Wie im Bilderbuch: Menschenkind füttert Mäh-Kind.

Wie im Bilderbuch: Menschenkind füttert Mäh-Kind.

In Teil 1 meiner diesjährigen Familienurlaub-Serie hatte ich es ja bereits schamlos gespoilert, denn es war schon in trockenen Tüchern: Unser erster Familienurlaub 2018 führt uns auf einen Bauernhof in der Lüneburger Heide. Die Regel mit dem Spannungsbogen beim Textaufbau missachte ich jetzt komplett, denn ich muss es loswerden: Wir haben dieses Mal alles richtig gemacht! Wir glaubten, es würde automatisch ein entspannter Urlaub, wenn das Kind ausgelastet und damit ausgeglichen ist – und hatten Recht. Zudem hat sich unsere Ahnung bestätigt, dass auch wir Eltern einen echten Bauernhofurlaub mit ohne Zivilisation, dafür mit viel Stallgeruch, abfeiern werden. Die Woche war einfach wunderschön. In jedem Punkt.

Nur Höfe und Heide

Wo waren wir genau? Unser Ferienbauernhof hieß Leverenzhof und befand sich ziemlich genau in der Mitte zwischen Hannover und Hamburg, mitten in der Heide.

Google Maps Screenshot

Der Ort heißt Meinholz und ist eigentlich kein Ort, sondern ein aus mehreren Höfen bestehender Ortsteil von Wietzendorf, einem 4000-Seelen-Dorf, ziemlich genau in der Mitte zwischen Lüneburg und Celle. Diese Städte sind 45 bis 60 Autominuten entfernt, einzige Kleinstadt in der direkten Umgebung ist Soltau. Da waren wir auch auf einen Sprung mal, aber weiter als bis Wietzendorf zu fahren war eigentlich nicht nötig. Dort gibt es zwei kleine Supermärkte, einen Getränkemarkt, Restaurants, ein Eiscafé sowie Fahrschule, Friseur, Fleischerei, Sonnenstudio, Sparkasse, noch einige Läden und Geschäfte mehr – und einen kleinen Dorfplatz mit Sprudelbrunnen und free Wifi. Bäm. Fast wie Hamburg.

Zugang zu Wasser ist ein Menschenrecht. Außer wenns nach Mini ginge - dann hätte sie alles Wasser für sich.

Zugang zu Wasser ist ein Menschenrecht. Außer wenns nach Mini ginge – dann hätte sie alles Wasser für sich.

Das Hofleben: tierisch abwechslungsreich

Das Schöne an der ganzen Woche war: Wir hatten überhaupt nicht das Bedürfnis, viel außerhalb zu unternehmen, denn auf dem Hof war alles vorhanden, was wir an Unterhaltung brauchten.

Alleine schon mit dem totalen Tapetenwechsel war eine dicke Position der Wunschliste abgehakt. Wer in einer Etagenwohnung in der Großstadt wohnt, mit dem ÖPNV zur Arbeit fährt und dort von neun bis achtzehn Uhr am Schreibtisch sitzt, der blüht auf, wenn er plötzlich das krasse Gegenteil hat: Ein geräumiges, rustikal eingerichtetes Haus mit Terrasse und Garten, dahinter Weidewiesen, auf denen morgens der Nebel wabert. Davor direkt der Hof, mit jahrhundertealten Gebäuden, in denen lauter Tiere wohnen und lauter verschiedene Gerüche ausströmen, denen man als Stadtmensch sonst kaum begegnet.

Vor dem Frühstück erstmal eine Runde durch den Morgentau im Garten sprinten.

Vor dem Frühstück erstmal eine Runde durch den Morgentau im Garten sprinten.

Das Tagesprogramm hat sich dort immer von ganz allein ergeben. Wir mussten uns an keinem Tag überlegen, womit wir ihn füllen. Bis überhaupt das Frühstück durch war und sich alle tagesfein gemacht hatten (oder gemacht worden waren), war es später Morgen. Danach mit dem begeisterten Kind eine Guten-Morgen-Runde zu Muhs, Mähs, Hasis und Oinkoinks, Stallluft schnuppern und den ersten Matsch an die Stiefel und Sand in die Hose kriegen. Ein bisschen buddeln, formen und sieben am Sandberg, dann eine Runde mit Papa Go-Kart fahren. Oder schaukeln. Es folgen die Pflichtpunkte Mittag und Mittagschläfchen für alle (ausgiebig zu halten!). Danach noch einmal etwas Leerlauf zum Einkaufen oder doch mal was unternehmen. Dann ab 16 Uhr das Highlight eines jeden Tages: die Hofrunde. Eine etwa zwei Stunden lange Fütterungs-Runde durch alle Ställe und Gehege.

Den Schweinchen trockenes Brot füttern und ein bisschen Borsten streicheln.

Den Schweinchen trockenes Brot füttern und ein bisschen Borsten streicheln.

Bei den Pferden begann die Runde immer, wo es auch gleich in die vollen ging: Erst striegeln und bürsten, dann eine Runde um den Hof reiten, danach füttern. Das hat Mini am meisten beeindruckt von allem. “Ferd!” “Sauba machn!” “Leitän!” “Hopp, hopp!” Einer musste zwar immer zusätzlich zum Pferdeführer neben ihr her gehen und verhindern, dass sie zu einer Seite runterrutscht, aber sie hat sich beherzt in der Mähne festgekrallt und es sichtlich genossen, die Welt vom schaukelnden Pferderücken aus zu betrachten.

"Hopp, hopp!" und am liebsten nie wieder runter!

“Hopp, hopp!” und am liebsten nie wieder runter!

Mit Begeisterung hat sie den stürmischen Ziegen Karotte gebracht und ist zu ihnen in den Stall gestiegen um sie zu streicheln. Sie hat den Kühen Arme voll Silage hingeworfen und war irgendwie ganz fasziniert von ihnen. Vielleicht wegen deren Psycho-Blick.

Den Ziegen eine Karotte reinlegen und ein paar Streicheleinheiiten.

Den Ziegen eine Karotte reinlegen und ein paar Streicheleinheiten geben.

Ganz beliebt war auch immer die Fütterung und Streicheleinheiten bei den Karnickeln und den Meerschweinchen – welche stets Hamster genannt wurden. Beziehungsweise in Mini’s Sprache eher “Hapsa”. Nichts zu machen. Aber schließlich ist Meerschweinchen ein schwieriges Wort und sie sehen Hamstern ja wirklich extrem ähnlich. Das Meerschein-auf-dem Schoß-Streicheln war immer so ein richtiger Heidi-Moment, in dem sie nicht glücklicher hätte sein können.

Einmal lieb haben - Meerschweinchen a.k.a. "Hapsta"

Einmal lieb haben – Meerschweinchen a.k.a. “Hapsta”

Auch mal durch Schmerzen lernen

Mini scheint wirklich absolut keine Scheu vor Tieren jeglicher Größe und Bewaffnung zu haben. Kühe und Pferde machen ihr ebensowenig Angst wie die gehörnten Ziegen. Sie ist einfach nur von allen begeistert, will überall hingehen, streicheln, patschen. Man muss ihren Enthusiasmus regelmäßig bremsen, damit sie keinen Schaden anrichtet – oder selbst Schaden nimmt, wenn ein Vierbeiner sich belästigt fühlt. Wie im Falle einer stattlichen Hofkatze, die Mini mit einem leichten, gezielten Schnapper in die Hand zu verstehen gab, dass sie gerade gar keinen Bock darauf hat, begrapscht zu werden. Und ich sag noch zwei Mal: “Mini, stopp, nein! Die Katze will nicht gestreichelt werden.” Die Schnute nach der kleinen Attacke hättet ihr sehen müssen. Kein Losheulen, sondern nur kurz davor, mit dieser stummen, unfassbar gekränkten Schmolllippe, die nur selten kommt. Nur dann, wenn Mini wirklich überrumpelt und irritiert ist.

Bauernhof, wir kommen wieder!

Wir dachten zu Anfang, eine volle Woche sei ziemlich lang und es wäre definitv lange genug. Wir dachten, es würde sicher irgendwann auch langweilig werden. Falsch gedacht. Es war abwechslungsreicher, als wir erwartet hatten. Das lag sicher auch daran, dass das Hofleben kein Ringelpiez ohne Anfassen war, sondern man sich richtig mit einbringen und anpacken konnte. Es hat einfach nur glücklich gemacht, abends nach Pferd riechend, mit Tierhaaren und Staub an den Klamotten, Sand in dem Umschlägen, Matsch an den Gummistiefeln und einem erschöpften Kind auf dem Arm heim zu kommen.

Dad und Daughter of Anarchy auf einer Ausfahrt bei schönstem Sonnenschein.

Dad und Daughter of Anarchy auf einer Ausfahrt bei schönstem Sonnenschein.

Und wenns mal regnet: wen kümmert das so lange die Pfützengroß genug sind.

Und wenns mal regnet: wen kümmert das, so lange die Pfützen groß genug sind.

Die Woche ging enorm schnell rum. Wir hätten gerne noch verlängert, konnten aber nicht, weil alles direkt weitervermietet war. Wir hatten uns gerade so richtig an dieses ländliche Lebensgefühl gewöhnt, da mussten wir schon wieder zurück. Immerhin hat der Hof Jahrhunderte überlebt, da wird er vermutlich nächstes Jahr auch noch da sein. Wenn ja, kommen wir auf jeden Fall wieder!

Auf einem Spaziergang entlang eines Naturpfades: ahnungsloses Rotwild.

Auf einem Spaziergang entlang eines Naturpfades: ahnungsloses Rotwild.

PS: Dieser Artikel ist keine Kooperation, Werbung oder sonstwas Gekauftes. Der Leverenzhof hat es einfach verdient, genannt und verlinkt zu werden. Die Tiere auch. Und die Heide ebenso.