Eigentlich saß ich ja dort auf der Polstermatte, um Mini während den ersten Stunden Ihrer Eingewöhnung Sicherheit zu geben. Irgendwie schien es mir aber, als wäre ICH derjenige, der hier erstmal eingewöhnt werden muss. Während Mini sich nämlich, von neugierigen Kleinkindern umringt, pudelwohl zu fühlen schien, kam ich mir vor wie ein Museumsexponat. Ein bisschen auch wie ein Mensch unter Ewoks. Ich war nämlich nach dem neuen Baby plötzlich das Interessanteste im Gruppenraum der “Sonnenkinder”. Da standen sie im Halbkreis um mich herum, die tapsigen kleinen Wesen, guckten mich mit ihren Knopfaugen an, und sagten einfach nichts. Nachdem sich die kleine Gruppe wieder aufgelöst hatte, traf mich immer wieder aus unterschiedlichen Ecken des Raumes ein musternder Blick, ab und zu kam eines der Ewoks her zu mir, um mir irgendein Spielzeug zu zeigen oder um ein Buch mit mir anzugucken, oder einfach nur kurz mein T-Shirt vollzuschnoddern. Vom Exponat bin ich also innerhalb kürzester Zeit zum Hilfserzieher wider Willen befördert worden. Damit meine ich nicht, dass ich das widerwillig gemacht hätte, sondern eher … wie soll ich sagen … Es ist noch nicht allzu lange her, da war ich mir noch unsicher, ob ich überhaupt jemals so ein Kindertyp sein würde. Nun habe ich mich gerade mal an meine Vaterrolle und die neuentdeckten allerweichsten Seiten an mir gewöhnt – und schwupp bin auch schon im nächsthöheren Level.

So verliefen die ersten paar Tage, an denen nur eine Stunde Aufenthalt angesetzt war. Die Ewoks hatten sich an mich gewöhnt, Mini machte sich ausgezeichnet. Sie genoss es, den großen Raum mit all den Spielsachen zu erkunden und vor allem, überall ran zu dürfen. Nichts in Reichweite ist dort tabu, so wie bei uns in der Wohnung, sondern alles darf rausgezogen, ausgeräumt und rumgeworfen werden. Paradiesische Zustände für unser kleines Randaleküken.

Trennung – und ein Elefant

fotografie einer seite eines kinderbuchs So stand das Projekt Trennung an. Das hieß für mich, zuerst noch kurz mit drin zu sitzen, dann Mini tschüß zu sagen und dann draußen vor Tür Platz zu nehmen. Auf einer Kinderbank, die in der Eingangshalle der Kita steht, wo Matten und eine Spiel-Landschaft aufgebaut sind und wo es meistens von etwas älteren Kindern wimmelt. Ich guckte gerade ein Kinderbuch an, das davon handelt, wie der kleine Elefant seine Herde verliert und als Folk-Musiker in einer Band endet, die auf Hochzeiten spielt, um sich ihr Crystal Meth leisten zu können, da stürmten vier Mädchen auf mich zu, stellten sich vor mir auf und fragten ziemlich gleichzeitig: “Warum sitzt du da?” “Wie alt bist du?” “Von wem bist du der Papa?” “Wie heißt du?” Während ich noch überlegte, was ich zuerst beantworten soll, da waren die Fragen auch schon wieder uninteressant. Jetzt bekam ich gezeigt, welches der Bilder an der Wand hinter mir von welchem der Mädchen gemalt wurde. Suuuperschön! Toll gemacht! Und tschüß. So schnell wie sie gekommen waren, flitzten sie auch wieder ab. Ich wurde dann auch wieder reingerufen und nahm eine entspannte Mini in Empfang. Ich fand ihre problemlose Eingewöhnung ja sehr erfreulich, aber so ein winziges bisschen vermissen hätte sie mich schon dürfen.

Nachdem die Trennungen problemlos verliefen und Mini bis dahin immer etwa zwei Stunden dort verbracht hatte, sollte sie als nächstes schon morgens zum gemeinsamen Frühstück kommen. Ich durfte zum ersten Mal die Kita verlassen. Ich musste nur erreichbar sein und innerhalb von fünf Minuten da sein können. Aber das war nicht nötig. Mini blieb mehrere Stunden da und vergoss keine Träne. Es lag wohl zu einem guten Teil daran, dass Mum mit ihr schon seit einem dreiviertel Jahr jeden Donnerstag ins Eltern-Kind-Zentrum in dieser Kita gegangen war, um gemeinsam mit anderen U1-Kindern und Müttern zu essen und abzuhängen. Und dass sie zum Singen zu den Klangstrolchen gingen. So war Mini weder die Kita fremd, noch allgemein die Situation, in einem Raum mit anderen Kindern herum zu kullern. Die Erzieherinnen meinten auch, tendenziell liefe die Eingewöhnung besser, wenn der Vater sie macht. Väter seien wohl entspannter, wenn es darum geht, das Kind loszulassen, was sich positiv auf das Kind übertrage.

Mini zieht’s durch

Mini ging zum Frühstück hin, blieb bis nach dem Mittagessen, machte sogar Schläfchen dort. Dann kam Mini’s Lungenentzündung und die Eingewöhnung war für zwei Wochen unterbrochen. Da für Mum und mich wieder die Rückkehr ins Arbeitsleben anstand, waren wir einigermaßen beunruhigt, da wir nicht wussten, wie das die Eingewöhnung verzögern würde. Doch es ging da weiter, wo wir aufgehört hatten. Zwar gibt es seither ab und an Tränen beim Verabschieden, wenn ich sie morgens dort abliefere, aber das gehört zu ihrer neuen Phase.

Sie ist zwar noch die Jüngste und Kleinste dort und die Einzige, die noch nicht laufen kann, aber sie ist voll integriert. Mini scheint gerne dorthin zu gehen. Sie wird immer aufgeregt, wenn wir am Eingang vorfahren. Andere Kinder begrüßen sie schon mit Namen. Sie ist jetzt ein Kindergartenkind. Hach wie schnell sie wachsen …

"Ier Wart die besten Azier  der Welt" - Der Eindruck drängt sich auf, dass Mini hier in guten Händen ist.

“Ier Wart die besten Azier der Welt” – Der Eindruck drängt sich auf, dass Mini hier in guten Händen ist.