Schlagwort: Gedanken

Zwei Jahre Ausnahmezustand

Den Artikel zu Minis erstem Geburtstag hatte ich letztes Jahr gerade noch last Minute hinbekommen. Dieses Jahr nicht, denn dieses Jahr waren der Geburtstag und die Tage drumherum  gesundheitlicher Ausnahmezustand. Normalerweise muss man sich ja NACH der Party auskurieren, aber wir waren halt schon VOR dem Feiern schon krank.

Was man so Geburtstag nennt

Meinerselbst wurde von einer absolut apokalyptischen Halsentzündung geplagt, während Mini fieberte, schnupfte und Ohrenweh hatte. Reingefeiert haben wir trotzdem, in der Form, dass um Mitternacht herum alle mehr oder weniger wach waren, weil Mini bei uns im Bett unruhig schlief, ständig aufwachte und sich mit „Aua-aua“ ans linke Ohr fasste. Ihren zweiten Geburtstag, begann sie denn auch im Kinderkankenhaus in der Notdienst-Sprechstunde (es war ein Samstag). Die Diagnose war eindeutig: wie vermutet, eine Mittelohrentzündung. Und die hatte bereits das Trommelfell durchbrochen. Dafür war das „Aua!“ aber sehr verhalten. Immerhin ist das wohl recht normal und sogar positiv bei Mittelohrentzündung, weil der Druck dadurch verschwindet, und damit auch der Schmerz. Das Trommelfell verheilt innerhalb weniger Tage wieder ohne bleibende Schäden.

Minis Geburtsmonat scheint nicht gerade ihr Gesundheitsmonat zu sein. Letztes Jahr war richtig Ausnahmezustand, als eine Lungenentzündung ihren Geburtstag nur knapp verfehlt hatte. Wir bessern uns also von Jahr zu Jahr – vielleicht wird es im Nächsten nur ein kleiner Schnupfen?
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Familienurlaub 2018, Teil I: neues Jahr, neue Herausforderungen

Schon seit Jahresbeginn liegt das Thema Familienurlaub 2018 in der Luft und zieht seine Kondensstreifen durch unsere Köpfe. Wir planen schon früh, weil die Zeitfenster für die Urlaube bereits feststehen, Flüge nicht billiger und Unterkünfte nicht zahlreicher werden – und weil wir mit Kleinkind einfach bei weitem nicht mehr so flexibel sind, wie früher. Das gilt für die Art und Lage der Unterkunft, für die Flugzeiten und auch für die Art von Urlaub. Wir geben uns lieber eine Menge Vorlaufzeit, um uns zu überlegen, wie wir maximale Entspannung rauszuholen. Das ist nämlich Prio 1: Entspannung. Muss. Sein.

Dabei haben wir noch keine Ahnung, wohin es gehen könnte. Bis jetzt wissen wir nur, dass wir eine Woche im Frühjahr und zwei Wochen im Hochsommer haben. Und dass wir gerne an ein Meer wollen, das nicht die Ost- oder Nordsee ist – oder das schwäbische Meer.

Die Voraussetzungen unseres Irland-Urlaubs im vergangenen Jahr gelten nicht mehr, denn Mini ist jetzt viel größer, schwerer, hat durch das Laufen einen viel größeren Aktionsradius und durch ihre Entwicklung überhaupt ganz andere Ansprüche an artgerechte Haltung. Stadt erkunden, shoppen, wandern – die Reise könnten wir in der Form heute mit ihr nicht mehr machen.

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Das Leben der Anderen

Echtes Familienleben VS Social Media Familienleben

„Liebe Gruppe, habt ihr Tipps, damit mein Kind eher durchschläft? Ich kann nicht mehr!“ Aha… Eure Kinder schlafen also von selbst schon seit dem sechsten Monat durch? Wie, deines bringt dir schon seit dem Vierten Monat Frühstück ans Bett? Danke für nichts.

Mann, hab ich der Kleinen heute eine schöne Frühstücksbox gepackt! Trauben, Knabberzeug, Frischkäsebrot, Gurke. Huch, ihr ja auch: selbstgebackener Dinkelmuffin, selbstgemachte, vegane Weingummis, karmagereinigtes Bio-Obst. Garniert mit einem Seitenhieb gegen Fruchtquetschies. Na logisch.

Familienselfie-Time! Neeee lass mal, die Bilder sind alle nix, ich seh kacke aus und überhaupt, wer will denn das sehen? Ach, kuck mal da: Dieser Papa hat das schlafende Päckchen auf der Brust liegen, Mama kuschelt sich an die beiden, keiner hat Stress, keiner nen Fleck auf dem Hemd, keiner schwitzt und die Sonne scheint durchs Wohnzimmerfenster. Oder hier: Eine halbe Brust, jugendfrei gemacht duch den Hinterkopf des daran nuckelnden Babys. Schönen Filter ausgewählt, Hashtag Mutterglück und die Bildunterschrift sagt irgendwas von unendlicher Liebe und größtem Glück. Natürlich, denn wer hat schon Schmerzen oder ist gar dem Schlafentzugswahnsinn nahe.

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Rückblick auf zwei Monate Elternzeit

Vater und Tochter am Meer

Karate-Küken übt den „Kranich-Style“ und macht seinen Meister stolz.

Ich habe das ganz schön gefeiert, als die imaginäre Kirchturmuhr an meinem letzten Arbeitstag vor der Elternzeit 18 Uhr geschlagen hat. Die Aussicht auf volle zwei Monate Urlaub macht schon Laune. Ich nenne es hier absichtlich „Urlaub“, denn arbeitsfreie Zeit, die man mit der Familie verbringt, ist auf jeden Fall eine Art von Urlaub. Wenn auch nicht unbedingt die Art, wo man lange schläft und Müßiggang betreibt und sich körperlich grunderholt. Zudem waren wir zwei Wochen tatsächlich in Urlaub. Für den gilt allerdings auch das aus dem Satz davor. So eine Elternzeit kann harte Arbeit sein, egal wo man sich aufhält. Aber eben schöne harte Arbeit. Der Fairness halber sei noch erwähnt, dass ich nicht zwei Monate lang mit Mini auf mich allein gestellt war, denn für sechs Wochen haben sich unsere Elternzeiten überschnitten.

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6 1/2 Monate Mini, Mum und Dad – der Halbjahresrückblick 2016

Ein Jahresrückblick – und dann auch noch ein ganz normaler, ohne Blödsinn und Augenzwinkern – ist so ein Klischee, dass er sich eigentlich selbst verbietet. Doch dass er erst Tage nach Anbruch des Folgejahres erscheint macht ihn wiederum zu etwas Besonderem. So trägt er eindeutig meine Handschrift. Es wird übrigens kein streng chronologischer Rückblick, sondern eher ein wirres Rückblenden und Verlinken. Beginnen werde ich mal in der Gegenwart.
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Was der Wahlsieg eines Donald Trump mit Mini zu tun hat

Vorweg sei gesagt: Das hier wird kein weiteres Lamento über den Sieg von Donald Trump in der heutigen Präsidentschaftswahl in den USA. Es liegt mir fern, in den ohrenbetäubenden Chor der Empörung und der Schwarzmalerei einzustimmen, der heute Morgen alles Andere übertönt. Ebensowenig habe ich vor, hier meine persönliche Interpretation der US-Wahl und deren Be- oder Verurteilung auszuwalzen.

Es geht um Mini, die noch von nichts eine Ahnung, und noch ein ganzes Leben auf dieser Welt vor sich hat. Es geht auch um mich, der sich regelmäßig überlegt, wie er ihr als Vater später einmal die Welt erklären wird und wie er ihr kritisches Denken beibringt und gesunden Menschenverstand und Moral anerzieht.

Lektion 1 für Mini: Lass dich nicht von Stimmungen mitreißen.

Wäre sie bereits alt genug, würde ich ihr heute Morgen folgendes sagen: Mach Facebook und Twitter aus und halte dich ersteinmal aus all den Weltuntergangs-Gesprächen heraus.

Denn: Es ist für den Moment alles gesagt zum Thema Trump versus Clinton. Es ist sogar schon viel mehr als nötig gesagt worden, und das nicht erst seit gestern, sondern seit Langem schon. Die beiden Präsidentschaftskandidaten wurden in der Presse ausführlichst von allen Seiten beleuchtet, seziert, kommentiert und skandalisiert. In den sozialen Medien wurden sie exzessiv kommentiert, gehyped, gehasst und persifliert. Und ebenso das amerikanische Volk, das sich für einen der beiden entscheiden musste. Jeder, der sich für normaldenkend hält, postete und likete voller Entrüstung gegen die vermeintlich „dummen Amis“ und vergaß scheinbar, wie es derzeit in Europa zugeht: Zum Beispiel, dass das englische Volk gegen alle Vernunft für einen EU-Austritt stimmte und manche auch einfach, weil sie nicht genau wussten, worum es geht. Dass in Frankreich Marine LePen, die Vorsitzende der rechtradikalen Front National mit ein bisschen Pech die nächste Präsidentin werden könnte. Auch, dass Polen eine demokratiefeindliche Partei zur Regierung gewählt hat. Dass in Deutschland die AfD, die in ihrem Ton und Duktus exakt in die heuchlerische Anti-Establishment und unser-Land-muss-wieder-uns-gehören Fanfare bläst wie Donald Trump, immer stärker wird. Im gesamten „Westen“ herrscht eine Tendenz zur Irrationalität, die aus Ängsten und Frustration herrührt, genau wie in den USA. Im „Osten“ wird das größte Land der Erde regiert von einem rücksichtlosen Diktator mit beängstigendem Machthunger, dessen Volk unverändert zu großen Teilen in bitterer Armut lebt, ihn aber trotzdem glühend verehrt. Das soll heißen: Es ist nicht so, als ob erst ab heute nur auf der anderen Seite des Atlantik fragwürdige Dinge passieren.
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Seit 4 Monaten Dad – lächeln und winken

Die gute Nachricht: Mini entwickelt sich prächtig, macht uns viel Freude und hält sich – mit wenigen Ausnahmen – an ihren Tagesablauf. Das gibt Routine und Planbarkeit. Die schlechte Nachricht: Sie ist kein biologisches Wunder, das bereits mit vier Monaten durchschläft, stubenrein ist, Essen isst und sagt, was ihm fehlt. Sonst hätten Mum und Dad nämlich die Zeit, um Hobbies nachzugehen, Sport zu machen, zu bloggen, Rechnungen zu zahlen, Ablage zu machen, allgemein zu erledigen, was zu erledigen ist. Hätten. Wenn Mini für Mum kein Fulltime-Job inkl. Nachtdienst wäre. Und wenn Dads Arbeitstag nicht schon um halb sechs (plusminus eine halbe Stunde) mit Babybepuscheln beginnen würde, sodass nach dem Abendessen und ein wenig Hausarbeit der Beschluss fällt, alle Vorsätze in die Tonne zu treten und die Produktivität einzustellen, weil die Müdigkeit die stärkeren Argumente hat.

Wir haben alle Zeit der Welt – fürs Baby

So kommt es vor, dass wir schon vor zehn beginnen, uns bettfertig zu machen, dass Rechnungen bis zur „Letzten Mahnung“ ignoriert werden, weil der Computer abends einfach nicht mehr angeworfen wird und dass wochenlang noch nicht einmal ein Social Media Posting drin ist. Es kommt auch vor, dass wir es sehr vermissen, einfach mal spontan wegzugehen, frei zu sein, nicht alles nach Kinder(wagen)tauglichkeit und Fütterungsintervallen auszurichten. Einfach mal wieder lange wach bleiben, ohne den süßen Wecker im Hinterkopf, der uns gnadenlos für unser Lotterleben bestrafen wird. Und Sonntag morgens einfach mal wieder auspennen. Aber selbst wenn einer das mal darf, triffts halt den Anderen. Und dann hat der Eine dann doch irgendwie ein schlechtes Gewissen und kann das nicht genießen.

Vor kurzem, an einem Samstag Abend, als ich um kurz nach sieben, nachdem Mini erfolgreich ins Träumeland abgeschoben worden war, mit einem Bier auf den Balkonstuhl gesunken bin, sagte ich zu Mum „Endlich Feierabend!“ Da fiel mir auf, dass es tatsächlich nur noch Tage gibt, an denen man nicht ins Büro muss, aber keine wirklich freien mehr.

Und wehe man glaubt, weil die Großeltern zu Besuch sind und abends auf Mini aufpassen, könnten wir beide mal wieder ungehemmt ausgehen und mit allen Lampen an nach Hause kommen. Die Nacht- und Frühschicht wird einem trotzdem nicht abgenommen. Ganz egal, wie nah man sich dem Tode fühlt, wenn man nach eineinhalb Stunden komatösem Schlaf um drei Uhr mit hämmerndem Schädel an der Küchenzeile lehnt und die Babymilch erwärmt. Ein hungriges Baby ist sozusagen stärker als der Tod.
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Seit 10 Tagen Dad – eine abschweifende Bestandsaufnahme

Dad + Mini

Neulich mitten in der Nacht: Dad erledigt seine Arbeit in Nachtschicht während Mini kuscheln und Mum pennen darf.

Die Ideen für Blogartikel kommen mir zwar jeden Tag zu den Ohren heraus, aber wer denkt, man hätte trotz Neugeborenem, kaisergeschnittener Frau und Beruf noch genügend Zeit zum Bloggen, der ist ein törichter Narr (ich). Doch wer wiederum denkt, mich interessiert das, der kennt mich nicht. Wozu sind Nächte da. „I’ll sleep when I’m dead“ nahm sich schon Bon Jovi in den Neunzigern vor. Ob er seither geschlafen hat, ist nicht überliefert. Doch ich schweife bereits ab…

Menschen ändern sich nicht, lautet eine Lebensweisheit. Es ist sicher etwas dran, dass ein Mensch kein vollkommen anderer Charakter wird, egal, was passiert und egal wie viel Zeit er hat. Aber dass Menschen sich innerhalb weniger Jahre doch ziemlich verändern können, das habe ich bereits an mehr oder weniger nahestehenden Mitmenschen festgestellt und ganz aktuell auch an mir. Ich erkenne mich nämlich manchmal selbst nicht wieder und manchmal nur schwerlich. Gleichzeitig geht es hier nicht um Jahre, sondern um wenige Monate, vielleicht auch tatsächlich nur um zehn Tage. Ich weiß es nicht genau. Seit zehn Tagen bin ich nun Vater einer kleinen Tochter, und seit mindestens zehn Tagen bin ich ein anderer Mensch. Ich habe vorher immer dankend abgelehnt oder zur Not mit Unwohlsein angenommen, wenn mir befreundete Menschen ihr Kind angeboten haben: „Magste auch mal halten?“ (Meine Frau hat sich geradezu einen Spaß daraus gemacht, mir anderer Leute Kinder mit scheinheiliger „Willste auch mal?“-Frage anzudrehen.) Ich hatte absolut nicht das Bedürfnis, ein Baby zu halten und das war sicher auch besser für die Babys – und die Freundschaften. Schließlich hatte ich keine Ahnung wie man so etwas nimmt und hält und wieder abgibt, ohne es zu beschädigen. Außerdem war mir nie klar, was ich dann mit der Situation anfangen soll, wenn das Bündel in meinem Arm liegt. Ja, süß, klar. Und jetzt? Es tut nix. Kann. Nicht. Kommunizieren.

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Neu im Gefühlsportfolio: Vaterinstinkt

Bisher konnte ich eher nichts mit Menschen anfangen, die Rolf Zuckowski cooler finden als Motörhead (und wenn wir von Erwachsenen sprechen, gilt das übrigens immer noch). Doch seit Kurzem empfinde ich etwas, das man wohl als einsetzenden Vaterinstinkt bezeichnen kann.

Als Frau hat man’s aber auch nicht leicht – das meine ich vollkommen un-ironisch, und mit vollstem Respekt. Für die Frau bedeutet die Erfüllung des Kinderwunsches kotzen, zunehmen, dicke Füße, Lieblingsklamotten nachtrauern, Kurzatmigkeit, von innen getreten werden, auf 4cl geschrumpftes Blasenvolumen, nicht zuletzt die Aussicht auf die bevorstehende Geburtstortur – und das alles stocknüchtern. Kein Wunder, dass die Natur den Weibchen der Spezies diese Herkulesaufgabe zugeteilt hat.

Derart Leidensfähigkeit und Selbstdisziplin kennt man von unserer Seite des Tresens eher weniger. Hand aufs Herz! Klar, wir müssen auch mit so einigem zurechtkommen, wenn wir eine verbesserte Eigenversion in die Welt setzen. Für uns Männer bedeutet das die aktive Partizipation am weiblichen Nestbautrieb, das Abfedern von Stimmungsschwankungen, gemeinsame Frauenarztbesuche, alkoholfreies Bier aus Solidarität, häufiger Sätze sagen wie „Bleib du sitzen, ich hol das“, sich Sätze verkneifen wie „Wein?“ und sich mit so abstrakten Themen wie Kindernamen befassen. Doch während unseren Frauen ständig an den Bauch gegrapscht wird und sie sich ein Schild malen mit der Aufschrift „33. Woche, Mädchen, erstes Kind, mir gehts super, danke.“, haben wir den Vorteil, dass seit bald einem dreiviertel Jahr immer von vornherein feststeht, wer heimwärts fährt und wer trinken darf. Weiterlesen

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