Mit Mini allein zuhaus: Mum’s Fazit nach 10 Monaten

Mum_LabelGar nicht mehr lange, und Mini macht das erste Jahr voll. Der April war der letzte von 10 Monaten, den wir zwei ganz alleine zusammen verbracht haben. Also das heißt im Alltag, wo Dad den ganzen Tag weg von zuhause ist. Ich habe beschlossen den Monat ganz intensiv zu genießen, denn ab Anfang Mai hat Dad bereits frei, bevor Mitte Mai seine zweimonatige Elternzeit beginnt. Den Mai haben wir noch komplett gemeinsam, da wird vor allem viel gereist: Besuche bei den Großeltern und die erste Flugreise im Familienverband steht an: nach Irland!  Ab Juni dann beginnt die Eingewöhnung im Kindergarten, welche Dad übernehmen wird. Gut so, denn ich wäre da wahrscheinlich mit zu vielen Emotionen dabei. Ab Mitte Juni werde ich dann zurück in die Arbeitswelt kehren. Dem schaue dem mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Ich freue mich darauf,  wieder mal „anders gefordert“ zu werden und auf Gespräche mit Leuten außerhalb der „Mum-Community“.

Natürlich bin ich auch ganz schön traurig, dass das Jahr so schnell vorbeigegangen ist. Mini und ich werden wohl nie wieder so eine intensive gemeinsame Zeit haben. Und soll sie tatsächlich schon in den Kindergarten? Sie ist doch noch so klein! Und werden sich die Erzieherinnen auch gut um sie kümmern? Und klappt es dort mit dem Essen und dem Schlafen? Die Sorgen einer Mutter, wenn sie plötzlich loslassen muss.

Ganz neue Herausforderungen eines ganz neues Lebens

An die neue Mutterrolle musste ich mich damals ziemlich gewöhnen. So ein kleiner Mensch stellt tatsächlich alles mächtig auf den Kopf. Mini verändert einen selbst, die Partnerschaft und das soziale Umfeld. Trotz aller Euphorie und der unzähligen schönen Momenten gibt es eben auch wahnsinnig anstrengende und nervenaufreibende Zeiten. Es ist nicht alles Glanz und Gloria. Manche Tage fühlen sich unendlich lang an und manche Tage sind sehr einsam – wenn der Mann auf der Arbeit ist und bei uns Zweien zuhause die täglich gleiche Routine ihren Tribut fordert, nervlich und emotional. Oft erwischte ich mich nämlich dabei, dass ich von der ganzen Routine und dem alles-planen-Müssen genervt war. Das Duschen muss morgens mit der Anwesenheit des Mannes koordiniert werden, die Mahlzeiten vorausgeplant und der Wach-Schlaf-Rhythmus von Mini bei Erledigungen und Terminen berücksichtigt werden. Habe ich Windeln und Knabberzeug bei Ausflügen dabei? Wie lange dauert es bis zur nächsten Fütterung? Ist Mini warm genug eingepackt? Es scheint mir manchmal so banal, aber spontan ging nichts mehr!
Die Pfunde aus der Schwangerschaft werden auch eher mehr als weniger. Kein Wunder. Es wird sich zwischendurch immer mal reingeschoben, was gerade da ist. An Sport ist irgendwie auch nicht zu denken, weil ich abends zu kaputt bin und die Couch eine große Anziehung hat.

Ich war am Anfang auch überrascht davon, wie wenig man mit so einem Baby doch anstellen kann. Ist ja eigentlich auch ganz logisch,  aber auf so eintönige Beschäftigungen war ich irgendwie doch nicht eingestellt: Wenn irgendwelche Babyklimpersachen über ihrem Kopf hin- und her gewedelt wurden oder gesungen und geklatscht wurde war Mini schon sehr zufrieden. Wenig später konnte sie zwar schon selbst fuchteln und greifen und sich gut selbst beschäftigen, aber wirklich ausdauernd war sie dabei leider nie. Da musste ich mir schon ein paar Besonderheiten ausdenken und ihr ein gutes Unterhaltungsprogramm bieten. Einerseits eine schöne Aufgabe, aber anstrengend und auch manchmal emotional ermüdend. Mini ist gern unter Menschen und beobachtet viel und fleißig. An Tagen nur mit mir zuhause wird sie schnell quengelig. Deshalb habe ich versucht, möglichst jeden Tag ein bis zwei Mal mit ihr spazieren zu gehen, auch bei Nieselwetter. Unsere Wohnumgebung kenne ich mittlerweile sehr gut. Genauso wie die Drogerien in der Umgebung. Dahin führt es uns bis heute mindestens zwei Mal wöchentlich. Windeln und Feuchttücher sind irgendwie immer alle. Komisches Phänomen.

Volles Unterhaltungsprogramm für Mini

Mutter und Kind

Mum und Mini beim BauchBuggyGo in Hamburgs wilden Waldgebieten

Nachdem die Narbe vom Kaiserschnitt verheilt war, haben wir zusammen einen Yoga-Rückbildungskurs begonnen. Das tat mir und Mini gut. Ich habe Übungen gemacht und Mini konnte beobachten und staunen. Gern hätte ich den Kurs noch weitergeführt, aber als Mini mobiler wurde und das große Drehen begann, musste ich mich mehr um sie kümmern als um die Übungen.
Ich habe schnell eine Alternative gefunden: einen Outdoor Kurs. Der Kurs nannte sich BauchBuggyGo (www.supermamafitness.de), wo zehn Muddis eine Stunde lang mit ihren Kindern im Wagen oder im Buggy durchs Niendorfer Gehege geturnt sind. Das muss für Außenstehende schon lustig ausgesehen haben. Oft wurden wir auch von Spaziergängern ordentlich angegrinst. Der Kurs bestand aus Walking-Einheiten, kleinen Sprints, Übungen auf dem Boden oder mit Gummibändern. Das war eine win-win-Situation für uns Beide. Ich habe Sport gemacht und Mini hat geguckt oder gepennt. Aber auch hier war ich nach einem Kurs von zehn Einheiten wieder raus, weil es mir im Oktober dann einfach zu kalt war. Von wegen Küstenkind! (Als Kind von der Ostseeküste kokettiere ich eigentlich gerne mit meiner Wetterfestigkeit.)

Kurz darauf habe ich entdeckt, dass sich in unserem zukünftigen Kindergarten ein Eltern-Kind-Zentrum befindet. Donnerstags treffen sich Mütter mit ihren Kindern von bis zu einem Jahr dort zum gemeinsamen Frühstücken, Spielen, Singen und Mittagessen. Eine Hebamme ist dann auch immer vor Ort und man kann sie bei Fragen und Problemchen rund ums Kind ansprechen. Zwei Erzieherinnen kümmern sich um die Kiddies, während die Mütter essen, klönen und sich kennenlernen. Bis heute gehen wir jeden Donnerstag dort hin.

Baby und Musikinstrumente

Bei den Klangstrolchen: So viele Instrumente und nur zwei Händchen

Seit Februar etwa gibt es noch mehr Programm. Montags geht es für eineinhalb Stunden zum Delfi-Kurs und freitags zu den Klangstrolchen. Beim Delfi werden die Babies in einem warmen Raum nackt ausgezogen und spielerisch können sie verschiedene Materialien, Formen und Berührungen erfahren. Es wird gesungen und auch hier kann man sich mit anderen Müttern gut austauschen. Bei den Klangstrolchen wird gesungen, getanzt und musiziert. Während der „Spielezeit“ können die Kinder selbst alle vorhanden Instrumente wie Schütteleier, Klangstöcke und Ähnliches erkunden und ausprobieren. Die „freien“ Wochentage sind für Kaffeekränzchen, Ausflüge in die Stadt oder Arztbesuche reserviert.

Ich mache alles selbst – und mache ich  auch alles richtig?

Kürzlich kam ich auf dem Spielplatz mit einer Oma ins Gespräch, die mit ihrer Enkelin dort spielte. Ich erzählte, dass die Großeltern und der Rest der Familie zwei beziehungsweise über sechs Autostunden entfernt wohnen. Sie fragte daraufhin: „Und wer entlastet Sie dann mal?“ Ich konnte nur mit den Schultern zucken und ein „Niemand“ erwidern. Mir wurde wieder einmal bewusst, wie schön es wäre, wenn Oma und Opa um die Ecke wohnen würden und man einfach mal durchatmen könnte – und was für ein Luxus es ist, die Familie in der Umgebung zu haben.

Außerdem kann Mini manchmal ein richtiges kleines launisches Monster sein. Man merkt deutlich, wenn mal wieder ein „Sprung“ ansteht. Dann kann man ihr nichts recht machen. Gerade vor Kurzem hatten wir wieder so eine Phase. Alles findet sie blöd und bei allem wird gejammert oder geheult: das Wickeln, das Anziehen, das Essen, das Mundabwischen, das in-den-Buggy-Legen und, und, und. Da gerate ich manchmal an die Grenzen meiner Belastbarkeit und Dad kommt zu einem heulenden Muttertier nach Hause.
Ich weiß, dass das alles ganz normal ist aber irgendwie sehe ich mich dann gescheitert und frage mich, ob ich sie manchmal zu sehr verwöhnt habe und ob ich sie nicht auch mal hätte meckern lassen sollen statt gleich zu laufen.

Ich habe mir seit Anbeginn meiner Mutterschaft selbst den Druck gemacht, alles perfekt machen zu müssen: Mini entertainen, ihr Essen selber kochen statt Gläschen zu geben, Wohnung sauber halten, Einkauf erledigen, Abendessen planen und vorbereiten. Ich will ja auch Dad nach einem langen Arbeitstag entlasten und ihm nicht noch den Haushalt oder das Kochen aufhalsen. Er kümmert sich schließlich direkt nach der Heimkehr um Mini, macht sie bettfein und bringt sie ins Bettchen.
Ich musste erst begreifen, dass es ein „perfekt“ wie man es aus manchen Berichten in Blogs, sonstigen Internetseiten oder von anderen Müttern kennt, in Wahrheit nicht gibt. Ich muss nicht stets mit den besten Bio-Produkten auftrumpfen und Mini täglich besondere Backwerke zaubern.

Auch musste ich lernen, dass eine unaufgeräumte Wohnung und eine chaotische Küchenzeile nicht schlimm sind, und Brei aus Gläschen oder Hirsekringel als Beruhigungsknabberei auch mal okay sind!

Unterm Strich zählt nur das Eine: Dass Mini zufrieden und glücklich ist – und das ist sie. Das merkt und sieht man ihr an, das weiß ich einfach. Daher weiß ich auch: Ich mache meinen „Job“ gut. Auch schlechte Tage oder eine Prise Genervtheit sind ganz normal und verständlich. All das schreibe ich nicht, um mich mal öffentlich selbst zu loben, sondern um anderen Erstlings-Müttern (und Vätern), an denen vielleicht gerade noch die selben Zweifel und Belastungen nagen, Mut zu machen.

Und am Ende ist es ja wirklich so: Wenn dich der kleine Wurm anstrahlt ist alles vergessen und ich bin froh, dass Mini gesund ist und unser Leben so sehr bereichert. Außerdem muss ich auch noch sagen: Ich danke Dad, dass er mich so toll unterstützt, ermuntert und mich hochleben lässt für das, was ich hier täglich tue.

Mutter und Kind

 

Mini ist das Beste was uns passiert ist, und sie ist mittlerweile zu einem kleinen tollen Persönchen herangewachsen. Kaum zu glauben, was aus dem 50 cm kleinen und knapp 3500g leichten Wesen geworden ist. Mini ist sehr aufgeweckt und freundlich und natürlich das süßeste Kind auf der Welt (so wie es wohl alle Eltern von ihrem Kind behaupten). Wir lieben es, ihr einfach nur beim Spielen oder Schlafen zuzusehen und freuen uns so sehr über jeden kleinen Entwicklungsschritt. Erst das Greifen, dann das Drehen, später das Robben. Und jetzt: Motorisch hat sie einen ordentlichen Schritt gemacht, denn mittlerweile krabbelt sie weltmeisterlich und zieht sich an allem hoch, was einem Erwachsenen bis zum Knie reicht. Und davon gibt es in unserer Wohnung so einiges. Das bedeutet, dass ihr unsere volle Aufmerksamkeit nun noch mehr gelten muss, als bisher schon. Denn aus dem Stand geht es noch nicht allein zurück. Mini lässt einfach los und fällt nach hinten oder zur Seite. Deshalb muss ich mich ständig im Umkreis von einem Quadratmeter um sie herumbewegen. Man kommt quasi zu nichts mehr und ist froh, wenn die Wohnung oberflächlich sauber und aufgeräumt aussieht. Hinter die Kulissen darf man nicht schauen.
Ein paar Kunststücke wie Winke-Winke, Zunge rausstrecken und High-Five kann sie auch schon. Erste Erkältungen (inkl. Fieber) sowie blaue Flecken von unzähligen Ausrutschern und Umfallern beim Rummurkeln hat sie bis jetzt sehr gut überstanden. Auch das muss sie abkönnen, denn wie sollte ein Helikopterelternkind denn die nötigen Nehmerqualitäten fürs Leben entwickeln.

Mutter und Kind

 

Als nächstes wird ersteinmal in Irland weitergemurkelt. Wir sind sehr gespannt, wie Mini so eine Reise aufnimmt, wenn sie für über eine Woche weg von zuhause ist und jeden Tag neue Eindrücke auf sie einprasseln. Und dann freuen wir uns auf all die nächsten Schritte (auch im wörtlichen Sinne), die sie so tun wird. Ich bin auch schon sehr gespannt, wie sich das Familienleben dann so anfühlt, wenn diese ganz neue Routine beginnt: Dad wird Mini morgens tagesfein machen und zur Kita bringen, ich werde sie am Nachmittag nach der Arbeit wieder abholen und dann nur noch zwei, drei Stündchen mit ihr alleine sein. Ich werde sie mit anderen teilen müssen – mit Erziehern und Kindern. Sie wird mir ein Stückchen weit entgleiten und ich bin so sehr gespannt darauf, ob ich diesen neuen Alltag mögen oder mir die “alten Zeiten” zurückwünschen werde. Ich werde auf jeden Fall beizeiten wieder berichten.

 

1 Kommentar

  1. Hallo liebe Mandy, dein Bericht ist so schön geschrieben. Ich hatte zwischendurch Tränen in den Augen und Gänsehaut, weil ich genau nachfühlen kann, was du meinst. Wie du weißt, habe ich ja zwei bezaubernde 😉 Monster. Meine Große kam mit fast zwei Jahren in die Kita. Damals habe ich mich gefreut, weil bis Dato waren wir beide alleine. Da ich zu der Zeit ohne Arbeit war, hatte ich ja nun lange verloren geglaubte Freizeit. Sie hat das auch alles toll gemacht und ging sehr gerne dort hin. Dann bekam ich aber meinen Luke. Und mit ihm wurde alles etwas anders. Einerseits wesentlich entspannter, weil es war ja schon das zweite. Anderseits habe ich mir aber bei einigen Sachen viel mehr einen Kopf gemacht, weil ich wurde älter. Meine Vorstellungen und Einstellungen haben sich geändert. Luke seine Eingewöhnung in der Kita hat mir fast das Herz gebrochen. Er war doch noch so klein, gerade 11 Monate. Ich habe manche Tage geweint, wenn ich ihn abgegeben habe und noch einen Augenblick vor der Tür stehen geblieben bin um zu horchen. Die ersten Wochen hat er auch geweint. Aber nur so lange er uns sah. Sobald wir weg waren bzw. die Tür zu war, war das Kind wie ausgewechselt. Er wurde schnell zum Liebling und alle in der Kita kannten “Baby Luke”. Er liebt den Kindergarten und seine Erzieherin. Der Tag kann noch so schlecht starten, wird er gefragt, ob wir zu den Kindern fahren wollen, läuft er los, holte Jacke und Schuhe und ist nicht mehr zu bremsen. Und ich liebe es arbeiten zu gehen und mal was für meinen Kopf zu tun. Es ist zwar anstrengend, wenn nach der Arbeit die Kinder warten, aber diese Routine ist toll. Nur manchmal schleicht sich so ein komisches Gefühl ein, wenn ich morgens keine Zeit mehr habe zu kuscheln. Dann freue ich mich aufs Wochenende und die Feiertage. Da holen wir alles nach. Familie ist toll. Genieße jeden Augenblick! Fühle dich von niemanden unter Druck gesetzt, bestimmt euer eigenes Tempo. Für eure Tochter seid ihr die perfekten Eltern. Warte ab, wenn sie vor dir steht und dir sagt: “Mama ich hab dich so lieb! Du bist die beste Mama auf der Welt!” ….

    Wir wünschen euch eine tolle stressfreie Eingewöhnung!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

© 2017 DAWN OF THE DAD

Theme von Anders NorénHoch ↑