Monat: Oktober 2016

Like a rolling stone

Ich bin noch nicht einmal ein großer Bob Dylan Fan, aber der Songtitel passt gerade so gut. Es klingt doch viel cooler als „Mini hat sich heute zum ersten Mal gerollt“. Oder? Genau das hat sie nämlich getan. Präziser gesagt: vom Rücken auf den Bauch. Und das ganz ohne Hilfestellung. Seht selbst:

Als arbeitender Elternteil ist Mann natürlich nicht vor Ort, um es live mitzubekommen. Mit ein bisschen Pech wird es so auch beim ersten Krabbeln, dem ersten Hochziehen, den ersten Schritten, dem ersten Wort sein. Aber in solchen Fällen sind Smartphones und soziale Netzwerke echt ein Segen. Ausnahmsweise mal uneingeschränkt. Denn auch nicht die lebendigste mündliche Schilderung schlägt das schnöde Bewegtbild, wenn es darum geht, die Premiere einer ganz neue Fähigkeit des Kindes mitzuerleben. So habe ich Mini’s Quantensprung beinahe in Echtzeit im Büro mitverfolgt und hätte vorher nicht gedacht, wie stolz ich auf die kleine Pummelfee für so eine vermeintlich banale Leistung sein würde.

Jetzt bin ich gespannt, wann sie es zum ersten Mal schafft, sich auf wieder zurück auf den Rücken zu drehen. Das klappt nämlich noch nicht. Im Moment scheint sie noch zu denken, dass exzessives Meckern den Schwung für den Rückweg auslöst… sie wird’s bestimmt bald raus haben.

Seit 4 Monaten Dad – lächeln und winken

Die gute Nachricht: Mini entwickelt sich prächtig, macht uns viel Freude und hält sich – mit wenigen Ausnahmen – an ihren Tagesablauf. Das gibt Routine und Planbarkeit. Die schlechte Nachricht: Sie ist kein biologisches Wunder, das bereits mit vier Monaten durchschläft, stubenrein ist, Essen isst und sagt, was ihm fehlt. Sonst hätten Mum und Dad nämlich die Zeit, um Hobbies nachzugehen, Sport zu machen, zu bloggen, Rechnungen zu zahlen, Ablage zu machen, allgemein zu erledigen, was zu erledigen ist. Hätten. Wenn Mini für Mum kein Fulltime-Job inkl. Nachtdienst wäre. Und wenn Dads Arbeitstag nicht schon um halb sechs (plusminus eine halbe Stunde) mit Babybepuscheln beginnen würde, sodass nach dem Abendessen und ein wenig Hausarbeit der Beschluss fällt, alle Vorsätze in die Tonne zu treten und die Produktivität einzustellen, weil die Müdigkeit die stärkeren Argumente hat.

Wir haben alle Zeit der Welt – fürs Baby

So kommt es vor, dass wir schon vor zehn beginnen, uns bettfertig zu machen, dass Rechnungen bis zur “Letzten Mahnung” ignoriert werden, weil der Computer abends einfach nicht mehr angeworfen wird und dass wochenlang noch nicht einmal ein Social Media Posting drin ist. Es kommt auch vor, dass wir es sehr vermissen, einfach mal spontan wegzugehen, frei zu sein, nicht alles nach Kinder(wagen)tauglichkeit und Fütterungsintervallen auszurichten. Einfach mal wieder lange wach bleiben, ohne den süßen Wecker im Hinterkopf, der uns gnadenlos für unser Lotterleben bestrafen wird. Und Sonntag morgens einfach mal wieder auspennen. Aber selbst wenn einer das mal darf, triffts halt den Anderen. Und dann hat der Eine dann doch irgendwie ein schlechtes Gewissen und kann das nicht genießen.

Vor kurzem, an einem Samstag Abend, als ich um kurz nach sieben, nachdem Mini erfolgreich ins Träumeland abgeschoben worden war, mit einem Bier auf den Balkonstuhl gesunken bin, sagte ich zu Mum “Endlich Feierabend!” Da fiel mir auf, dass es tatsächlich nur noch Tage gibt, an denen man nicht ins Büro muss, aber keine wirklich freien mehr.

Und wehe man glaubt, weil die Großeltern zu Besuch sind und abends auf Mini aufpassen, könnten wir beide mal wieder ungehemmt ausgehen und mit allen Lampen an nach Hause kommen. Die Nacht- und Frühschicht wird einem trotzdem nicht abgenommen. Ganz egal, wie nah man sich dem Tode fühlt, wenn man nach eineinhalb Stunden komatösem Schlaf um drei Uhr mit hämmerndem Schädel an der Küchenzeile lehnt und die Babymilch erwärmt. Ein hungriges Baby ist sozusagen stärker als der Tod.
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