Eineinhalb Jahre Mini – Ziegen, Zahlen, Zweiwortsätze

Viele Eltern geben ja das Alter ihres Kindes noch in Monaten an, bis kurz bevor es Abitur macht. Aber das ist für meinen Geschmack schon jetzt, wo Mini etwa 19 Monate als ist, präziser als nötig und außerdem mit zu viel Rechnerei verbunden. Ich war beim Kopfrechenwettbewerb im Mathe-Unterricht stets chancenlos. Eigentlich nicht nur beim Kopfrechnen, bei Mathe war ich generell chancenlos. Wofür ich bis heute der Mathematik die Schuld gebe – weil sie doof ist. Mir fallen mindestens 80 Dutzend Schimpfwörter für Mathe ein, einige davon in drei bis vier Sprachen. Mathe ist eine Schlampe, bitch, saloppe, puta, curva. Das waren sogar fünf. Und das habe ich jetzt nicht vorher schnell gegoogelt. Das ist der Ausgleich zum verkrüppelten Rechenzentrum und den Konzentrationsproblemen, den mir die Natur als Versöhnungsangebot mitgegeben hat: Ich bin so (gekreuzte Finger) mit Sprachen.

Kind spricht

Inwiefern ist das jetzt relevant für meine Leser, readers, lecteurs? Na, ich bin der Dad von Mini, und könnte der kleinen Flitzpiepe alles mögliche vererbt haben. (Hauptsache, nicht meine Haarlinie.) Mit ihren zarten eineinhalb Jahren (okay, 19 Monate wäre kürzer) ist sie so emsig dabei, jeden Tag ein neues Wort aufzuschnappen und sich Neues zu merken, zu malen (kritzeln) und spielen, dass man sich als Eltern schon das Eine oder andere Mal fragt, wo wohl Ihre Talente und / oder Interessen liegen (werden). Sprachbehindert ist sie schonmal nicht. Angefangen mit den ersten konkreten Worten hat sie in etwa mit eineinviertel, was laut meiner Mutter auch mein Plapperalter war.

Die ersten sporadischen Zweiwortsätzchen purzeln seit ein paar Wochen heraus. „Mama müde“ oder „Papa Bier“. Ja was? „Papa Chai Latte“ wäre mir hochgradig peinlich. Wir haben vor ein paar Monaten angefangen, ein kleines Tagebuch zu führen, worin wir Anekdoten, neue Wörter, neue Fähigkeiten etc kurz mit Datum aufschreiben, weil es sich mittlerweile wirklich lohnt. Während früher zwischen solchen Meilensteinen wie dem ersten Greifen und dem ersten Rollen Monate vergingen, geht es jetzt Schlag auf Schlag mit den kleinen und großen Überraschungen, die sie uns präsentiert.

Das Sprechen hat selbst in diesem rudimentären Stadium schon den großen Vorteil, dass wir nicht mehr erraten müssen, was Ihre Hohheit uns gerade durch schreien mitteilen will. Die Befehle von ganz unten kommen mehr oder weniger eindeutig. Wenn man sie zu deuten weiß. „Anduckn“ heißt, sie will ein Buch angucken. Mit dem Finger auf Tisch oder Stuhl zeigen und „Popo“ rufen heißt, „Setz‘ meinen Arsch da rauf!“. „Nuller!“ ist einer der meistgehörten Rufe. Ich habe ein bisschen den Eindruck, seit sie den Schnuller direkt einfordern kann, will sie ihn auch deutlich öfter als früher. „Didn“ heißt „trinken“ und „Nidinats“ heißt … „Dentinox“. Zahnungsgel, dass man auf den Schnuller streicht und das dann Schmerzen etwas lindern soll. „Nidinats“ ist ihre neue Psychodroge, denn manchmal ist ein Schnuller nichts wert, solange kein „Nidinats“ darauf ist. Zu eurer Beruhigung: Es genügt, die Tube aufzuschrauben und das Draufstreichen zu simulieren.

Kind zählt

Bis drei zählen haben wir ihr spaßeshalber auch immer mal vorgemacht, wenn z. B. Kaffeelöffel abgezählt wurden – oder mal wieder drei Bieflaschen weggeräumt werden mussten. Wir haben das nicht gemacht, weil wir etwa zu den Frühförder-Freaks gehören, sondern weil es interessant ist, auszuprobieren, was schon anschlägt bei ihr und was noch gar nicht geht. Jedenfalls plappert sie schon „ein, swei, dei“ nach und zeigt dabei eine undefinierbare Anzahl Finger vor. Dass sie das Konzept der unterschiedlichen Anzahl schon versteht, glauben wir eigentlich nicht. Allerdings: kürzlich laufen wir den Fußweg neben unserem Haus entlang, wo eine Menge Sträucherstümpfe aus dem Boden ragen, seit die Landschaftspfleger alles masakriert haben, was nicht bei drei weglaufen konnte. Da piedelt Mini an den Stümpfen entlang, tippt auf die einzelnen drauf und sagt dazu „ein, swei, ein, swei, .. “ usw. Vielleicht heißt das nichts. Vielleicht heißt das aber auch, dass die Familie eine neue Rechenkönigin hat.

Kind treibt das Vieh

In einer Hinsicht verläuft ihre Entwicklung sehr stringent: Schon früh hat sie sich als bewegungsfreudiges, neugieriges, vorwitziges Monsti gezeigt. Schon als sie weder sprechen noch laufen konnte haben Leute ihre Mimik-Spiele kommentiert mit: „Die hat den Schalk im Nacken!“. Und der Schalk wächst mindestens so schnell wie sie. Sie kann mittlerweile richtig berechnend sein. Das Spielchen mit dem Grenzen austesten ist in vollem Gange und auch ihre Vorwitzigkeit gegenüber Mensch und Tier wird immer ausgeprägter. Neulich waren wir auf dem Kinderbauernhof in Wilhelmsburg, wo Schafe, Ziegen, Hühner, Hasen, Esel und Co herumlaufen und haut- bzw. fellnah erlebt werden können. Nachdem die erste Skepsis gegenüber den großen Tieren, die teilweise Hörner hatten, überwunden war, hatten die Tiere einen neuen Gegner. Einer Ziege, deren Schulterhöhe etwa Mini’s Kopfhöhe (80 cm) entsprach, näherte sie sich von hinten, patschte ihr aufs Hinterteil, stemmte sich dagegen und rief mit ihrem unnachahmlich kecken Befehlston „laufän!“. Was soll ich sagen – die Ziege hat nicht ausgekeilt, sondern gehorcht.

Kind ist emotional

Wenn sie nicht gerade Almabtrieb spielt, winkt sie Leuten zu (z. B. wildfremden Passanten) oder auch Dingen (z. B. Flugzeugen). Oder sie spielt mit Duplo Bausteinen, kritzelt wilde Kunstwerke, fährt ihre Puppe „Bebi“ durch die Gegend oder will im Spülbecken mit Wasser pantschen und irgendwas abwaschen. Manchemal darf sie das natürlich, denn sie liebt das total – wir haben ihr extra einen Tritthocker zum Draufstehen angeschafft – aber manchmal darf sie es eben auch nicht. Dinge NICHT zu dürfen ist eine ganz schlimme Beleidigung und muss in jedem Fall mit Brüllattacken nicht unter 130 Dezibel bestraft werden. Die Trotzigkeit geht Hand-in-Hand mit dem Grenzen austesten.

Die emotionale Phase, in der Mini sich gerade befindet, lässt sich am besten beschreiben mit einem Artikel, den ich vor einem halben Jahr gepostet habe: Das Love-Hate-Update. Sie ist so schmusig und anhänglich wie nie zuvor, aber ganz schnell kann Kuscheligkeit umschlagen in zornig wie nie zuvor. Mit den Phasen ist das ja so, dass ein paar Dinge in jeder Phase gleich sind: Man findet immer, dass sie derzeit am süßesten ist. Man empfindet immer die aktuelle Phase als die spannendste und immer auch als die anstrengendste. Und man fragt sich in jeder Phase aufs Neue, wann wohl endlich die kommt, die das (endgültige) Durchschlafen bringt.

1 Kommentar

  1. Sarah&Anni und der jules

    31. Januar 2018 at 20:52

    Sehr schön geschrieben, und toll was die lütte alles drauf hat!!! Hab gelacht ??
    Bis bald Grüße an euch drei

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