Ein Jahresrückblick – und dann auch noch ein ganz normaler, ohne Blödsinn und Augenzwinkern – ist so ein Klischee, dass er sich eigentlich selbst verbietet. Doch dass er erst Tage nach Anbruch des Folgejahres erscheint macht ihn wiederum zu etwas Besonderem. So trägt er eindeutig meine Handschrift. Es wird übrigens kein streng chronologischer Rückblick, sondern eher ein wirres Rückblenden und Verlinken. Beginnen werde ich mal in der Gegenwart.

… und täglich grüßt das Babytier

Neugeborener Säugling in weiße Laken gehüllt

Mini’s erster Tag auf der Welt

Ich bin beim Blick zurück stark beeindruckt und leicht beängstigt zugleich. Beeindruckt von Mum und mir, was wir in diesem zweiten Halbjahr 2016 alles gestemmt haben, unserem ersten halben Jahr als Eltern. Beängstigt im Hinblick auf die kommenden Jahre, weil ich jetzt weiß, wie anstrengend das alles ist und wie viele Opfer man bringen muss, selbst wenn man ein nur durchschnittlich anstrengendes Kind hat. Zur Zeit muss ich andauernd an meinen dritten Blogeintrag nach Mini’s Geburt denken, und zwar an den Einstieg, wo ich schrieb: “… wer denkt, man hätte trotz Neugeborenem, kaisergeschnittener Frau und Beruf noch genügend Zeit zum Bloggen, der ist ein törichter Narr (ich). Doch wer wiederum denkt, mich interessiert das, der kennt mich nicht. Wozu sind Nächte da.” Heute ergänze ich: Wer glaubt, er hält das durch, der ist ein Volltölpel (wieder ich). Da hielt ich mich mal kurz für härter als der Rest, weil ich nachts um drei einarmig einen Blogeintrag getippt habe, aber das sollte eine Ausnahme bleiben. Ich mag zwar der einzige sein, dem es auffiel, aber der November und Dezember waren nach bereits schwachen Vormonaten dann größtenteils textfreie Zone hier im Blog. Schuld war der ziemlich nahtlose Dreiklang aus “arbeiten – Baby kümmern – schlafen”. Unterbrochen vom Erledigen anderer dringender Dinge.

Bereits im Oktober hatte ich meinem aufkommenden Frust über chronischen Zeitmangel einen Artikel gewidmet. Seitdem wurde es nicht besser und nicht schlimmer, es ging einfach immer so weiter. Gegen sieben heimkommen, eine Stunde Babyversorgen, dann schläft sie und es gibt gegen halb neun Abendessen, es werden noch kleinere Dinge erledigt, dann keine Energie mehr für große Taten, sondern nur noch ein wenig Zeitunglesen oder Fernsehen. Zwischen zehn und halb elf dann ins Bett gehen. Ich habe viel darüber nachgedacht, mit welcher Art von cleverem Zeitmanagement ich diesen Kreislauf durchbrechen könnte, komme aber auf keine Lösung, denn es wird an keiner Stelle Zeit verschwendet.

Mutter und Baby vor Bloom&Voss Dock

Deern komm bald wieder … Mini’s erster Hafenbesuch.

Es ist ja gar nicht mal so, dass man ständig unter Strom steht. An Wochenenden ist Zeit für Familienunternehmungen, für Mittagschläfchen, für allerlei schöne Dinge. Doch wie schön wäre es, wenn man nicht auch Samstag/Sonntag um sechs Uhr früh (plusminus 30 Minuten) mit dem hellwachen Kind aufstehen müsste. Und wenn man auch mal wieder gemeinsam ausgehen könnte. Und wenn man beim Ausgehen auch nicht immer im Hinterkopf haben müsste, dass man am Folgetag wieder fit sein muss. Wir vermissen das Spontane, das Ausgehen, die Freiheit, die Sorglosigkeit von früher. Über die letzten paar Monate und auch die Feiertage (die früher zum FEIERN benutzt wurden) hat sich da – hauptsächlich bei mir – eine Grundgenervtheit angestaut. Die ärgert mich selber, denn ich weiß, dass eigentlich alles ganz normal ist und im stresstechnisch im grünen Bereich und ich erwarte eigentlich von mir, dass ich das wegstecke. Zunehmend hatte Mum eher mal Nacht- UND Frühschicht übernommen, weil ich beim Aufstehen so genervt war, dass sie entnervt die Initiative ergriffen hat. Was dann wiederum mich noch mehr genervt hat. Und so weiter. IAm liebsten würde ich das totschweigen, aber auch solche Phasen gehören nunmal zum Elternsein und damit auch in ein Dad-Blog. Mit Sicherheit geht es mir nicht als Einzigem so und hoffentlich hilft es anderen miesgelaunten Dads da draußen, emotional wieder ein bisschen in die Spur zu kommen. Das ist jedenfalls mein Vorsatz. Ich habe den ersten Arbeitstag 2017 auch direkt damit angefangen, dass ich um 6:15 Uhr mit Mini aufgestanden bin. Mit nur ganz wenig Meckern.

Sie geben einem ja sooo viel zurück

Wieder ein Klischeesatz, aber leider wieder wahr. Ist ja so: Auch wenn Depri-Dad hier und da durchkommt, Happy-Dad hat die meiste Zeit die Oberhand. Es macht so einen Spaß, ihr beim Größerwerden zuzusehen und sie ist so unglaublich süß, dass ich sie um keinen Preis gegen die oben genannten Annehmlichkeiten eintauschen würde. Wir beneiden trotzdem in regelmäßigen Abständen all jene, die die Großeltern oder sonstige Verwandtschaft in der Nähe, vielleicht sogar am Ort haben. Einen Luxus wie in den ersten zehn Tagen nach Mini’s Geburt, als meine Mutter uns als Vollzeit-Haushaltshilfe beglückt hat, haben wir seitdem nur sehr selten genießen können.

Familie am Strand

Ich will wieder an die Ostsee … Mini’s erstes Mal am Strand

Die Entwicklung, die Mini während den vergangenen Monaten durchgemacht hat, ist phänomenal. Vom zerbrechlichen Säugling ist nichts mehr übrig. Wenn ich daran zurückdenke, wie alles begann! Jetzt ist sie auf dem besten Wege zum Kleinkind mit ihren 7,5 kg, den 67 cm, mit ihrem temperamentvollen Spielen und ihren ohrenbetäubenden Kreischlauten. Aus ihrem zarten Babygeschrei vom Sommer ist eine kräftige Stimme geworden, die sie bei Freud und Leid gleichermaßen hemmungslos einsetzt.

Hatten wir uns noch im Herbst immer gefreut, wenn sie mal etwas richtig gegriffen und gehalten hat, so sind wir jetzt damit beschäftigt, sie vor sich selbst zu beschützen. Sie greift nämlich alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Tischdecke, Tasse, Haare, Halskette, Kühlschrankmagnete, einfach alles. Sie wirft es dann herunter, schlägt sich damit selbst und nimmt es in den Mund. Ist es löslich (zum Beispiel Papier) wird es gefressen. Dann muss man Papierschnipsel aus dem Mündchen zupfen – und zukünftig besser aufpassen. Besonders beliebt: Handies. Ich habe schon mehrfach Messages oder SMS vollkommen unfertig verschickt, weil Mini es geschafft hat, auf “senden” zu patschen.

Seit Mitte November bekommt sie Brei: diverse Gemüsekombis, Gemüse mit Fleischeinlage, Früchte. Man kann es auch Mus nennen. Oder Schlotze. Jedenfalls hat sie Spaß am Essen und es schmeckt ihr – meistens. Wenn nicht, dann verzieht sie angeekelt das Gesicht und würgt, was so witzig aussieht, dass man ihr gerne mehr Ekliges füttern würde. Sogar zwei kleine Schneidezähnchen haben sich vor ein paar Wochen gezeigt. Sie sind erst zwei Millimeter draußen, aber das reicht, um mit Ausdauer an Brötchen zu knabbern.

Wenn sie nicht gerade isst oder schläft oder kackt (derzeit ca. sechs mal täglich) rollt Sie durchs ganze Zimmer, guckt aufmerksam bei der Hausabreit zu, “erzählt” endlose Geschichten auf Babyisch.

Sie ist nahezu aus ihrer Babybadewanne und aus dem Stubenwagen herausgewachsen. In diesem hat sie die ganze Zeit neben unserem Bett geschlafen, doch ab jetzt wollen wir sie an ihr Kinderbett im eigenen Zimmer gewöhnen. Ich werde berichten, verlasst euch drauf.

Baby in Badewanne mit Büchlein

Entwicklung zur Chefin demnächst abgeschlossen …

Elternzeit und Spaß dabei

Für Mum ist in diesen Tagen auch schon die Hälfte der Elternzeit rum und das letzte halbe Jahr ist verflogen. (Die Erinnerungen an die Schwangerschaft kommen uns sogar schon surreal vor.) Dabei geht sie in ihrem neuen Vollzeitjob so auf. Es ist ein anstrengender, auslaugender Job, manchmal auch ein nerviger. Manchmal ist es auch ein einsamer Job, wenn der Tag lang, das Wetter mies und der Mann im Büro ist. Aber er tut ihr gut und sie hat Spaß am Mutterleben. Einmal die Woche geht es zum Mutter-Baby-Vormittag in Mini’s zukünftigen Kindergarten, wo sich neue Bekanntschaften ergeben, die sie dann auch beim Rückbildungsyoga, bei Rewe oder bei Ernstings’ Family wiedertrifft.

Dieses Jahr wird sicher nicht langsamer vergehen und nicht weniger turbulent werden. Demnächst wird sie sitzen können, das zeichnet sich bereits ab. Wenn sie ersteinmal krabbelt, dann gnade uns, ihr Götter! Ab Juni beginnt die Kita, wir werden die ersten Urlaube im Familienverband machen und wenn alles nach Plan verläuft, gehe ich im August eine knappe Woche alleine zur Kur (= auf ein Festival) auf die Schwäbische Alb. Wir werden sehen. Ich bin jetzt schon gespannt auf den Jahresrückblick 2017!