Kategorie: Spielen (Seite 1 von 3)

Das Gegenteil von planmäßig (Anekdote aus dem Vaterleben)

Es ist Samstag. Mum, Mini und ich machen einen Familiennachmittag in der Stadt. Eigentlich war für heute ein lange geplantes Familiendate inkl. kleinem Babyshooting angesetzt gewesen. Das wurde jedoch am Vortag abgesagt. Noch viel eigentlicher hätte ich heute die „Hanse-Spirit“ besucht, eine Spirituosen-Messe für Endverbraucher. Wäre da nicht das Familiendate bereits im Kalender gewesen. Das ja nun abgesagt worden war und das Schuld daran trägt, dass ich die Messe komplett aus den Augen und aus dem Sinn verloren habe. Erst jetzt werde ich wieder daran erinnert, als unser Spaziergang von der Innenstadt in Richtung Sternschanze an den Messehallen vorbeiführt. Da packt mich jetzt schon ein bisschen Sehnsucht und Wehmut, wie wir so mit dem Kinderwagen an den ganzen schlangestehenden Männern (ja, doch wohl sehr genderspezifisch, die Sache) vorbeicruisen. Das wäre sicher ein großer Verkostungs- und Fachsimpel-Spaß geworden. Naja, ist halt jetzt so.

Es ist Sonntag und es kommen andere Freunde zu uns zu Besuch. (Der Grund, weshalb die Hanse Spirit auch heute nicht drin gewesen wäre.) Die erwarten in wenigen Wochen ihr erstes Kind. Wir haben einen sehr schönen Nachmittag bei Speis und Trank und Klönschnack und sie nehmen uns einen ganzen Kofferraum voll Miniklamöttchen und Erstausstattung ab. Und dann komme ich plötzlich wie durch ein Wunder doch noch zu einem Messebesuch. Allerdings auf eine ganz andere. Die heißt „Babywelt – die Messe rund um ihr Kind“ und findet kommendes Wochenende statt. Ich habe auch keine Chance, mich davor zu drücken, weil sie uns ein for-free-Ticket überlassen haben, das sie selbst nicht mehr nutzen können. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt: Vielleicht baut man dort ja für die Väter in irgendeiner Ecke die Reste der Hanse-Spirit auf…

Seit 3 Monaten Dad – trag mich, bespaß mich, gib mir Tiernamen!

Drei Monate sind so eine kurze Zeitspanne und doch kann sich so unglaublich viel währenddessen verändern. So wurden seit Mitte Juni aus ca. 3200 Gramm winziger, zerbrechlicher, dauerschlafender Mini über 6000 Gramm moppelige, robuste, quietschfidele Mini. Wenn ich an die Anfangswochen zurückdenke, als wir sie noch andauernd wecken mussten, damit sie ihre Ration von in stundenlangen Sessions abgepumpter Muttermilch trank. Wie wir uns freuten, als sie endlich sichtlich zunahm, mehrere Stunden am Tag wach war und die ersten leichten Zeichen von Interaktion zeigte.

Mittlerweile haben wir einen Tagesrhytmus etabliert, bereits zwei der berüchtigten „Schübe“ hinter uns und alle Hände voll zu tun, die kleine Dame tagsüber altersgerecht zu bespaßen. Mittlerweile rechnen wir nämlich nicht mehr in Wachphasen, sondern ihr Tag, der von ca. 6:00 bis 19:00 Uhr dauert, ist eigentlich eine einzige Wachphase, unterbrochen von einem längeren Mittagsschläfchen und vereinzelten 20-Minuten-Powernaps. Dazwischen straft sie uns bei aufkommender Langeweile, oder einfachem Nähebedürfnis, mit penetrantem Quäken. Wer darauf nicht hören will, der muss eben fühlen – und zwar Schmerzen im Trommelfell. Da kommt man nicht davon, da bleibt nur das stundenlange Rumtragen oder Bespaßen des Mäuschens, des Äffchens, der Ziege, des Pupsodils. (So viel zu den Tiernamen. Und das waren längst nicht alle.)

Es könnte so einfach sein. Isses. Aber. Nicht.

Man könnte jetzt meinen, dass es doch toll ist, wenn sie endlich soweit ist, dass sie spielen möchte, interagieren möchte, dass man tatsächlich was mit ihr anfangen kann. Und ja, es ist ganz fantastisch, jede Woche eine neue Fähigkeit, einen neuen Fortschritt, oder auch einfach nur ein neu erwachtes Interesse an irgendwas zu beobachten. Doch was es schwierig macht: „Spielen“ beschränkt sich auf recht einseitiges (nämlich elternseitiges) Bewegen von Spielzeug und Greifen üben. Ein wenig vorsichtiges Rumturnen geht auch. Und „interagieren“ beschränkt sich auf Baby zum Lachen bringen oder Baby’s Geräusche nachahmen, so dass ein tolle Zoo-Atmo entsteht. Alles herzallerliebst, wirklich, nur ist man mit jedem Programmpunkt nach kurzer Zeit durch, da die Konzentrationsspanne und körperliche Ausdauer von Mini noch sehr begrenzt sind. Das merkt man daran, dass sie quäkig wird und nicht mehr mitmacht. Wach ist sie aber trotzdem und bis zum nächsten Fläschchen sind es noch zweieinhalb Stunden. Was also tun mit der Kollegin, die nicht mehr als Zuckungen, Grimassen, Tierlaute und Sabberblasen zustande bringt?

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Sie nannten es „Rückbildungsyoga“

Mini_Label(by Mum) Leute, also heute habe ich wieder was erlebt. Ich war unfreiwilligerweise beim Rückbildungsyoga. Hamburg ist echt so ein Pflaster, das gibt bestimmt nur hier, sowas. Okay, ich muss euch das erzählen:

Mum hat mich so gegen 10 Uhr fertiggemacht und in den Kinderwagen gelegt. Ich dachte während der ersten Viertelstunde Rumgeschaukel auch „Yeah, eine Runde spazieren“. Doch dann machte sie irgendwann an einem Gebäude halt, parkte meinen Wagen und hiefte mich ein paar Treppen hoch. Plötzlich war ich mit drei anderen Mums und ihren Frischlingen in einem Raum, in dem sie dann Matten und Sitzkissen auf dem Boden verteilten. Ich wurde auch auf so einer Matte abgelegt und wusste gar nicht was das soll. Ich hab‘ beschlossen erstmal zu heulen. Mum hat mich dann aber hin-und her geschaukelt und den Nucki reingeschoben – dann gings.

Baby auf Yogamatte beim RückbildungsyogaIn der Mitte stand eine nette Frau, sie stellte sich als „Yogalehrerin“ vor. Ich hatte keine Ahnung, was das sein soll, aber plötzlich fingen die Mums an lustige Bewegungen zu machen und ganz laaauuut und tiiieeef zu atmen. Manchmal hatten sie dabei die Augen auf, manchmal zu. Manchmal haben sie das im Stehen gemacht, manchmal im Sitzen und manchmal im Liegen. War echt putzig anzusehen. Weiß gar nicht, warum die bei mir immer lachen, wenn ich mich auf der Spieldecke verausgabe. Irgendwann wurde es mir zu doof und ich bin eingepennt. Eine Stunde später wurde vor dem großen Zusammenpacken noch zehn Minuten lang bei Entspannungsmusik gekuschelt. Das war schööön.

Ich weiß leider immernoch nicht was das alles sollte. Aber Mum sagt, dass sowas total wichtig und gut für sie ist. Naja, dann werde ich sie auch weiter dorthin begleiten. Denn vier weitere Termine folgen wohl noch. Ich frage mich gerade, was eure Mütter denn mit euch so machen. Habt ihr irgendwelche spannenden Tipps? Vielleicht etwas, wo ich auch mal mitmachen darf?

Mini’s Top 5 Tipps an Neugeborene für die ersten Lebenswochen

Mini_LabelMoin Kollegen! Wenn ihr gerade erst aus dem Floatingtank rausgeschlüpft seid, oder schon einige Tage draußen, dann hab ich ein paar heiße Tipps für euch zum Thema Eltern-Handling. Ich bin jetzt volle zehn Wochen im Babybusiness und habe mittlerweile so viel Scheiß gesehen, dass ich heute mal ein bisschen Weisheit weitergeben möchte. Es ist nämlich manchmal nicht einfach mit den Großen. Sie wecken dich mitten im schönsten Tiefschlaf auf, weil sie meinen, du musst was trinken, sie fummeln ewig an dir um, bis mal der Popo wieder trockenliegt und das neue Leibchen sitzt, sie strapazieren deine Nerven, wenn sie nicht kapieren, was du von ihnen willst. Das alles gehört dazu. Allerdings gibt es ein paar einfache Tipps, mit denen ihr die ersten Lebenswochen von eurer Seite aus ein bisschen einfacher gestalten könnt.

Okay, los geht’s mit meinen Tipps:

Tipp 1: Die beiden, die du nicht mehr los wirst, nachdem du deinem gemütlichen Floatingtank tschüß sagen musstest, die nennen sich Eltern. Die beiden sind ab sofort deine direkten Ansprechpartner für alles. Hunger, müde, Windel voll, aua, langweilig oder einfach aggro, sie müssen sich drum kümmern.

Tipp 2: Wenn du irgendwas brauchst, schrei gleich richtig. Nicht erst vorsichtig fragen. Vor allem nachts dauerts nur umso länger, bis du endlich was zu saufen kriegst, wenn du ihnen die Option lässt, weiter zu schlafen. Du wirst sicher den einen oder anderen genervten Blick ertragen müssen, aber die müssen das lernen, dass deine Befehle – und seien sie noch so banal – unverzüglich befolgt werden müssen.

Tipp 3: Kacka und Pipi machen, wenn du eh schon auf dem Wickeltisch liegst. Das erspart dir das erneute Rumgezuzppel auf dem Wickeltisch und überhaupt ein paar Stunden in der vollen Windel, bis es endlich einer merkt. Egal, ob du auf der blanken Wickelunterlage liegst, auf deinem frischen Strampler oder der frischen Windel, lass es kommen. Es gibt erstmal großes Geschrei und lustige Klagelaute von den Eltern, aber am Ende nehmen sie es mit Humor.

Tipp 4: Sei nachsichtig mit ihnen, wenn sie es mal wieder nicht checken, was du brauchst. Es kann dir vor allem in den ersten Wochen passieren, dass sie deine eindeutigen Ansagen nicht verstehen. Zum Beispiel schreist du klar und verständlich „Bring mir was zu saufen!“ und sie fangen an, dich zu windeln, weil sie dich doch „gerade erst“ gefüttert haben. Oder du brüllst „Trag mich rum!“ und die versuchen dich zu füttern. Das wird alles besser, die lernen deine Sprache. Also contenance bewahren, wenn’s mal wieder länger dauert. Übertreibst du es nämlich mit dem Geschrei, dann denken sie noch, du brauchst nen Arzt und dann geht das ziemlich nach hinten los. Dann kriegst du weder Futter noch Schlaf, sondern nen Arztbesuch.

Tipp 5: Wichtigste Regel: Alles, was du machst, ist süß. Habe keine Hemmungen, sie finden (noch) alles an dir süß. Und wenn du es doch mal übertreibst, dann greift die Regel aller Superstars: Lächeln und winken. Lächel sie an, von deinem vollgepischerten Wickeltischchen aus, während sie mit nassen Papiertüchern jonglieren. Lächel sie an, nachdem du auf Papa’s dunklen Lesesessel einen formschönen weißen Kotzfleck gemacht hast. Sie sehen dein Lächeln und verzeihen dir absolut alles. Noch ein bisschen lustig zappeln dazu, das unterstreicht wie hilflos du noch bist und dass du also überhaupt gar nichts dafür kannst.

Das waren meine Top 5. Nicht spektakulär, aber ganz gut zu wissen. Viel machen könnt ihr eh noch nicht, ihr seid total abhängig. Aber Kopf hoch – vorerst natürlich im übertragenen Sinne – wenn ihr erstmal in mein Alter kommt, dann wird die Sache rapide interessanter. Habe ich etwas Essentielles vergessen? Postet hier gerne in den Kommentaren eure eigenen Tipps!

Wenn’s an der Milchbar nicht klappt – ein Erfahrungsbericht über Fläschchen statt Stillen.

Mum_LabelMit dem Stillen ist das ja so eine Sache. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Einstellung der Frauen – der Mütter – zum Stillen immer wieder geändert: Mal ist es das „Natürlichste, Gesündeste und Unbedingteste“ und wird in keinem Fall in Frage gestellt. Mal sind die Frauen nicht so dafür. Entweder um sich nicht von dem Kind abhängig bzw. das Kind nicht von sich abhängig zu machen. Oder sie wollen einfach keine „hässlichen“ Brüste vom Stillen bekommen. Aktuell ist das Stillen absolut „in“. Selbst Promi-Mamis wie Alyssa Milano, Gisele Bündchen und Pink posten auf Instagram oder Facebook Bilder von sich und ihren Lütten beim Stillen.

Vor der Geburt von Mini habe ich gar nicht groß über das Thema nachgedacht. Für mich war das total klar: Es ist die natürlichste und gesündeste Nahrung für’s Baby, es stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind von Anfang an und es kostet nichts …

Wenn die Natur es nicht von alleine regelt

Nun ja. Der Beginn unserer Stillbeziehung war auch ganz vielversprechend. Raus aus dem OP, rein in den zart-grün gestrichenen Kreißsaal, angedockt. Mini hat gleich gecheckt, was zu tun ist. Gutes Mädchen! Ich habe Käsestullen gereicht bekommen, weil ich ja den ganzen Tag nicht trinken und essen durfte. Ein Bild des Friedens: Ich schnabuliere Brote und Mini meine sogenannte Vormilch. Es hätte alles so schön sein können. Aber denkste! Mini hat den ganzen restlichen Tag und auch die folgende Nacht durchgepennt. Keine der betreuenden Hebammen hat mal nachgefragt und der Anfängermutter gesagt, dass man das Kind mal zum Trinken wecken sollte. Ich dachte eben, Mini ist einfach erschöpft von der Geburt und meldet sich schon, wenn sie was braucht. Am nächsten Morgen dann das große Wiegen und die Feststellung einer anderen Hebamme „ganz schön viel Gewicht verloren….und leicht gelb ist sie auch“. Aha. Danke. Und jetzt? „Stillen Sie auch gut?“ fragte sie noch. „Ähm.. nee!“. Also Mini angelegt und sie zutschte los. Das Problem war nur, dass sie ständig eingeschlafen ist dabei, und wenn das nicht, dann hat sie an der falschen Stelle (also um den Nippel herum) gesaugt. Weiterlesen

Seit 8 Wochen Dad – über Schlafmanagement und murkelnde Zombieküken

Gestern war Mini zwei Monate alt. Seit meiner ersten Bestandsaufnahme, zehn Tage nach Mini’s Geburt, sind wieder ca. 50 Tage vergangen und eine Menge hat sich getan. Es wurden – grob überschlagen – 35 Liter Pre-Milch verfüttert, 350 Windeln gewechselt, dabei 1.750 Feucht- und Trockentücher verbraucht, 500 Bäuerchen gemacht und 5.000 Pupse gelassen (ausschließlich durch Mini, wie ich betonen möchte – sonst wäre die Zahl höher). Zudem wurden beim beruhigenden Herumtragen vermutlich 15.000 Meter Laufstrecke durch die Wohnung absolviert sowie mindestens eine Million Fotos von Mini geschossen. Okay, ein paar Hundert waren es auf jeden Fall.

Das klingt nicht nur nach einem Vollzeit-Job, das ist es auch. Den mitlesenden Eltern erzähle ich hier nix Neues, den Eltern in spe habe ich hoffentlich die Illusion genommen, dass es einfach wird. Falls die überhaupt jemand hat. Noch nichteinmal ich dachte das, obwohl ich sonst an die meisten Dinge mit einer wird-halb-so-wild-Einstellung herangehe. Ich habe sicherheitshalber mit dem Schlimmsten gerechnet. Mit der absoluten Erschöpfung, dem totalen Untergang meines Lebens wie ich es kannte. Das wiederum war auch übertrieben, jedoch vermutlich eine gute Strategie, denn ich bin positiv überrascht, wie wenig schlimm es bisher ist. Also mit der Belastung jetzt. Das Kind an sich ist natürlich eh nicht schlimm, sondern der nackte Überwahnsinn. Eine Menge Dinge rund um unsere kleine Hoheit gehen leichter und intuitiver von der Hand, als ich vermutet hätte. Dazu kommt, dass wir tatsächlich mit einem anfängerfreundlichen Kind gesegnet sind: Sie ist kein Schreikind, sie mag das Wickeln, sie mag das Baden, sie hat keine übertriebenen Koliken und reagiert auf wenigstens ein paar Beruhigungstaktiken. Das darf man eigentlich gar nicht erzählen, denn vermutlich zieht man den Zorn unzähliger Eltern auf sich. Dennoch bleibt eine ganze Menge Arbeit und Zeitaufwand übrig. Ich habe mich schon oft gefragt, was wir eigentlich vorher in all den Stunden des Tages gemacht haben, die wir jetzt pro Kopf mit dem Bepuscheln von Mini zubringen, oder mit der Erledigung von zusätzlichen Hausarbeiten wie Milch machen, Fläschchen spülen, Babyutensilien in der Wohnung einsammeln, Wickeltisch aufräumen, Schlaf nachholen.

Wir sind uns jedenfalls einig: Hut ab vor allen Alleinerziehenden. Allemal vor Alleinerziehenden mit zwei oder mehr Kindern. Gar nicht zu sprechen von Alleinerziehenden mit Schreikind. Ein solches ist ja für Paare schon eine extreme nervliche Herausforderung. Auch wenn Mini relativ friedlich ist, sie hat ihre ganz eigenen Nervmethoden, uns um den Schlaf zu bringen und die Harmonie im Hause zeitweise erfolgreich zu torpedieren. Weiterlesen

Die Top 9 des Eltern-Slang – wie anders wir plötzlich reden

Mit der Veränderung des Familienstandes verändert sich auch die Sprache. Das beginnt mit Umschalten des Beziehungsstatus von „Single“ auf „liiert“. Hier kippt bereits so manche vernünftige Ausdrucksweise. Aufbauend auf diesen Veränderungen gräbt dann irgendwann das Elterndasein die Kommunikation nochmal vollkommen um. Diese Entwicklung verläuft ungefähr so:

Als Single ist Sprache noch einfach. Da gibt es nur das „ich“ und die klaren Ansagen. Single-Sprache ist unverfänglich, unkompliziert und gesellschaftstauglich. Anders Pärchensprache. Plötzlich braucht man zwei verschiedene Sprachstile in Gesellschaft und zu zweit. Denn zwischen Pärchen lauert überall die Verniedlichungsform, da warten die Kosenamen nur darauf, versehentlich rauszurutschen, da muss selbst die Tonlage kontrolliert werden, um nicht versehentlich ins Niedliche abzugleiten.

Außerdem ist plötzlich alles „wir“, selbst wenn jemand nur nach „mir“ gefragt hat.
„HASTE Bock am Samstag auf Grillen?“
„Da haben WIR noch nichts vor, passt.“

Nicht zu vergessen, der rasante Aufstieg der Verklausulierung. Am Beispiel des sehr beliebten Pärchen-Konjunktivs:
„JEMAND müsste mal den Müll runter bringen.“

Und an Stelle der klaren Ansagen treten die unbrauchbaren:
„Willst du den Rest hier aufessen?“
„Nur, wenn du nicht willst.“
„Na ich muss es nicht unbedingt haben.“
„Ich auch nicht.“
„Teilen?“
„Okay.“
„Du das größere Stück?“
„Nur wenn du es nicht willst“ …

Dawn Of Elternsprache

Die zweite Weiterentwicklung passiert wiederum in zwei Stufen. Stufe 1 etabliert sich im Verlaufe der Schwangerschaft seitens der Frau. Irgendwann, wenn der Bauch dicker wird kommt ein „Wir“-Gefühl bei ihr auf. Dann haben „wir“ plötzlich Hunger und Dad darf „uns“ ein Kissen bringen. Was er gerne tut, EURE Majestät. Und wenn Dad nicht aufpasst rutscht ihm selbst immer öfter ein Plural heraus. Stufe 2 zündet ab dem Tag, an dem das gemeinsame Kind zur Welt kommt. Jetzt nimmt die Verniedlichungsdebilität endgültig überhand und eine neue Kurve im Kommunikationsweg wird installiert: Der Eltern-Konjunktiv – das Baby als Bande, über die man Botschaften spielen kann.
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Vom Gewinnen und Kapitulieren

Das spektakuläre erste Gewinnspiel auf diesem Blog endete vergangenen Donnerstag um 24 Uhr, am Freitag versprach ich euch die Bekanntgabe des Gewinners bis Samstag Abend und habe euch nun bis Montag Abend warten lassen. Soweit die Fakten und mein Bedauern. Als Vater sollte ja man lieber nichts versprechen, was man nicht halten kann, doch schließlich seid ihr nicht meine Kinder, sondern meine Leser. Und mit denen kann man’s ja machen. Nein im Ernst, lustige Geschichte das, mit der ganzen Verloserei. So lustig, dass ich gar keine Ausreden für die Verspätung brauche, denn es ist genügend echtes Hindernis dazwischen gekommen.

Vom Gewinnen

Aber zuerst mal das Wichtigste: Gewonnen hat das Ding der Martin Wöller. Herzlichen Glückwunsch von mir und jetzt bedank‘ dich bei deiner besseren Hälfte, fürs Markieren in den Facebook-Kommentaren.

Damit ihr seht, dass es mit rechten Dingen zuging, hat Mum die Auslosung durch Glücksfee Mini filmisch dokumentiert:

Das eingebundene YouTube-Video habe ich aus Datenschutzgründen entfernt #DSGVO

Vom Versuchen

Dieses Filmchen ist nicht nur das Ende des Gewinnspiels, sondern gleichzeitig der Beginn der Hindernis-Story. Möglichkeit 1 für das Erstellen von Bewegtbild-Content: Man kann einfach den Kamera-Button drücken bevor man anfängt, dann nochmal, wenn man fertig ist und alles, was dazwischen aufgezeichnet wurde unverändert ins Netz stellen. Möglichkeit 2: Man kann ambitioniert rangehen, ein paar Takes machen (abgesehen von der Würfelszene natürlich) und die gelungensten Szenen aneinander schneiden, einen Titel und einen Abspann hinzufügen und vielleicht sogar noch ein wenig Musik drunter legen! Dafür gibt es diverse Videobearbeitungs-Freeware im Internet, die für einen Anfänger eigentlich ausreichen sollte. Genau das war mein Plan und dieses Filmchen sollte mein Debut in Sachen selbstproduzierter Bewegtbild-Content werden. Naturgemäß klappen Dinge beim ersten Versuch jedoch nicht so wie man es sich vorstellt. Die Freeware „Avidemux“, für die ich mich nach einigem Einlesen entschieden hatte, entpuppte sich nämlich als unpraktischer Mist. Vielleicht ist sie auch nur mit mir inkompatibel, jedenfalls halfen noch nichtmal Video-Tutorials. Freitag Nacht um 1:00 gab ich genervt und übermüdet auf, beschloss, es Samstag Abend nochmals zu versuchen.
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Kein Platz für Kinder – allen Raum den Idioten

„… es ist eine Europameisterschaft und zumindest auf dem Rasen keine Familienveranstaltung.“ Aha, danke für die Info, Martin Kallen, Chef-Kleingeist bei der UEFA. Anscheinend fällt das Hereinholen der Kinder unter den Tatbestand des Vordringens auf den Platz (wie zum Beispiel durch Flitzer oder Randalierer während des Spiels). Sogar Oliver Bierhoff, bekanntermaßen selbst Vater „… kann diese Entscheidung nachvollziehen. Der Kreis der Feiernden auf dem Platz wird einfach immer größer.“ Übersetzung: Triumphe feiern, Fröhlichkeit, Familiengefühl sind nicht der Sinn von Fußball und als notwendiges Übel auf ein Minimum zu reduzieren. „Neeeiiin nun drehen Sie mir doch nicht die Worte im Mund rum, Herr Dad. Sooo ist das doch nicht gemeint!“ Vermutlich nicht, aber das ist die Quintessenz dieser Äußerungen und darauf läufts hinaus. So ist es vielleicht keine Familien- aber auf jeden Fall eine Idiotenveranstaltung.

Ich könnte im Strahl kotzen angesichts solcher Engstirnigkeit, Regelversessenheit, bei solchem Mangel an Empathie. Nicht nur, wenn es um Kinder geht, sondern auch bei anderen Dingen, die das Leben verschönern und wider allen gesunden Menschenverstandes illegal sind. Wie zum Beispiel Guerilla Gardening (was immerhin zumeist nicht verfolgt wird) und Reverse Graffiti. Ich erinnere mich auch dunkel, dass vor vielen Jahren im Kontext Fußball schon einmal diskutiert wurde, zu lange Freudentänze der Spieler nach einem erzielten Tor zu ahnden, weil das Spielverzögerung sei.

Kinder, Kinder… Was geht eigentlich in den Köpfen dieser ganzen Menschen vor, deren Lebensaufgabe es zu sein scheint, das Leben aller anderen ein bisschen langweiliger machen, indem sie Regeln erfinden? Regeln, die keinen Sinn ergeben, sondern einfach nur geistige Verklemmtheit widerspiegeln. Worum geht es denn sonst beim Fußball, als um’s Feiern des Gemeinschaftsgefühls, des Teamgeistes, des familiären Zusammenhalts? Achja, richtig, um Geld! Da gibt es ja keine Regeln, außer die des Geldes. Wenn in Katar zigtausende Gastarbeiter wie Sklaven gehalten werden, um die Spielstätten für die WM zu bauen, scheint das für niemanden ein Problem zu sein. Dabei wäre das echt mal ein Showstopper, ein Partypooper. Ich weiß, die WM ist das Territorium der FIFA, nicht der UEFA, aber drauf geschissen. Das macht nun echt keinen Unterschied.

Was ich damit sagen will: Ihr ganzen fälschlicherweise in Entscheiderpositionen gelandeten Kleingeister, haltet doch einfach ab und zu mal inne, bevor ihr irgendwas verbietet. Tretet innerlich einen Schritt zurück und betrachtet das Ganze mal so objektiv wie möglich. Macht das, was ihr gerade vorhabt wirklich Sinn?

Ich frage mich bereits jetzt schon des öfteren, was ich meiner Tochter später so erlauben und verbieten werde und wie ich argumentieren werde. Eines weiß ich jetzt schon, auch aus eigener Erfahrung: Vorgeschobene Scheinargumente enttarnen Kinder schnell, indem sie fragen „Warum?“. Und wenn jetzt ein Kind fragt „Warum darf ich nicht zu meinem Papa auf den Rasen zum Feiern?“, was sagt ihr dem dann? „Wegen der Sicherheit!“ „Hä?“ Oder vielleicht „Weil auf dem riesigen Rasen kein Platz mehr für euch ist!“ „Hääää?“ Merkt ihr selbst, oder.

Was ich auch sagen will: Liebe Fußballspieler, haltet euch nicht dran! Boykottiert diesen Blödsinn! Ihr seid schließlich diejenigen, ohne die es keine UEFA gäbe. Lasst euch das Feiern mit euren Kindern nicht verbieten!

Meinung zum Buch: „How To Survive – die ersten 1000 Papa-Tage“

Buch: How To Survive - die ersten 1000 Papa-Tage

Längeres, ununterbrochenes Lesen ist ein Luxus, in dessen Genuss ich zuletzt vor Mini’s Geburt gekommen bin. Entweder auf dem Arbeitsweg oder zuhause in meinem Sessel. Der Arbeitsweg fällt gerade für drei Wochen weg und mein Lesesessel wird nur noch selten lange genug von mir bevölkert, um auch nur angewärmt zu werden. Denn sobald man glaubt, man hätte jetzt alles und jeden erledigt und versorgt und sich selbst eine halbe Stunde im Sessel verdient stellt man direkt fest, dass man ein naiver Clown ist. Niemand ist hier jemals so zureichend und nachhaltig versorgt, als dass ich mir mehr als die Länge der Überschrift eines Zeitungsartikels vornehmen sollte. Man muss schließlich die Zeit zum Aufblättern der Zeitung mit einkalkulieren. Mit Glück schafft man einen kurzen Artikel, aber in Buch-Dimensionen braucht man nicht zu denken.

So war also das gerade frisch erschienene „How To Survive – die ersten 1000 Papa-Tage“ von Martin Berke (Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf) das letzte Buch, das ich während den Tagen vor Minis Niederkunft noch gelesen habe. Dass ich es überhaupt gelesen habe, ist zwei Faktoren zu verdanken. Faktor 1 war eine Freundin, die bei einem Verlag arbeitet. Sie leitete mir die Pressemeldung zur bevorstehenden Buchveröffentlichung aus gegebenem Anlass als Lesetipp weiter. Ich hatte eigentlich gar nicht auf dem Zettel, irgendwelche von-Vätern-für-Väter-Bücher zu lesen, aber dachte mir daraufhin, warum eigentlich nicht. Faktor 2 und letztendlicher Ausschlaggeber für die Kaufentscheidung war der sensationelle Preis von gerade mal 9,99 EUR. Ich hatte sowieso keine Lust, nach anderen Titeln zu stöbern, also habe ich es spontan im stationären Buchhandel offline erworben (das halte ich für eine heutzutage relevante Information). Auch wenn mich zuerst die Einbandgestaltung etwas abschreckte. Diese dilettantische Komposition aus freigestellten Bildern von Babyutensilien, die rund um das fürchterlich klischeehafte Kind mit Spaghettiteller auf dem Kopf kreisen, wirkt billig und unoriginell. Ebenso wie der reißerische Titel überhaupt. Und dann ist da noch der Untertitel: „Wie man als Vater die Nerven behält und ein Superheld wird“. Das ist jetzt wieder meine total subjektive Zickerei, aber dieser ganze kack Superheld-/Superdad-Pathos, der in Blogs und Büchern und Magazinen bemüht wird, geht mir total auf den Sack. Wieso ist es gleich Superheldentum, wenn ein Vater sein Ding durchzieht, ohne zu kollabieren? Das Superdad-Gedöhns ist in etwa die Entsprechung zu den ultra-niedlichen Wortkreationen in Mütterblogs, wo Kinder nicht Babys heißen, sondern „Bauchzwerg“ oder „Bauchmitbewohner“. Aber lassen wir das.

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