Flieger nach Vancouver

Unsere Hochzeitsreise begann mit einer typischen Dad-Aktion. Nach ca. 18 Stunden Reise, davon die letzten neun oder sogar mehr nonstop im Flugzeug, saßen wir im Taxi, das uns zu unserem B&B bringen sollte. Dort wartete der heißersehnte, blubbernde Außen-Whirlpool und ein weiches Bett so groß wie ein Fußballfeld. Nur stand zwischen uns und dem Paradies noch ein Problem: Ich. Ich hab das Buchen übernommen, alle Unterlagen zusammengestellt – und was übersehen. Ich hatte zwar einen Ausdruck dabei, der etwas mit der Buchung zu tun hatte, auf dem aber leider die Adresse nicht stand. Das fiel mir in dem Moment auf, als der Fahrer danach fragte. Aus dem Kopf ließ sich das auch nicht hervorkramen. Irgendwas mit Broadway… hilft nur nicht, in einer Riesenstadt wie Vancouver. Mal eben Googlen geht auch nicht ohne Daten-Roaming.

Der Fahrer war ein älterer, netter, entspannter Typ – zum Glück war es nicht zu erraten, was er wirklich von mir dachte. Er war mittlerweile rechts rangefahren, um bei seiner Zentrale nach Rat zu fragen, denn wie das B&B hieß stand immerhin auf dem Zettel. Leider schien die Zentrale nicht weiter zu kommen mit der Recherche, denn es kam die Rückfrage. „Sicher, dass das in Vancouver ist?“. Mum saß mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und müder Resignation daneben und fragte sich, was manchmal nicht stimmt mit mir. Das musste ich nicht erraten, das sagte mir der Halbsatz „Also manchmal… echt…“ recht deutlich. Mein einziger Trost war, dass sie mich bereits vier Jahre kannte und ihr offensichtlich doch mehr Pros als Contras fürs Heiraten eingefallen waren. Der größte Trost aber war, dass Fahrer und Zentrale sich nur missverstanden hatten: Das B&B heißt ‚Suite Dreams‘, was natürlich wie ‚Sweet‘ klingt. Jetzt verkündete die Stimme aus dem Handy des Taxifahrers: „2806 West 10th Avenue“. Übrigens, die Straße namens Broadway verläuft da auch – nur zu meiner Verteidigung.

Vancouver, West Broadway

Das war heute vor einem Jahr, als wir den Urlaub aller Urlaube antraten. Es war nicht nur die Hochzeitsreise, sondern auch für beide die erste nach Übersee. Mit der Babyplanung fest im Blick war für uns klar gewesen: Es soll jetzt einmal richtig weit weg gehen, denn den Heimatkontinent würden wir auch mit Baby wieder bereisen können. Zusammen wollten wir jetzt dekadent sein, Luft vom anderen Ende der Welt schnuppern und groß denken. Kuba vielleicht, USA Ostküste oder eben Kanada. Der typische Karibik-Honeymoon im All-Inclusive-Ressort stand nicht eine Sekunde zur Debatte, denn zu jedem guten Urlaub gehört für uns viel erleben, viel herumkommen und bloß kein Pauschaltourismus. Da sind wir uns einig und das ist eine der wenigen absolut essenziellen Gemeinsamkeiten, die fürs gemeinsame Leben notwendig sind. Eine dieser Gemeinsamkeiten, für die man schon beim ersten Date einen Pluspunkt verteilt. Wir hatten alle möglichen Enden Europas bereist, aber dieses Mal war London Heathrow nicht die Endstation (auch wenn sich die knapp sechs Stunden Aufenthalt so anfühlten), sondern der Auftakt für den Flug über den Atlantik.

Mit einem fantastischen Überflug Grönlands und des Polarmeeres (“ich seh ‘nen Eisbär! ” – “Nein, tust du nicht.”), weiter über den Nordamerikanischen Kontinent bis an die Westküste Kanadas.

Überflug Grönland

Grönland aus 11 km Höhe

Überflug Polarmeer

Polarmeer aus 11 km Höhe

Zum endgültigen Entschluss, Vancouver anzusteuern, hat uns unsere gute Freundin vom Fluegge-Blog inspiriert, die dort ein Jahr zugebracht und nur geschwärmt hat. Doch die Stadt sollte nur der Anfang (und das Ende) sein, zwischendrin wollten wir uns elf Tage im Wohnmobil durch die Landschaft treiben lassen. Mit einer groben Route, damit wir uns nicht verzetteln und ein/zwei festen Zielen (den Banff National Park zum Beispiel darf man sich einfach nicht entgehen lassen, wenn man schonmal dort auf der Ecke ist), aber ansonsten ohne Agenda.

Zwar begann der Reiseteil auf kanadischem Boden mit etwas weniger Agenda als gut gewesen wäre, aber am Ende gab es doch nur glückliche Gesichter. Das Appartement hielt, was es versprochen hatte, die B&B-Betreiber waren herzlich, der Liquor Store nicht weit und der Pool vorgeheizt. Bevor wir uns in die Eingeweide der Metropole stürzen, brauchen wir erstmal Wellness. Blubberwasser, Blubberbier und Schlaf. Morgen Vancouver.

Pool in der Honeymoon Suite

Das erste kanadische Bier im Whirlpool mit Ausblick.