Is schon soweit? Jetzt schon ein Jahr rum? Kinners und ich hab noch gar nichts vorbereitet. Mum natürlich schon. Die hat für Mini Geschenke gekauft, liebevoll verpackt (damit Mini das damit tun kann, was sie am liebsten tut), einen Geburtstagskuchen gebacken, eine Karte geschrieben und das Esszimmer auch ein wenig dekoriert. Was man halt so macht, damit Mini ihren allerersten Geburtstag (zumindest den ersten ohne Geburt) in wunderschöner Erinnerung behält. Und ich… ich hab noch nicht einmal einen lausigen Blogartikel für sie. Also sitze ich hier am Vorabend der Jubiläumssause und denke über die vergangenen zwölf Lebensmonate unserer kleinen Pupsfrikadelle nach.

Aus einem hilflosen, winzigen, stillen Würmchen ist eine hilflose, stramme, ziemlich laute Randalefee geworden. In regelmäßigen Abständen haben wir uns über eine neue Fähigkeit oder Weiterentwicklung gefreut. Je älter sie wurde, desto häufiger gab es solche Anlässe. Der erste Meilenstein war die Gewichtszunahme nach schwierigen ersten Wochen. Dann hat sie irgendwann plötzlich das erste willkürliche Lächeln gezeigt, was noch viel schöner war, als das süße Engelslächeln über das wir uns jedes Mal gefreut haben. Ich erinnere mich auch noch genau an den Moment, in dem es mir durch zum-Affen-machen am Wickeltisch gelang, ihr das erste richtige Kinderlachen zu entlocken. Da kam Mum ins Zimmer gestürmt: “Wie süüüüß! Wie haste das denn gemacht?” Tja, da zahlt sichs aus, dass ich früher schon ein Klassenclown war.

Überhaupt hat sie andauernd neue Laute eingeführt. Quieken, stöhnen, ächzen, zischen … nicht umsonst nannten wir sie das Zombieküken. Das Schreien wurde lauter und irgendwann kam das Gebrabbel, das uns bis heute begeistert. Parallel zur Stimme ging es mit der Motorik voran. Wie man sich freuen kann, wenn sie zum ersten Mal etwas greift, oder es dann endlich schafft, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen, wenn auch nicht mehr zurück. Als das dann klappte, ging es erstmal nur in eine Richtung, so dass man sie am Ende des Zimmers immer wieder für den Rückweg umdrehen musste.

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Nahrungstechnisch waren die ersten Gläschen das große Highlight, nach den Hektolitern an Pre-Milch der ersten  Monate. Plötzlich aß sie echte Nahrung von einem Löffel! Bald ging das große Vorkochen los. Diverse Gemüse wurde gekocht, püriert, in Eiswürfelportionen eingefroren und dann Portionsweise zu einem Mittagsmahl zusammengestellt.  Dann die ersten Zähnchen und endlich Essen mit Biss: Obstschnitze, Knabberzeug, Nudeln, Kartoffeln, Fleisch. Das erste Eckchen Brot mit Frischkäse! Oder Leberwurst. Heute kriegt sie so ziemlich alles, was nicht stark gewürzt oder gezuckert ist. Fischstäbchen mit Pü. Nudeln mit Gemüse, Wiener Würstchen mit Brot. Natürlich alles selber erkunden durch begrapschen, verschmieren, ankauen, wieder ausspucken und wieder rein damit. Oder auf den Boden damit. Ach ja, der Boden. Gäbe es keinen Boden, wo würden nur all die Sachen landen, die sie mit einer leicht provokanten Lässigkeit fallen lässt oder energisch vom Tisch fegt.  Wäre da unterhalb ihres Hochstühlchens ein schwarzes Loch, die dahinterliegende Paralleldimension wäre mittlerweile voll – voll mit Trinkfläschchen, Essen aller Art, Löffel, Tellerchen, Papiertüchern, Spielsachen. Und mit Eltern. Die befinden sich nämlich auch öfters auf dem Boden, um all das Zeug aufzusammeln, das leider in Ermangelung eines schwarzen Lochs dort einfach rumliegt und in den Teppich einzieht.

Auf dem Boden kriechen wir überhaupt andauernd herum, weil wir unsere Besitztümer und sie selbst vor ihr schützen müssen. Seit ein paar Monaten schon krabbelt sie, zieht sich an Möbeln hoch. Sie will alles herunterreißen, ausräumen und zerstöööööörääääään!

Und seit zwei Wochen wird sie auch schon in die Kita eingewöhnt. Sie macht sich dabei so gut, dass sie wahrscheinlich ab nächster Woche ein ganz reguläres Kindergartenkind sein wird. Ein 76 Zentimeter großes Randaleküken. Nur noch 1 Meter wachsen, dann kann sie modeln. (Was sie hoffentlich nie vorhaben wird.) 9,2 Kilogramm pure Niedlichkeit. Wenn sie das Gewicht auch noch hält, kann sie erst recht modeln. (Was sie hoffentlich nie vorhaben wird.) Mum geht ab Montag wieder arbeiten, meine Elternzeit endet in zwei Wochen und dann befinden wir uns endgültig in einer neuen Phase des Familienlebens. Jahr 2 beginnt.

Baby am Strand

Zum Schluss blenden wir nochmal  etwa ein Jahr und sechs Wochen zurück.  Da habe ich nach einem Konzert im Knust den weltbesten Stehschlagzeuger der besten Band der Welt entdeckt. Bela B höchstpersönlich. Ein Typ, den ich sowohl als Typ wie auch als Schlagzeuger enorm sympathisch und cool finde. Da habe ich meine Zurückhaltung über Bord geworfen und ausnahmweise mal auf Fanboy gemacht. Ich habe mir vom Barmann einen Kuli geliehen, einen Notizzettel aus meinem Portmonaie zum Autogrammzettel umfunktioniert und ihm eine kleine Widmung für meine ungeborene Tochter abgenötigt. Nötigen musste ich ihn gar nicht. Echt ein freundlicher Typ, der Mini das coolste Geschenk hingekritzelt hat. Schwer lesbar in der Tat, aber ein Original. Es steht seitdem gerahmt auf ihrem Klamottenregal.

So. Jetzt habe ich wenigstens einen lausigen Blogartikel für sie. Und nun geh ich ins Bett, damit ich morgen früh um etwa sechs Uhr fit genug bin, um mit meiner kleinen Tochter Geburtstag zu feiern. Ist das noch Punkrock?

Bela