Schon seit Jahresbeginn liegt das Thema Familienurlaub 2018 in der Luft und zieht seine Kondensstreifen durch unsere Köpfe. Wir planen schon früh, weil die Zeitfenster für die Urlaube bereits feststehen, Flüge nicht billiger und Unterkünfte nicht zahlreicher werden – und weil wir mit Kleinkind einfach bei weitem nicht mehr so flexibel sind, wie früher. Das gilt für die Art und Lage der Unterkunft, für die Flugzeiten und auch für die Art von Urlaub. Wir geben uns lieber eine Menge Vorlaufzeit, um uns zu überlegen, wie wir maximale Entspannung rauszuholen. Das ist nämlich Prio 1: Entspannung. Muss. Sein.

Dabei haben wir noch keine Ahnung, wohin es gehen könnte. Bis jetzt wissen wir nur, dass wir eine Woche im Frühjahr und zwei Wochen im Hochsommer haben. Und dass wir gerne an ein Meer wollen, das nicht die Ost- oder Nordsee ist – oder das schwäbische Meer.

Die Voraussetzungen unseres Irland-Urlaubs im vergangenen Jahr gelten nicht mehr, denn Mini ist jetzt viel größer, schwerer, hat durch das Laufen einen viel größeren Aktionsradius und durch ihre Entwicklung überhaupt ganz andere Ansprüche an artgerechte Haltung. Stadt erkunden, shoppen, wandern – die Reise könnten wir in der Form heute mit ihr nicht mehr machen.

Rückblende: Die Burghotel-Erfahrung

Die Erfahrung, was passiert, wenn äußere Umstände und Mini nicht miteinander harmonieren, hatten wir im Herbst gemacht, als Mum und ich dringend mal einen Tapetenwechsel wollten. Die Idee war, sich ein wenig Luxus zu gönnen und sich vor Allem zur Abwechslung mal um nichts kümmern zu müssen: kein Einkaufen, Kochen, Saubermachen, Aufräumen. Ein komfortables Hotel sollte es sein, nicht zu weit zum Fahren und halt ganz kinderfreundlich. Ich so: Burghotel wäre toll! Mum so: Okay.

Nach einer Weile Recherchieren rief ich bei unserem Favoriten an, ließ mir alle Kinderfreundlichkeiten bestätigen und buchte für zwei Nächte. Anreise am nächsten Tag. Aufregend! Es handelte sich um einen 5*-Schuppen in einer spätmittelalterlichen Anlage mit Burgruine nebenan. Im Zimmer ein Kinderbett, Wickelunterlage, Babyphone, im Restaurant Hochstühlchen und Spielecke. Wellnessangebot für Mum, Platz für Mini, Burg für Dad. Fahrzeit nur um die zwei Stunden. Klang theoretisch perfekt, doch die Praxis hat schon immer gemacht, was sie wollte und selten das, was sie sollte.

Beim Frühstück wollte Mini halt nach Kurzem nicht mehr Sitzen, sondern Rumrennen. Im Wechsel sind wir also dem Kind hinterher, während der andere Weiteressen durfte. Das fantastische Buffet wollten wir eigentlich mehr in Ruhe genießen. Beim Abendessen das gleiche. Im Restaurant gab es zwar die Spielecke, aber dank Mini’s permanent schlechten Essmanieren galt die gesamte Aufmerksamkeit beim Essen ihr – danach wieder einer am Tisch, der andere Beaufsichtigung in der Spielecke. Dank Regen und Sturm waren wir zeitweise zum Drinsitzen verdonnert, was schnell zu Langeweile führte. Mini rannte zwar gern durch die Hotelflure und die Treppen rauf und runter, aber unsere Vorstellung von Spaß ist eine andere. Während den Schönwetterstunden draußen war für sie auch nicht mehr geboten als in der Gegend rumlaufen und Dinge am Wegesrand begrabbeln. Die Burgführung bei schönen Wetter und einer friedlichen Mini in der Trage war das Highlight.

Idee gut, Plan schlecht

So könnte man das Fazit dieses Wochenendes auf den Punkt bringen. Wir hatten exzellentes Essen und einige schöne Momente, aber im Großen und Ganzen war es nicht das erhoffte Abschalten, sondern ein ständiger Kompromiss zwischen den Bedürfnissen des Kindes und unseren, der letztenendes für keinen befriedigend war. Nennen wirs beim Namen: Es war anstrengend. Es wird eben ganz schnell unentspannt, wenn Mini sich wie eine Große benehmen soll. Richtig, ich habe vorhin vom Baum der Erkenntnis genascht.

Aber im Ernst. Uns fiel auf, dass die Frage nach Selbstversorger- oder All-In-Unterkunft eigentlich zweitrangig ist. Wenn Mini glücklich beschäftigt ist, ist das Selberkochen entspannter, als sich am Tisch bedienen zu lassen, während sich neben mir eine rastlose Mini im Chaosmodus befindet. „Dankeschön, das Kind können Sie abtragen. Was heißt hier ’nein‘?“ Im privaten Appartememt könnte sie unter unseren Augen herumrennen und Unsinn machen, ohne dabei andere Leute zu belästigen oder in die Restaurantküche vorzudringen.

Probieren wir mal was ganz Neues

Fassen wir zusammen, unter welchen Vorzeichen unsere Familienreisen dieses Jahr stehen:

  • Städte oder Natur erkunden is‘ nich‘, denn für die Trage ist Mini zu schwer und für den Buggy zu hibbelig.
  • Vom Erkunden der Stadt hat sie nichts, die Schönheit der Natur ist ihr ziemlich Latte.
  • Wir brauchen kindgerechte Aktivitäten, Bewegungsfreiraum, am besten andere Kinder.
  • Die Unterkunft sollte möglichst kein Hotel sein.
  • Zwar neuerdings zweitranggig, aber nicht gänzlich egal: Wir Eltern sollten auch noch ein gewisses Maß an Spaß an der ganzen Sache haben.

Wie wäre es also mit Ferien auf dem Bauernhof oder in einer Familien-Clubanlage? Meh. Das war kein Schaf, sondern meine Reaktion auf das Wort „Club“. Bauernhofurlaub fände ich ja ganz schön. Vielleicht sogar ziemlich schön. Da hätten wir drinnen unser eigenes Reich im Appartement und draußen unendlich viel zu erleben. Trecker, Tiere, Landluft – mag Dad. Klingt immer besser. Das wäre was für eine Woche günstigen Heimaturlaub im Frühjahr.

Doch zusätzlich wollen wir dieses Jahr endlich mal wieder Sommer, Sonne, Strand! Wenn wir nicht jeden Tag den ganzen Tag Mini’s Kita sein wollen, dann brauchen wir wohl oder übel doch die Familienclubanlage. Meh. Gleichzeitig ist unser Zeitfenster – unser Sommerloch sozusagen – dieses Jahr in der höchsten Hochsaison, wenn es überall am teuersten und am heißesten ist. Meeeh.

Moment mal. Wieso fragen wir nicht meine pensionierten Eltern, ob sie mit uns Großfamilienurlaub machen wollen? Ein großes Haus für uns alle, ganz viel Enkelkind für sie und ganz viel Freiraum für Mum und Dad. Das klingt nach Kosteneffizienz, Entspannung und kein bisschen nach Club! (Was hat er immer gegen Clubanlagen? Vorurteile. Manchmal reicht das.)

Ob die Ideen umgesetzt wurden und in welcher Form könnte ich euch direkt im Anschluss bereits verraten, aber man liest ja nur noch Schlechtes über die Aufmerksamkeitsspanne der Leute heutzutage. Deshalb folgt Familienurlaub 2018 Teil II demnächst.