Vorweg sei gesagt: Das hier wird kein weiteres Lamento über den Sieg von Donald Trump in der heutigen Präsidentschaftswahl in den USA. Es liegt mir fern, in den ohrenbetäubenden Chor der Empörung und der Schwarzmalerei einzustimmen, der heute Morgen alles Andere übertönt. Ebensowenig habe ich vor, hier meine persönliche Interpretation der US-Wahl und deren Be- oder Verurteilung auszuwalzen.

Es geht um Mini, die noch von nichts eine Ahnung, und noch ein ganzes Leben auf dieser Welt vor sich hat. Es geht auch um mich, der sich regelmäßig überlegt, wie er ihr als Vater später einmal die Welt erklären wird und wie er ihr kritisches Denken beibringt und gesunden Menschenverstand und Moral anerzieht.

Lektion 1 für Mini: Lass dich nicht von Stimmungen mitreißen.

Wäre sie bereits alt genug, würde ich ihr heute Morgen folgendes sagen: Mach Facebook und Twitter aus und halte dich ersteinmal aus all den Weltuntergangs-Gesprächen heraus.

Denn: Es ist für den Moment alles gesagt zum Thema Trump versus Clinton. Es ist sogar schon viel mehr als nötig gesagt worden, und das nicht erst seit gestern, sondern seit Langem schon. Die beiden Präsidentschaftskandidaten wurden in der Presse ausführlichst von allen Seiten beleuchtet, seziert, kommentiert und skandalisiert. In den sozialen Medien wurden sie exzessiv kommentiert, gehyped, gehasst und persifliert. Und ebenso das amerikanische Volk, das sich für einen der beiden entscheiden musste. Jeder, der sich für normaldenkend hält, postete und likete voller Entrüstung gegen die vermeintlich “dummen Amis” und vergaß scheinbar, wie es derzeit in Europa zugeht: Zum Beispiel, dass das englische Volk gegen alle Vernunft für einen EU-Austritt stimmte und manche auch einfach, weil sie nicht genau wussten, worum es geht. Dass in Frankreich Marine LePen, die Vorsitzende der rechtradikalen Front National mit ein bisschen Pech die nächste Präsidentin werden könnte. Auch, dass Polen eine demokratiefeindliche Partei zur Regierung gewählt hat. Dass in Deutschland die AfD, die in ihrem Ton und Duktus exakt in die heuchlerische Anti-Establishment und unser-Land-muss-wieder-uns-gehören Fanfare bläst wie Donald Trump, immer stärker wird. Im gesamten “Westen” herrscht eine Tendenz zur Irrationalität, die aus Ängsten und Frustration herrührt, genau wie in den USA. Im “Osten” wird das größte Land der Erde regiert von einem rücksichtlosen Diktator mit beängstigendem Machthunger, dessen Volk unverändert zu großen Teilen in bitterer Armut lebt, ihn aber trotzdem glühend verehrt. Das soll heißen: Es ist nicht so, als ob erst ab heute nur auf der anderen Seite des Atlantik fragwürdige Dinge passieren.
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