Sprach Mum kürzlich in der Küche, während sie die laut aufheulende Mini vom Boden auflas und auf den Arm nahm. Was der Anlass für den Heulausbruch war, weiß ich schon gar nicht mehr – es gibt so viele Anlässe. Ich weiß nur noch, dass es mal wieder nicht nach little Miss’ Kopf ging.

Vorsicht Spoiler! Die Antwort auf Mum’s Frage lautet: Nein. Es war eine rein Rethorische und ich wusste sofort, dass dies die Überschrift meines nächsten Blogartikels werden würde. Es geht um die Trotzphase und die damit einhergehenden spontanen Wutattacken, die unseren kleinen Brüllwürfel derzeit häufig heimsuchen. Die Trotzphase birgt zwar eine Menge Überraschungen, doch auf eines kann man sich verlassen: Geschrien wird immer. Wenn man es nicht selbst erlebt hat, glaubt man nicht, welch triviale Handlungen – oder Unterlassungen – eruptionsartige Wutausbrüche auslösen können. Man hat keine Chance, es zu vermeiden.

Das ist nicht das, was ich bestellt habe!

Einer der verblüffendsten Momente ist der, wenn man dem Kind ein Nahrungsmittel reicht, nach dem es gerade gegiert hat – sagen wir, ein großes Stück Banane – und dieses noch schnell ein/zwei Mal durchschneidet. Großer Fehler. Es wurde BANANE bestellt, nicht KLEINE Banane! Drama wie auf Knopfdruck. Geht auch mit einem Marmeladenbrot. Das ganze Brot wie bestellt aufs Tischchen gelegt, dann mit einem einzigen Schnitt das Brot halbiert – und die Stimmung nachhaltig gekillt. Da wird sich dann auch nicht höflich beim Ober beschwert, sondern so, dass man es bis zur Küste hört.

Drama at sunrise

Ich habe der Angelegenheit einen filmreifen Namen verpasst, denn filmreif ist Mini’s frühmorgendliche Durchdreh-Performance, die an vier von fünf Tagen zwischen 4:00 und 5:15 beginnt. Das Ritual: Aufwachen, Fläschchen Milch kriegen, bei uns im Bett weiterschlafen. Sie erwacht also und will Mama und Milch. Sie zirpt ganz dezent und niedlich durchs Babyphon “Mama”. Erste Enttäuschung: Meist erscheint Papa. (Weil Mama’s Wecker bereits um halb sechs klingelt.) Da kippt die Stimmung schon leicht. Das nächste Wort ist “Miiils” (Miiiilch) – in bedrohlicher Verzweiflungstonlage. Bin ich im Schlafzimmer angekommen, ist sie meist schon zum Heulen übergegangen. Sie hat dann Mama, was aber gerade gar nicht zählt, denn: “Miiiiiils!!” Die Milch muss aber leider erst eine Minute in die Mikrowelle. Mini kreischbrüllt jetzt wie am Spieß, zappelt, windet sich dabei, ist kaum zu beruhigen. Meistens gelingt Mum das jedoch in der nächsten halben Minute, manchmal aber auch nicht. Dann komme ich mit der Milchflasche, aber anstatt sofortiger, erlösender Stille, wird diese gar nicht wahrgenommen. Sie steigert sich so rein, dass sie scheinbar nicht bemerkt, wenn sie plötzlich alles hat, was sie wollte: “Mils” und “Mama”. Hat man sie dann zu ihrem Glück gezwungen und die Flasche angedockt, hört die Erde wieder auf zu beben.

Plumps! Bäng! Poffz!

So sicher sie sich bereits durch die Welt bewegt, so tolpatschig ist sie auch wieder. Sie wird manchmal Opfer ihres eigenen Temperaments oder der eigenen Neugier. Da wird ein unachtsamer Schritt rückwärts gemacht, der den Kopf direkt gegen den Türrahmen manövriert – Drama. Im Vorbeirennen wird die Kurve um die Türe herum zu eng genommen. Wieder der Kopf – wieder Drama. Beim am-Rockzipfel-hängen, was auf das Ignorieren der Forderung “Arm!” folgt, wird gestolpert, hingefallen und auch wenn dabei gar nichts angehauen wurde – Drama. Während ich mich rasiere guckt Mini vorwitzig in die Wäschetruhe. Alles ist schön. Da rutscht der Holz-Deckel aus der einen Hand, während die andere noch dazwischen ist – Drama.

Das L-Wort und das Z-Wort

Mini hat längst das Naschen für sich entdeckt und konkrete Vorlieben entwickelt. Wehe, wenn ihr plötzlich einfällt, dass sie etwas naschen möchte, aber es nicht darf. Sie muss nur das Wort hören, schon will sie es haben und weiß natürlich auch ganz genau, wo es sich befindet. Deshalb stehen manche Wörter auf unserer schwarzen Liste. “Schokolade” beispielsweise. Das heißt in Mini’s Sprache “Lade” – deshalb das “L-Wort”. Sieht oder hört sie etwas, das sie an “Lade” erinnert, rennt sie zum Vitrinenschrank im Wohnzimmer, rüttelt an der Tür und guckt ganz erwartungsvoll. Diesem Blick zu widerstehen ist so schlimm wie das, was kommt, wenn man widerstanden hat. Gebrüll, Tränen und in besonders emotionalen Momenten auch hinknien und Kopf-auf-den-Boden-schlagen. Das gleiche gilt den Zwergen. Mit vollem Namen: Fruchtzwerge. In Mini’s Sprache heißen sie in etwa “Dwäad”. Gleiches gilt auch der Box mit verschiedenartigen Knabber-Cräckern, die meist für unterwegs gedacht sind. Alles muss aus dem Sichtfeld geschafft und totgeschwiegen oder Tabu-mäßig umschrieben werden.

Die Liste an Andektoden wäre noch lang. Ich habe jetzt schon ein wenig Angst vor unserer kleinen Flugreise im Sommer. Zwei Stunden lang benehmen? Ich glaube, wir müssen eine Menge Lade mitnehmen um sicherheitskritische Zwischenfälle an Bord zu verhindern.

Übrigens: Das einzige, was wir noch nicht erlebt haben, ist die klassische Supermarkt-Szene auf dem Boden zwischen den Regalen. Mit Betonung auf NOCH.

Welche tragikomischen Alltags-Erdbeben habt ihr so mit euren Kleinsten erlebt? Ich würds zu gerne wissen.