Kategorie: Schabernack

Der Tisch-Knigge nach Mini

„Die korrekte Einhaltung der Tischmanieren gelingt am besten dann, wenn man dabei berücksichtigt, dass gute Tischmanieren nicht ein Mittel der Selbstdarstellung sind, sondern den gemeinsamen Verzehr von Speisen für alle Beteiligten zu einem Vergnügen machen sollen, das nicht durch störende Geräusche oder unschöne Anblicke beeinträchtigt werden darf.“
Textauszug von knigge.de

Mahlzeit! Um eines vorab klar zu stellen: Es ist nicht so, dass ich von Mini bei Tisch die Einhaltung der Knigge-Regeln erwarte. Ich mag manchmal seltsam sein, aber blöd bin ich nicht. Es ist nur so, dass Mini es beachtlicherweise schafft, so ziemlich jede einzelne Regel, ja jeden Nebensatz der Knigge Tischmanieren, ins exakte Gegenteil zu verkehren oder aber ganz kreativ umzuinterpretieren. Für einen frechen Gnom von knapp 16 Monaten ist ihr Essverhalten vermutlich vollkommen normal. Doch was in der Welt der Gnome normal ist, kann einem Erwachsenen, der Tag für Tag diese Schimpansenfütterung leiten muss, irgendwann den Glauben an die Gerechtigkeit austreiben.

Schon seit Langem gewöhnen wir Mini ans „normale“ Essen zur langsamen Entwöhnung von Baby-Breis und Müslis. Prinzipiell klappt das auch insoweit, als sie so ziemlich alles isst, was die Vorratskammer hergibt. Nur isst sie manches, was sie gestern noch mochte, heute nicht mehr und es ist schwer zu sagen, was morgen von der heutigen Liste der Lieblingsspeisen gestrichen werden wird. Dazu kommt, dass die Aufnahme nicht-breiförmiger Nahrung so langsam vonstatten geht – weil von so viel Spieltrieb sabotiert – dass es kaum möglich ist, ohne die Breis und Müslis als „Füller“ auszukommen. Sie hört eher auf zu essen, wenn sie keine Lust mehr hat, als wenn sie satt ist.

Je nach Laune und Appetit des Miniaffen kann es vorkommen, dass kaum Essen die Speiseröhre passiert, sondern dass alle Nahrungsmasse, die vor dem Ausspucken einmal kurz Berührung mit der Zunge hatte, sich als Sieger fühlen darf. Sieger einer ganz anderen Kategorie sind jene Nahrungsbrocken, die am weitesten fliegen. Je nach Tagesform von Mutter- und/oder Vatertier kommt es vor, dass diese es wider besseres Wissen persönlich nehmen, an ihrer Methodik zweifeln („Haben wir ihr zu lange zu viel durchgehen lassen?“) oder dem Nachwuchs gar Bösartigkeit unterstellen („So. Bitte. Hasts geschafft. Essen dann beendet, leck mich doch am Arsch.“) und dann geknickt und frustriert sind. (Das Schlimme: Kraftausdrücke muss man mittlerweile wirklich bleiben lassen, denn Mini plappert seit Kurzem immer wieder ganz überraschend einzelne Wörter ohne Einüben nach.)

„In Deutschland befinden sich üblicherweise alle Zutaten zu einem Gang – Fleisch, Kartoffeln, Gemüse, Sauce etc. auf einem Teller. Dies bedeutet aber nicht, dass diese – insbesondere Kartoffeln und die Sauce – zu einer amorphen Masse verarbeitet werden dürfen.“
Textauszug von knigge.de

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#AllesfürsKind (Anekdote aus dem Vaterleben)

Das Kind liegt trocken,
das Kind liegt warm;
die Eltern sind jetzt bitteram.

Tschuldigung, der musste raus. Ich habe noch keinen Blogartikel mit einem Gedicht begonnen und ich habe auch schon seit Äonen kein Semikolon mehr benutzt. Jetzt gehts mir besser.

Weniger wie Poesie, sondern mehr wie ein Biss mit spitzen Milchzähnchen kam unsere aktuelle Nebenkostenabrechnung daher. Es kam schon vor, dass man mal ein bisschen was nachzahlen musste, öfter aber kam es vor, dass man was erstattet bekam. Nun war das vergangene Jahr ja unser erstes mit Baby und klar haben wir mehr geheizt und wir haben auch definitiv mehr Wasser verbraucht als vorher. Wenn die Räume im Winter gerade warm genug waren, so dass Kindchen auf Fußbodenhöhe muckelig zumute ist, dann waren wir längst in T-Shirts. Wasch- und Spülmaschine laufen viel häufiger und wir duschen öfter, weil man mit Kind immer am Schwitzen ist. Andauernd am Schwitzen. Ein strenger Blick des Kindes reicht manchmal schon für nassen Rücken …

Dass die NK-Vorauszahlung nicht ganz reichen würde, dachten wir uns also schon. Doch dass wir über 400 EUR zusätzlich verbrannt haben sollen, um es Mini auf unseren bescheidenen 80 qm gemütlich zu machen, war dann doch mehr als ich glauben konnte. Ich dachte, da stecken komische Umlage-Posten mit drin, gegen die ich protestieren kann. Ich habe informationshalber mal unsere nette Vermieterin angerufen, doch was soll ich sagen: Es sind nur Heizung und Warmwasser/Abwasser. Und ein bisschen auch die Grundsteuer. Ihr findet das noch nicht beunruhigend? Einen hab ich noch: Das war ja nur die NK-Abrechnung für 2016. Und Mini kam erst im Juni zur Welt. Die Nebenkosten für 2017 werden ein GANZES von Mini’s Lebensjahren beinhalten. Habe ich erwähnt, dass der Stromabschlag auch längst angehoben wurde?

Ach komm, weil heute #FreakyFriday ist, schließe ich mit einem Bibelzitat: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ Danke, Mini. Du machst uns seelig.

#AllesfürsKind

Mini’s Top 5 Tipps an Neugeborene für die ersten Lebenswochen

Mini_LabelMoin Kollegen! Wenn ihr gerade erst aus dem Floatingtank rausgeschlüpft seid, oder schon einige Tage draußen, dann hab ich ein paar heiße Tipps für euch zum Thema Eltern-Handling. Ich bin jetzt volle zehn Wochen im Babybusiness und habe mittlerweile so viel Scheiß gesehen, dass ich heute mal ein bisschen Weisheit weitergeben möchte. Es ist nämlich manchmal nicht einfach mit den Großen. Sie wecken dich mitten im schönsten Tiefschlaf auf, weil sie meinen, du musst was trinken, sie fummeln ewig an dir um, bis mal der Popo wieder trockenliegt und das neue Leibchen sitzt, sie strapazieren deine Nerven, wenn sie nicht kapieren, was du von ihnen willst. Das alles gehört dazu. Allerdings gibt es ein paar einfache Tipps, mit denen ihr die ersten Lebenswochen von eurer Seite aus ein bisschen einfacher gestalten könnt.

Okay, los geht’s mit meinen Tipps:

Tipp 1: Die beiden, die du nicht mehr los wirst, nachdem du deinem gemütlichen Floatingtank tschüß sagen musstest, die nennen sich Eltern. Die beiden sind ab sofort deine direkten Ansprechpartner für alles. Hunger, müde, Windel voll, aua, langweilig oder einfach aggro, sie müssen sich drum kümmern.

Tipp 2: Wenn du irgendwas brauchst, schrei gleich richtig. Nicht erst vorsichtig fragen. Vor allem nachts dauerts nur umso länger, bis du endlich was zu saufen kriegst, wenn du ihnen die Option lässt, weiter zu schlafen. Du wirst sicher den einen oder anderen genervten Blick ertragen müssen, aber die müssen das lernen, dass deine Befehle – und seien sie noch so banal – unverzüglich befolgt werden müssen.

Tipp 3: Kacka und Pipi machen, wenn du eh schon auf dem Wickeltisch liegst. Das erspart dir das erneute Rumgezuzppel auf dem Wickeltisch und überhaupt ein paar Stunden in der vollen Windel, bis es endlich einer merkt. Egal, ob du auf der blanken Wickelunterlage liegst, auf deinem frischen Strampler oder der frischen Windel, lass es kommen. Es gibt erstmal großes Geschrei und lustige Klagelaute von den Eltern, aber am Ende nehmen sie es mit Humor.

Tipp 4: Sei nachsichtig mit ihnen, wenn sie es mal wieder nicht checken, was du brauchst. Es kann dir vor allem in den ersten Wochen passieren, dass sie deine eindeutigen Ansagen nicht verstehen. Zum Beispiel schreist du klar und verständlich „Bring mir was zu saufen!“ und sie fangen an, dich zu windeln, weil sie dich doch „gerade erst“ gefüttert haben. Oder du brüllst „Trag mich rum!“ und die versuchen dich zu füttern. Das wird alles besser, die lernen deine Sprache. Also contenance bewahren, wenn’s mal wieder länger dauert. Übertreibst du es nämlich mit dem Geschrei, dann denken sie noch, du brauchst nen Arzt und dann geht das ziemlich nach hinten los. Dann kriegst du weder Futter noch Schlaf, sondern nen Arztbesuch.

Tipp 5: Wichtigste Regel: Alles, was du machst, ist süß. Habe keine Hemmungen, sie finden (noch) alles an dir süß. Und wenn du es doch mal übertreibst, dann greift die Regel aller Superstars: Lächeln und winken. Lächel sie an, von deinem vollgepischerten Wickeltischchen aus, während sie mit nassen Papiertüchern jonglieren. Lächel sie an, nachdem du auf Papa’s dunklen Lesesessel einen formschönen weißen Kotzfleck gemacht hast. Sie sehen dein Lächeln und verzeihen dir absolut alles. Noch ein bisschen lustig zappeln dazu, das unterstreicht wie hilflos du noch bist und dass du also überhaupt gar nichts dafür kannst.

Das waren meine Top 5. Nicht spektakulär, aber ganz gut zu wissen. Viel machen könnt ihr eh noch nicht, ihr seid total abhängig. Aber Kopf hoch – vorerst natürlich im übertragenen Sinne – wenn ihr erstmal in mein Alter kommt, dann wird die Sache rapide interessanter. Habe ich etwas Essentielles vergessen? Postet hier gerne in den Kommentaren eure eigenen Tipps!

Die Top 9 des Eltern-Slang – wie anders wir plötzlich reden

Mit der Veränderung des Familienstandes verändert sich auch die Sprache. Das beginnt mit Umschalten des Beziehungsstatus von „Single“ auf „liiert“. Hier kippt bereits so manche vernünftige Ausdrucksweise. Aufbauend auf diesen Veränderungen gräbt dann irgendwann das Elterndasein die Kommunikation nochmal vollkommen um. Diese Entwicklung verläuft ungefähr so:

Als Single ist Sprache noch einfach. Da gibt es nur das „ich“ und die klaren Ansagen. Single-Sprache ist unverfänglich, unkompliziert und gesellschaftstauglich. Anders Pärchensprache. Plötzlich braucht man zwei verschiedene Sprachstile in Gesellschaft und zu zweit. Denn zwischen Pärchen lauert überall die Verniedlichungsform, da warten die Kosenamen nur darauf, versehentlich rauszurutschen, da muss selbst die Tonlage kontrolliert werden, um nicht versehentlich ins Niedliche abzugleiten.

Außerdem ist plötzlich alles „wir“, selbst wenn jemand nur nach „mir“ gefragt hat.
„HASTE Bock am Samstag auf Grillen?“
„Da haben WIR noch nichts vor, passt.“

Nicht zu vergessen, der rasante Aufstieg der Verklausulierung. Am Beispiel des sehr beliebten Pärchen-Konjunktivs:
„JEMAND müsste mal den Müll runter bringen.“

Und an Stelle der klaren Ansagen treten die unbrauchbaren:
„Willst du den Rest hier aufessen?“
„Nur, wenn du nicht willst.“
„Na ich muss es nicht unbedingt haben.“
„Ich auch nicht.“
„Teilen?“
„Okay.“
„Du das größere Stück?“
„Nur wenn du es nicht willst“ …

Dawn Of Elternsprache

Die zweite Weiterentwicklung passiert wiederum in zwei Stufen. Stufe 1 etabliert sich im Verlaufe der Schwangerschaft seitens der Frau. Irgendwann, wenn der Bauch dicker wird kommt ein „Wir“-Gefühl bei ihr auf. Dann haben „wir“ plötzlich Hunger und Dad darf „uns“ ein Kissen bringen. Was er gerne tut, EURE Majestät. Und wenn Dad nicht aufpasst rutscht ihm selbst immer öfter ein Plural heraus. Stufe 2 zündet ab dem Tag, an dem das gemeinsame Kind zur Welt kommt. Jetzt nimmt die Verniedlichungsdebilität endgültig überhand und eine neue Kurve im Kommunikationsweg wird installiert: Der Eltern-Konjunktiv – das Baby als Bande, über die man Botschaften spielen kann.
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Alles Gute zum 60. Geburtstag, Homer J. Simpson!

Die Leitfigur, die Inspiration, der Seelenverwandte vieler Väter dieser Welt, hat am 12. Mai Geburtstag. Homer Simpson wurde also gestern 60 Jahre alt! Und ich merke es erst heute. Wie Homer-esque! Dad ist seit seiner Jugend ein leidenschaftlicher Anhänger der Lehren des dicken gelben Familienhäuptlings der Simpsons. Homer sagt und tut jene Dinge, die man selbst sich verkneift, weil es blöd oder falsch ist, oder auf die man selbst nie kommen würde. Seine Synapsen schwimmen in genug Bier, um nicht vom Doughnut-Zucker zu verkleben. Dadurch arbeiten sie wirklicheitsnah genug, dass Mann sich mit ihm verbunden fühlt. Gleichzeitig aber ist er so dämlich und naiv, dass man sich trotzdem haushoch überlegen wähnt.

Irgendwie macht er auch Mut. Trotz seiner Defizite hat Homer hat eine hübsche Frau, die ihn im Zaum hält, versteht und weiß, was gut für ihn ist:

Das eingebundene YouTube-Video „Bier, Bier, Bier, Bett, Bett, Bett!“ habe ich aus Datenschutzgründen entfernt #DSGVO

Er hat drei tolle Kinder in die Welt gesetzt, ist selbst ein absolutes Kind geblieben und kommt irgendwie mit seinem Blödsinn immer durch.

Das eingebundene YouTube-Video „Ich muss das für die Arbeit tun!“ habe ich aus Datenschutzgründen entfernt #DSGVO

Außerdem lebt er den Leitspruch „Man darf dumm sein, aber man muss sich zu helfen wissen“ perfekt vor:

Das eingebundene YouTube-Video „Homer tötet eine Fliege beim Essen“ habe ich aus Datenschutzgründen entfernt #DSGVO

Jeder Leser, der über minimal mehr Intellekt verfügt als Homer Simpson, fragt sich vermutlich längst, wie ich auf die 60 Jahre komme. Die Serie „The Simpsons“ lief immerhin erst 1989 an. Echte Seriennerds haben das tatsächliche Alter der Charakterfigur anhand einer kurzen Szene in der 16. Folge der 4. Staffel identifiziert, als Homer’s Führerschein im Closeup gezeigt wird. Da ist deutlich als Geburtsdatum 12. Mai 1956 zu erkennen. (Quelle: mashable.com)

Homer Simpsons Führerschein

Bild: FXX / Quelle: mashable.com

Sein jahrzehntelanger deutscher Synchronsprecher Norbert Gastell erlebt dieses runde Jubiläum leider nicht mehr. Er starb vergangenes Jahr im Alter von 86 Jahren. Die Suche nach einer neuen Synchronstimme läuft meines Wissen noch. Ich bin sehr gespannt, ob Homer danach noch der Alte ist.

„Erstausstattung“ heißt: Erst ausstatten, dann fragen.

Mum inmitten der Erstaustattung

Mini ist etwa 42 cm groß und spielt noch Alien.
Ihr Kleiderschrank umfasst jedoch schon mehr als meiner.
Mum shoppt und näht, Oma strickt, Dad darf alles „süß“ finden.
Da wird Mum vor lauter Vorfreude ganz unscharf.

Lesen ist die beste Droge, sprach der Superpädagoge.

Als werdender Erstlings-Vater denkt man ja, dass man auf einem Babyflohmarkt hauptsächlich Muttertieren im Weg steht und unfreiwillig für Amüsement sorgt, wenn man  nicht weiß, wofür dieser Stofffetzen da gut ist. Mit dieser Erwartung liegt man auch goldrichtig. Doch hier und da werden auch Dinge feilgeboten, mit denen selbst Männer umgehen können, wie Spielsachen und Bücher. Mein Auge fiel auf ein ganz besonders lustiges Kinderbuch: „Koks, der Drache“. Der Autor muss entweder extrem unbedarft oder unglaublich druff gewesen sein.

Koksdrache Ich glaube, letzteres war der Fall. Denn ein Drache, der Koks heißt und nicht feuerspuckt, sondern ein Zippo auf der Nase hat, das ist schon sehr Lewis Caroll. (Dass „Alice im Wunderland“ das Ergebnis eines ausgedehntes LSD-Trips war, ist ja hinlänglich bekannt.) Der eine Euro war alleine wegen dem Titel gut investiert.

Die Anschlusslektüre steht auch längst im Bücherregal:

Motörhead

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