

Dass sich unser Zeitplan aufgrund eines Notkaiserschnitts etwa zwei Stunden nach hinten verschob, war mir auf irgendeiner Ebene schon vorher klar. Mieses Schlafkarma nennt man das wohl. Anstatt schön im heimischen Bett herumzulungern taten wir selbiges in der Cafeteria, am CTG, am Tropf. Meine arme Frau durfte ja weder essen noch trinken vor der OP und wurde intravenös versorgt, um die Wartezeit bis zur Geburt zu überstehen. Und wie arm ich erst dran war. Ich werde heute Vater! Endlich sollte sich die Spannung in Wohlgefallen und Schlaflosigkeit auflösen! Das elende Hoffen auf ein gesundes Kind und eine komplikationslose Geburt sollte am 16. Juni um 9:30 Uhr endlich aufhören und in die Gewissheit umschlagen, dass wir ein kerngesundes, speckbeiniges Babytöchterchen haben! Jede weitere Stunde ist ätzend. Allerdings ist das nichts gegen jene Minuten, die man schließlich alleine darauf wartet abgeholt zu werden, nachdem die Frau bereits in Richtung OP geschippert wurde.
Weiterlesen

Mein erster Tag im Hellen

Mini_LabelBin dahaa! Wer nohooch? Endlich kann ich der Welt mal hallo sagen. Hallo Welt! Ich habe schonmal ein Selfie für euch machen lassen. Also seit ich aus meinem gemütlichen, ruhigen, schummerigen Floatingtank rausgeholt wurde komme ich zu gar nichts mehr. Ich weiß noch nicht, wie ich das alles finden soll hier draußen. Aber hier geht eine Menge. Als erstes ein riesen Empfangskomitee, das sich komplett verhüllt hatte, auch mit Tüchern vorm Gesicht und ich dachte schon so “ey stinke ich oder was?” und hab sie erstmal alle angeschrien. Aber dann haben sie mich direkt Zweien übergeben, die sahen sooo glücklich aus, die konnte ich nicht anschreien. Der eine hat sich als Papa vorgestellt. Ich weiß zwar nicht, was er damit meint, aber ich kenne seine Stimme schon ewig. Der muss schon ziemlich lange Zeit in der Nähe meines Floatingtanks gewesen sein. Ach ja, den Tank habe ich auch endlich mal von außen gesehen, das war der Mensch, der nicht Papa heißt. Der Tank heißt Mama und er ist voll schön! Ich fürchte nur, ich darf da nie wieder rein. Ich werde jetzt immer darauf gelegt. Aber das ist auch toll und ziemlich gemütlich. Und da gibts jetzt auch Getränke. Das ist neu!

neugeborenes Baby

Mag ich das jetzt alles hier draußen? Muss mal nachdenken.

Apropos gemütlich: Ich muss wegknacken. Wach sein ist meeegaa anstrengend. Vielleicht zapfe ich mir noch einen gute-Nach-Drink. Und dann träume ich davon, dass ich auch mal so ein schöner Tank werde.

Es wird ein Kaiserschnitt

Was löst diese Aussage bei dir aus? Ein Kopfnicken und die Neugier darauf, wann es soweit ist? Oder ein Kopf-schieflegen und die Frage nach dem Warum?

Heute hatten wir den Vorbereitungstermin im Krankenhaus für den geplanten Kaiserschnitt am 16. Juni. Gestern in einer Woche also. Mann, bin ich aufgeregt! Aber um den Termin geht es hier gar nicht, der war langwierig und langweilig wie die Sau. Dass unsere Mini per Kaiserschnitt auf die Welt kommen wird, steht schon seit der Geburtsanmeldung im Krankenhaus Anfang Mai fest. Eine Verkrümmung von Mum’s Steißbein nach innen ist der Grund. Diese wurde bei ihr schon vor vielen Jahren durch einen Orthopäden festgestellt und seither wusste sie schon, dass das höchstwahrscheinlich im Falle einer Schwangerschaft Kaiserschnitt bedeuten würde. Das Steißbein verengt nämlich den Geburtskanal und auch die Ärzte in der Geburtsklinik prognostizierten, dass somit nicht genug Platz für das Köpfchen auf dem Weg nach draußen sein könnte. “Könnte” bedeutet, dass es eventuell doch ginge. Das würde sich allerdings erst zeigen, wenn die Geburt bereits im Gange ist. Zwar in einem frühen Stadium der Geburt. Doch auch wenn alles danach aussähe, als fluscht die Sache, müsste man trotzdem damit rechnen, dass das Kind plötzlich doch feststeckt oder sich und die Mutter verletzt bei der Passage durch den Engpass. Dann würde es auf einen Not-Kaiserschnitt hinauslaufen, was absoluut kein guter Start für Kind und Eltern ist. Es hieß auch, es könnte passieren, dass etwas vom Steißknochen abbricht, doch das sei nicht schlimm, das wäre nach vier bis sechs Wochen wieder verheilt. Achso. Ja dann is ja gut. NICHT! Meine Frau und ich waren uns einig, dass die Argumente für eine natürliche Geburt hiermit eindeutig geschlagen waren. Das ist es einfach nicht wert. Mutter und Kind zu gefährden, um dem Kind die Vorzüge einer natürlichen Geburt nicht zu nehmen pervertiert die gute Absicht. Weiterlesen

Hochzeitsreise, dritter Teil – Roadtripping und Waldlaufing

Frauchen und ich standen mit einem Bündel anderer deutscher Touristen auf dem Hof des Wohnmobilvermieters. Wir hatten hier bereits den halben Tag verbracht. Nach langem Warten kam die langwierige Einweisung in die Bedienung des „RV“ (Recreational Vehicle), unterbrochen von überflüssigen Fragen und noch viel überflüssigeren Witzen der unangenehm aufgedrehten Sportsocken-in-Sandalen-Cowboys und ihren Frauen. Wir machten drei Kreuze, als wir nach Stunden endlich die Schlüssel in der Hand hielten und Starterlaubnis hatten. Was hatte ich mich auf diesen Augenblick unserer Hochzeitsreise gefreut. Als großer Fan großer amerikanischer Autos liebe ich das blubbernde Grollen eines überdimensionierten V8-Motors fast so sehr wie die Stimme meiner Frau. (Fast, sagte ich!) Und weil wir in Kanada sind, steht auf unserem Gefährt nicht „Hymer“, sondern „Adventurer“ und es verfügt nicht über vernünftige 4 Zylinder, die sich mit effizienten 2000 ccm abmühen – nein. Beim sanften Druck aufs Gas räuspern sich 8 Pötte aus den Tiefen ihrer 5,4 Liter Hubraum. Ich könnte glatt Pipi in den Augen kriegen, doch wir manövrieren mal lieber schnell vom Hof, bevor noch jemandem was einfällt. Gänsehaut ist aber drin.

Unser Hochzeitsreise-Mobil (Ford E-350)

Unser Hochzeitsreisemobil (Ford E-350) – Dad likes!

Wir rüsteten uns noch schnell mit Lebensmitteln für die ersten paarhundert Kilometer. Nur das mit dem Alkoholvorrat müssen wir nochmal neu angehen. Noch nichtmal ein Feierabendbier findet sich im Supermarkt, sowas verkaufen ausschließlich Liquor Stores. Na erstmal muss es überhaupt Feierabend werden. Also wieder Blubbermotor an und rauf auf den Trans Canada Highway. Der führt tausende Kilometer von der West- bis an die Ostküste und wir nehmen jetzt die Auffahrt in Richtung bestem Roadtrip aller Zeiten. Ohne feste Reiseroute und schon gar nicht mit festem Zeitplan. Wir wissen nur, wir haben 1700 km inklusive, 11 Tage Zeit und wir wollen definitiv den Banff National Park sehen.
Weiterlesen

Läuft runder.

38. Woche / Größe: ca. 50 cm / Gewicht: ca. 3050 g / Verfassung: blendend

Babybauch in der 38. Woche

Woche um Woche wächst die Vorfreude.
Und der Bauch.
Mum ist kurz davor, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen.
Ich würd’s nicht durchstehen.
Ich hätte längst gesagt “Schluss, holt’s raus, wir machen es manuell fertig”.
Ich bewundere sie.

Rückblick zur 31. Woche.

© 2017 DAWN OF THE DAD

Theme von Anders NorénHoch ↑