Monat: Juli 2016

Die Top 9 des Eltern-Slang – wie anders wir plötzlich reden

Mit der Veränderung des Familienstandes verändert sich auch die Sprache. Das beginnt mit Umschalten des Beziehungsstatus von “Single” auf “liiert”. Hier kippt bereits so manche vernünftige Ausdrucksweise. Aufbauend auf diesen Veränderungen gräbt dann irgendwann das Elterndasein die Kommunikation nochmal vollkommen um. Diese Entwicklung verläuft ungefähr so:

Als Single ist Sprache noch einfach. Da gibt es nur das “ich” und die klaren Ansagen. Single-Sprache ist unverfänglich, unkompliziert und gesellschaftstauglich. Anders Pärchensprache. Plötzlich braucht man zwei verschiedene Sprachstile in Gesellschaft und zu zweit. Denn zwischen Pärchen lauert überall die Verniedlichungsform, da warten die Kosenamen nur darauf, versehentlich rauszurutschen, da muss selbst die Tonlage kontrolliert werden, um nicht versehentlich ins Niedliche abzugleiten.

Außerdem ist plötzlich alles “wir”, selbst wenn jemand nur nach “mir” gefragt hat.
“HASTE Bock am Samstag auf Grillen?”
“Da haben WIR noch nichts vor, passt.”

Nicht zu vergessen, der rasante Aufstieg der Verklausulierung. Am Beispiel des sehr beliebten Pärchen-Konjunktivs:
“JEMAND müsste mal den Müll runter bringen.”

Und an Stelle der klaren Ansagen treten die unbrauchbaren:
“Willst du den Rest hier aufessen?”
“Nur, wenn du nicht willst.”
“Na ich muss es nicht unbedingt haben.”
“Ich auch nicht.”
“Teilen?”
“Okay.”
“Du das größere Stück?”
“Nur wenn du es nicht willst” …

Dawn Of Elternsprache

Die zweite Weiterentwicklung passiert wiederum in zwei Stufen. Stufe 1 etabliert sich im Verlaufe der Schwangerschaft seitens der Frau. Irgendwann, wenn der Bauch dicker wird kommt ein “Wir”-Gefühl bei ihr auf. Dann haben “wir” plötzlich Hunger und Dad darf “uns” ein Kissen bringen. Was er gerne tut, EURE Majestät. Und wenn Dad nicht aufpasst rutscht ihm selbst immer öfter ein Plural heraus. Stufe 2 zündet ab dem Tag, an dem das gemeinsame Kind zur Welt kommt. Jetzt nimmt die Verniedlichungsdebilität endgültig überhand und eine neue Kurve im Kommunikationsweg wird installiert: Der Eltern-Konjunktiv – das Baby als Bande, über die man Botschaften spielen kann.
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Vom Gewinnen und Kapitulieren

Das spektakuläre erste Gewinnspiel auf diesem Blog endete vergangenen Donnerstag um 24 Uhr, am Freitag versprach ich euch die Bekanntgabe des Gewinners bis Samstag Abend und habe euch nun bis Montag Abend warten lassen. Soweit die Fakten und mein Bedauern. Als Vater sollte ja man lieber nichts versprechen, was man nicht halten kann, doch schließlich seid ihr nicht meine Kinder, sondern meine Leser. Und mit denen kann man’s ja machen. Nein im Ernst, lustige Geschichte das, mit der ganzen Verloserei. So lustig, dass ich gar keine Ausreden für die Verspätung brauche, denn es ist genügend echtes Hindernis dazwischen gekommen.

Vom Gewinnen

Aber zuerst mal das Wichtigste: Gewonnen hat das Ding der Martin Wöller. Herzlichen Glückwunsch von mir und jetzt bedank’ dich bei deiner besseren Hälfte, fürs Markieren in den Facebook-Kommentaren.

Damit ihr seht, dass es mit rechten Dingen zuging, hat Mum die Auslosung durch Glücksfee Mini filmisch dokumentiert:

Vom Versuchen

Dieses Filmchen ist nicht nur das Ende des Gewinnspiels, sondern gleichzeitig der Beginn der Hindernis-Story. Möglichkeit 1 für das Erstellen von Bewegtbild-Content: Man kann einfach den Kamera-Button drücken bevor man anfängt, dann nochmal, wenn man fertig ist und alles, was dazwischen aufgezeichnet wurde unverändert ins Netz stellen. Möglichkeit 2: Man kann ambitioniert rangehen, ein paar Takes machen (abgesehen von der Würfelszene natürlich) und die gelungensten Szenen aneinander schneiden, einen Titel und einen Abspann hinzufügen und vielleicht sogar noch ein wenig Musik drunter legen! Dafür gibt es diverse Videobearbeitungs-Freeware im Internet, die für einen Anfänger eigentlich ausreichen sollte. Genau das war mein Plan und dieses Filmchen sollte mein Debut in Sachen selbstproduzierter Bewegtbild-Content werden. Naturgemäß klappen Dinge beim ersten Versuch jedoch nicht so wie man es sich vorstellt. Die Freeware “Avidemux”, für die ich mich nach einigem Einlesen entschieden hatte, entpuppte sich nämlich als unpraktischer Mist. Vielleicht ist sie auch nur mit mir inkompatibel, jedenfalls halfen noch nichtmal Video-Tutorials. Freitag Nacht um 1:00 gab ich genervt und übermüdet auf, beschloss, es Samstag Abend nochmals zu versuchen.
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Kein Platz für Kinder – allen Raum den Idioten

“… es ist eine Europameisterschaft und zumindest auf dem Rasen keine Familienveranstaltung.” Aha, danke für die Info, Martin Kallen, Chef-Kleingeist bei der UEFA. Anscheinend fällt das Hereinholen der Kinder unter den Tatbestand des Vordringens auf den Platz (wie zum Beispiel durch Flitzer oder Randalierer während des Spiels). Sogar Oliver Bierhoff, bekanntermaßen selbst Vater “… kann diese Entscheidung nachvollziehen. Der Kreis der Feiernden auf dem Platz wird einfach immer größer.” Übersetzung: Triumphe feiern, Fröhlichkeit, Familiengefühl sind nicht der Sinn von Fußball und als notwendiges Übel auf ein Minimum zu reduzieren. “Neeeiiin nun drehen Sie mir doch nicht die Worte im Mund rum, Herr Dad. Sooo ist das doch nicht gemeint!” Vermutlich nicht, aber das ist die Quintessenz dieser Äußerungen und darauf läufts hinaus. So ist es vielleicht keine Familien- aber auf jeden Fall eine Idiotenveranstaltung.

Ich könnte im Strahl kotzen angesichts solcher Engstirnigkeit, Regelversessenheit, bei solchem Mangel an Empathie. Nicht nur, wenn es um Kinder geht, sondern auch bei anderen Dingen, die das Leben verschönern und wider allen gesunden Menschenverstandes illegal sind. Wie zum Beispiel Guerilla Gardening (was immerhin zumeist nicht verfolgt wird) und Reverse Graffiti. Ich erinnere mich auch dunkel, dass vor vielen Jahren im Kontext Fußball schon einmal diskutiert wurde, zu lange Freudentänze der Spieler nach einem erzielten Tor zu ahnden, weil das Spielverzögerung sei.

Kinder, Kinder… Was geht eigentlich in den Köpfen dieser ganzen Menschen vor, deren Lebensaufgabe es zu sein scheint, das Leben aller anderen ein bisschen langweiliger machen, indem sie Regeln erfinden? Regeln, die keinen Sinn ergeben, sondern einfach nur geistige Verklemmtheit widerspiegeln. Worum geht es denn sonst beim Fußball, als um’s Feiern des Gemeinschaftsgefühls, des Teamgeistes, des familiären Zusammenhalts? Achja, richtig, um Geld! Da gibt es ja keine Regeln, außer die des Geldes. Wenn in Katar zigtausende Gastarbeiter wie Sklaven gehalten werden, um die Spielstätten für die WM zu bauen, scheint das für niemanden ein Problem zu sein. Dabei wäre das echt mal ein Showstopper, ein Partypooper. Ich weiß, die WM ist das Territorium der FIFA, nicht der UEFA, aber drauf geschissen. Das macht nun echt keinen Unterschied.

Was ich damit sagen will: Ihr ganzen fälschlicherweise in Entscheiderpositionen gelandeten Kleingeister, haltet doch einfach ab und zu mal inne, bevor ihr irgendwas verbietet. Tretet innerlich einen Schritt zurück und betrachtet das Ganze mal so objektiv wie möglich. Macht das, was ihr gerade vorhabt wirklich Sinn?

Ich frage mich bereits jetzt schon des öfteren, was ich meiner Tochter später so erlauben und verbieten werde und wie ich argumentieren werde. Eines weiß ich jetzt schon, auch aus eigener Erfahrung: Vorgeschobene Scheinargumente enttarnen Kinder schnell, indem sie fragen “Warum?”. Und wenn jetzt ein Kind fragt “Warum darf ich nicht zu meinem Papa auf den Rasen zum Feiern?”, was sagt ihr dem dann? “Wegen der Sicherheit!” “Hä?” Oder vielleicht “Weil auf dem riesigen Rasen kein Platz mehr für euch ist!” “Hääää?” Merkt ihr selbst, oder.

Was ich auch sagen will: Liebe Fußballspieler, haltet euch nicht dran! Boykottiert diesen Blödsinn! Ihr seid schließlich diejenigen, ohne die es keine UEFA gäbe. Lasst euch das Feiern mit euren Kindern nicht verbieten!

Meinung zum Buch: “How To Survive – die ersten 1000 Papa-Tage”

Buch: How To Survive - die ersten 1000 Papa-Tage

Längeres, ununterbrochenes Lesen ist ein Luxus, in dessen Genuss ich zuletzt vor Mini’s Geburt gekommen bin. Entweder auf dem Arbeitsweg oder zuhause in meinem Sessel. Der Arbeitsweg fällt gerade für drei Wochen weg und mein Lesesessel wird nur noch selten lange genug von mir bevölkert, um auch nur angewärmt zu werden. Denn sobald man glaubt, man hätte jetzt alles und jeden erledigt und versorgt und sich selbst eine halbe Stunde im Sessel verdient stellt man direkt fest, dass man ein naiver Clown ist. Niemand ist hier jemals so zureichend und nachhaltig versorgt, als dass ich mir mehr als die Länge der Überschrift eines Zeitungsartikels vornehmen sollte. Man muss schließlich die Zeit zum Aufblättern der Zeitung mit einkalkulieren. Mit Glück schafft man einen kurzen Artikel, aber in Buch-Dimensionen braucht man nicht zu denken.

So war also das gerade frisch erschienene “How To Survive – die ersten 1000 Papa-Tage” von Martin Berke (Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf) das letzte Buch, das ich während den Tagen vor Minis Niederkunft noch gelesen habe. Dass ich es überhaupt gelesen habe, ist zwei Faktoren zu verdanken. Faktor 1 war eine Freundin, die bei einem Verlag arbeitet. Sie leitete mir die Pressemeldung zur bevorstehenden Buchveröffentlichung aus gegebenem Anlass als Lesetipp weiter. Ich hatte eigentlich gar nicht auf dem Zettel, irgendwelche von-Vätern-für-Väter-Bücher zu lesen, aber dachte mir daraufhin, warum eigentlich nicht. Faktor 2 und letztendlicher Ausschlaggeber für die Kaufentscheidung war der sensationelle Preis von gerade mal 9,99 EUR. Ich hatte sowieso keine Lust, nach anderen Titeln zu stöbern, also habe ich es spontan im stationären Buchhandel offline erworben (das halte ich für eine heutzutage relevante Information). Auch wenn mich zuerst die Einbandgestaltung etwas abschreckte. Diese dilettantische Komposition aus freigestellten Bildern von Babyutensilien, die rund um das fürchterlich klischeehafte Kind mit Spaghettiteller auf dem Kopf kreisen, wirkt billig und unoriginell. Ebenso wie der reißerische Titel überhaupt. Und dann ist da noch der Untertitel: “Wie man als Vater die Nerven behält und ein Superheld wird”. Das ist jetzt wieder meine total subjektive Zickerei, aber dieser ganze kack Superheld-/Superdad-Pathos, der in Blogs und Büchern und Magazinen bemüht wird, geht mir total auf den Sack. Wieso ist es gleich Superheldentum, wenn ein Vater sein Ding durchzieht, ohne zu kollabieren? Das Superdad-Gedöhns ist in etwa die Entsprechung zu den ultra-niedlichen Wortkreationen in Mütterblogs, wo Kinder nicht Babys heißen, sondern “Bauchzwerg” oder “Bauchmitbewohner”. Aber lassen wir das.

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Der Besuch der neuen Dame

Mini_LabelIch glaube, ich habe gelernt, was ein Donnerstag ist. Donnerstag heißt: Eine Dame, die Oma heißt, kommt zu Besuch. Allerdings war sie immernoch da, als wieder Donnerstag war und es kam da auch keine Neue. Also bin ich mir doch nicht so ganz sicher, was Donnerstag ist. Und ich bin mir nicht absolut sicher, was “Oma” ist. Denn Papa hat sie “Mama” genannt und meine Mama hat wieder was anderes zu ihr gesagt. Wie viele Mamas hab ich denn jetzt eigentlich und wer genau ist “Oma”? Seit heute ist sie weg, aber ich werde die Beobachtungen wieder aufnehmen, sobald sie wieder auftaucht. Das wird passieren, wenn wieder Donnerstag ist, sagt mir mein Verstand.

Der scheint mir allerdings vom exzessiven Milchgenuss etwas getrübt. Zumindest glaubte ich in den vergangenen zehn Tagen öfters mal, ich sehe nicht richtig. (Was ja de facto der Fall ist, aber ihr wisst was ich meine.) Da hat mein Papa nämlich andauernd so lange gepennt, bis ich schon meine zweite Morgenmilch bekommen habe. Und dann haben Mama und Papa von Oma Essen gemacht bekommen. Dabei dachte ich immer, die beiden sind nur dafür da MIR Essen zu machen. Aber es kommt noch besser. Nachdem sie immer soviel gegessen haben, dass sie danach Geräusche wie ich gemacht haben, haben die beiden schon wieder gepennt – was eigentlich doch alleine MEINE Aufgabe ist hier. Weiterlesen

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