Den Artikel zu Minis erstem Geburtstag hatte ich letztes Jahr gerade noch last Minute hinbekommen. Dieses Jahr nicht, denn dieses Jahr waren der Geburtstag und die Tage drumherum  gesundheitlicher Ausnahmezustand. Normalerweise muss man sich ja NACH der Party auskurieren, aber wir waren halt schon VOR dem Feiern schon krank.

Was man so Geburtstag nennt

Meinerselbst wurde von einer absolut apokalyptischen Halsentzündung geplagt, während Mini fieberte, schnupfte und Ohrenweh hatte. Reingefeiert haben wir trotzdem, in der Form, dass um Mitternacht herum alle mehr oder weniger wach waren, weil Mini bei uns im Bett unruhig schlief, ständig aufwachte und sich mit “Aua-aua” ans linke Ohr fasste. Ihren zweiten Geburtstag, begann sie denn auch im Kinderkankenhaus in der Notdienst-Sprechstunde (es war ein Samstag). Die Diagnose war eindeutig: wie vermutet, eine Mittelohrentzündung. Und die hatte bereits das Trommelfell durchbrochen. Dafür war das “Aua!” aber sehr verhalten. Immerhin ist das wohl recht normal und sogar positiv bei Mittelohrentzündung, weil der Druck dadurch verschwindet, und damit auch der Schmerz. Das Trommelfell verheilt innerhalb weniger Tage wieder ohne bleibende Schäden.

Minis Geburtsmonat scheint nicht gerade ihr Gesundheitsmonat zu sein. Letztes Jahr war richtig Ausnahmezustand, als eine Lungenentzündung ihren Geburtstag nur knapp verfehlt hatte. Wir bessern uns also von Jahr zu Jahr – vielleicht wird es im Nächsten nur ein kleiner Schnupfen?

Damit endet hier auch der medizinische Exkurs. Glücklicherweise ist unser kleiner Lieblings-Ausnahmezustand ja die meiste Zeit gesund und extrem fidel.

Geburtstagstisch

Wenn man nicht fit ist, widmet man sich der großen Aufgabe eben im Schlafanzug

Kind packt Geschenk aus

Die vielen Geschenke wurden dann mit Begeisterung aufgerissen und die Krankheit war vergessen.

Geburtstagskuchen mit 2

Es gab auch einen mit Liebe gestalteten Geburtstags-Zupfkuchen. Den Moment für den optimalen Kontrast hattte derjenige, der ihn aus dem Ofen nehmen sollte, knapp verpasst.

Ist die groß geworden

Kaum zu glauben, dass sie schon zwei Jahre alt ist. Aus dem Säugling ist ein Kleinkind geworden und der Geburtstag fühlt sich irgendwie an, wie eine kleine Volljährigkeit. Die Metamorphose vom Würmchen zum Mensch vollzieht sich zwar fließend, doch wollte man ein Meilenstein-Datum setzen, dann wäre es der zweite Geburtstag. Davor ist sie immer noch eins (1), und das klingt sehr winzig. “Zwei” klingt nach einem Kind das schon so vieles kann und sich auf allen Ebenen so unglaublich weiterentwickelt hat. Es läuft, rennt, macht erste Kletteraktionen, spricht in kleinen schrägen Sätzchen, spielt immer kreativer, kann Schraubdeckel auf Flaschen drehen, ohne Windel rumlaufen und mit Ansage auf Töpfchen gehen. Es weiß ganz genau was es will, versteht das Prinzip von Belohnung und Strafe – und wendet es schamlos bei seinen Eltern an. Gibst du mir was ich will, bin ich unerträglich süß und liebenswert. Verweigerst du es mir, oder lässt dich zu lange bitten, bringe ich deinen Kopf zum Platzen. Das hat Mini in Perfektion drauf. Sie kann Küsschen geben, drücken, süßes Zeug babbeln, um dann wieder wegen Nichts so abartig ausrasten, dass ich damit rechne, dass irgendwann ein Nachbar klingelt, um nach dem Rechten zu sehen.

Zwei Angewohnheiten hat sie allerdings aus der Babyzeit beibehalten: Sie liebt Milchfläschchen und nachts aufwachen. Durchgeschlafen hat sie zwar schon so manches Mal, aber es ist noch lange nicht die Regel. Das Ritual des Milchfläschchens vor dem Einschlafen könnten wir sicher abtrainieren, doch dann würde sie noch zuverlässiger nachts aufwachen (vor allem noch früher), weil sie Hunger hätte. Das Nachtfläschchen ist dagegen unumgänglich. Ohne braucht sie sehr lange, um wieder einzuschlafen und schläft dann auch nur einen sehr unruhigen Schlaf – was gleiches für die Eltern bedeutet. Wir sind uns einig: DAS tun wir uns nicht an, denn was solls, früher oder später entwöhnt sie sich von selbst.

Aus versorgen wird erziehen

Konsequent sein ist sowieso viel schwieriger, als ich dachte. Man muss es abkönnen, süßen Blicken zu widerstehen und Wutattacken passieren zu lassen. Man muss irgendwie die Grenze finden zwischen konsequent sein und es nicht zu übertreiben mit der Gängelung. Man muss sich einfach in jeder Situation die Mühe machen einzugreifen, zu erklären (so gut wie möglich), zu führen – konsequent sein eben. Und macht man das? Nein. Mit dem Säugling, der nur Instinkte hatte, und keinen Willen, war es schon irgendwie einfacher, wenn auch die Verständigung schwieriger war.

Darüber hinaus mussten wir mit uns selbst früher nicht so konsequent sein. Als Mini noch nichts mit Sprache am Mützchen hatte, war es egal, wenn ich nachts um drei barfuß in der Küche stehend das – mal wieder – zu heiß gewordene Fläschchen mit einem herzhaften Fluch kommentiert habe. Seit geraumer Zeit aber wird unser Verhalten und unsere Ausdrucksweise gnadenlos kopiert.

Das Kapitel “Erziehung” hat definitiv begonnen und mir ist mittlerweile ein bisschen weniger schleierhaft, warum es so viele schlecht erzogene Kinder gibt.

Jahr drei beginnt am Meer

Das nächste Mikro-Kapitel in Mums, Minis und Dads Leben wird ein positiver Ausnahmezustand, geprägt von laisser-faire und savoir-vivre – unter der Sonne Südfrankreichs. Wir schlucken fröhlich die letzten Reste unseres Antibiotikums und freuen uns auf den unmittelbar bevorstehenden Sommerurlaub!