Kategorie: Erziehung (Seite 1 von 4)

Zwei Jahre Ausnahmezustand

Den Artikel zu Minis erstem Geburtstag hatte ich letztes Jahr gerade noch last Minute hinbekommen. Dieses Jahr nicht, denn dieses Jahr waren der Geburtstag und die Tage drumherum  gesundheitlicher Ausnahmezustand. Normalerweise muss man sich ja NACH der Party auskurieren, aber wir waren halt schon VOR dem Feiern schon krank.

Was man so Geburtstag nennt

Meinerselbst wurde von einer absolut apokalyptischen Halsentzündung geplagt, während Mini fieberte, schnupfte und Ohrenweh hatte. Reingefeiert haben wir trotzdem, in der Form, dass um Mitternacht herum alle mehr oder weniger wach waren, weil Mini bei uns im Bett unruhig schlief, ständig aufwachte und sich mit „Aua-aua“ ans linke Ohr fasste. Ihren zweiten Geburtstag, begann sie denn auch im Kinderkankenhaus in der Notdienst-Sprechstunde (es war ein Samstag). Die Diagnose war eindeutig: wie vermutet, eine Mittelohrentzündung. Und die hatte bereits das Trommelfell durchbrochen. Dafür war das „Aua!“ aber sehr verhalten. Immerhin ist das wohl recht normal und sogar positiv bei Mittelohrentzündung, weil der Druck dadurch verschwindet, und damit auch der Schmerz. Das Trommelfell verheilt innerhalb weniger Tage wieder ohne bleibende Schäden.

Minis Geburtsmonat scheint nicht gerade ihr Gesundheitsmonat zu sein. Letztes Jahr war richtig Ausnahmezustand, als eine Lungenentzündung ihren Geburtstag nur knapp verfehlt hatte. Wir bessern uns also von Jahr zu Jahr – vielleicht wird es im Nächsten nur ein kleiner Schnupfen?
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Momentaufnahme: An manchen Tagen wünsche ich, ich wär mein Hund

Wir haben keinen Hund, aber falls Liedermacherfans unter meinen Lesern sind, werden diese jetzt wissend nicken. Für die ganz jungen Eltern unter euch: „Liedermacher“ ist der Oldschool-Begriff für Singer-Songwriter und bezeichnet deutsche Singer-Songwriter der Nachkriegsgeneration. Reinhard Mey ist einer der Bekanntesten dieses Genres und meine Mum, also Mini’s Oma väterlicherseits, ist ein großer Fan von ihm. Daher kenne ich einige seiner Lieder und der Mann kann nunmal auf eine perfekte Art und Weise den alltäglichen Wahnsinn des Lebens in Liedzeilen destillieren, wie nicht viele andere. „An manchen Tagen wünsche ich, ich wär mein Hund“ ist ein Lied über Tage, die einfach von Anfang an im Arsch sind. Mey drückt es subtiler aus, aber auf subtil ist heute geschissen. Wer jetzt nach diesen letzten zwei Sätzen denkt „Der flucht aber viel“, der hätte unsere kleine Irrenanstalt hier mal durch den Tag begleiten sollen. Da war auch nichts subtil. Außer dem Glücksgefühl vielleicht. Zwar sind wir natürlich selbst an Tagen wie dem heutigen glücklich, eine Familie zu sein. Ich bin glücklich, meine Frau meine Frau nennen zu dürfen, ich bin glücklich, Mini meine Tochter nennen zu dürfen und ich bin mir sicher, es geht den beiden umgekehrt sowie gegenseitig genauso.

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„Gehts auch mal ohne Drama?“

Sprach Mum kürzlich in der Küche, während sie die laut aufheulende Mini vom Boden auflas und auf den Arm nahm. Was der Anlass für den Heulausbruch war, weiß ich schon gar nicht mehr – es gibt so viele Anlässe. Ich weiß nur noch, dass es mal wieder nicht nach little Miss‘ Kopf ging.

Vorsicht Spoiler! Die Antwort auf Mum’s Frage lautet: Nein. Es war eine rein Rethorische und ich wusste sofort, dass dies die Überschrift meines nächsten Blogartikels werden würde. Es geht um die Trotzphase und die damit einhergehenden spontanen Wutattacken, die unseren kleinen Brüllwürfel derzeit häufig heimsuchen. Die Trotzphase birgt zwar eine Menge Überraschungen, doch auf eines kann man sich verlassen: Geschrien wird immer. Wenn man es nicht selbst erlebt hat, glaubt man nicht, welch triviale Handlungen – oder Unterlassungen – eruptionsartige Wutausbrüche auslösen können. Man hat keine Chance, es zu vermeiden.

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Was der Wahlsieg eines Donald Trump mit Mini zu tun hat

Vorweg sei gesagt: Das hier wird kein weiteres Lamento über den Sieg von Donald Trump in der heutigen Präsidentschaftswahl in den USA. Es liegt mir fern, in den ohrenbetäubenden Chor der Empörung und der Schwarzmalerei einzustimmen, der heute Morgen alles Andere übertönt. Ebensowenig habe ich vor, hier meine persönliche Interpretation der US-Wahl und deren Be- oder Verurteilung auszuwalzen.

Es geht um Mini, die noch von nichts eine Ahnung, und noch ein ganzes Leben auf dieser Welt vor sich hat. Es geht auch um mich, der sich regelmäßig überlegt, wie er ihr als Vater später einmal die Welt erklären wird und wie er ihr kritisches Denken beibringt und gesunden Menschenverstand und Moral anerzieht.

Lektion 1 für Mini: Lass dich nicht von Stimmungen mitreißen.

Wäre sie bereits alt genug, würde ich ihr heute Morgen folgendes sagen: Mach Facebook und Twitter aus und halte dich ersteinmal aus all den Weltuntergangs-Gesprächen heraus.

Denn: Es ist für den Moment alles gesagt zum Thema Trump versus Clinton. Es ist sogar schon viel mehr als nötig gesagt worden, und das nicht erst seit gestern, sondern seit Langem schon. Die beiden Präsidentschaftskandidaten wurden in der Presse ausführlichst von allen Seiten beleuchtet, seziert, kommentiert und skandalisiert. In den sozialen Medien wurden sie exzessiv kommentiert, gehyped, gehasst und persifliert. Und ebenso das amerikanische Volk, das sich für einen der beiden entscheiden musste. Jeder, der sich für normaldenkend hält, postete und likete voller Entrüstung gegen die vermeintlich „dummen Amis“ und vergaß scheinbar, wie es derzeit in Europa zugeht: Zum Beispiel, dass das englische Volk gegen alle Vernunft für einen EU-Austritt stimmte und manche auch einfach, weil sie nicht genau wussten, worum es geht. Dass in Frankreich Marine LePen, die Vorsitzende der rechtradikalen Front National mit ein bisschen Pech die nächste Präsidentin werden könnte. Auch, dass Polen eine demokratiefeindliche Partei zur Regierung gewählt hat. Dass in Deutschland die AfD, die in ihrem Ton und Duktus exakt in die heuchlerische Anti-Establishment und unser-Land-muss-wieder-uns-gehören Fanfare bläst wie Donald Trump, immer stärker wird. Im gesamten „Westen“ herrscht eine Tendenz zur Irrationalität, die aus Ängsten und Frustration herrührt, genau wie in den USA. Im „Osten“ wird das größte Land der Erde regiert von einem rücksichtlosen Diktator mit beängstigendem Machthunger, dessen Volk unverändert zu großen Teilen in bitterer Armut lebt, ihn aber trotzdem glühend verehrt. Das soll heißen: Es ist nicht so, als ob erst ab heute nur auf der anderen Seite des Atlantik fragwürdige Dinge passieren.
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Seit 3 Monaten Dad – trag mich, bespaß mich, gib mir Tiernamen!

Drei Monate sind so eine kurze Zeitspanne und doch kann sich so unglaublich viel währenddessen verändern. So wurden seit Mitte Juni aus ca. 3200 Gramm winziger, zerbrechlicher, dauerschlafender Mini über 6000 Gramm moppelige, robuste, quietschfidele Mini. Wenn ich an die Anfangswochen zurückdenke, als wir sie noch andauernd wecken mussten, damit sie ihre Ration von in stundenlangen Sessions abgepumpter Muttermilch trank. Wie wir uns freuten, als sie endlich sichtlich zunahm, mehrere Stunden am Tag wach war und die ersten leichten Zeichen von Interaktion zeigte.

Mittlerweile haben wir einen Tagesrhytmus etabliert, bereits zwei der berüchtigten „Schübe“ hinter uns und alle Hände voll zu tun, die kleine Dame tagsüber altersgerecht zu bespaßen. Mittlerweile rechnen wir nämlich nicht mehr in Wachphasen, sondern ihr Tag, der von ca. 6:00 bis 19:00 Uhr dauert, ist eigentlich eine einzige Wachphase, unterbrochen von einem längeren Mittagsschläfchen und vereinzelten 20-Minuten-Powernaps. Dazwischen straft sie uns bei aufkommender Langeweile, oder einfachem Nähebedürfnis, mit penetrantem Quäken. Wer darauf nicht hören will, der muss eben fühlen – und zwar Schmerzen im Trommelfell. Da kommt man nicht davon, da bleibt nur das stundenlange Rumtragen oder Bespaßen des Mäuschens, des Äffchens, der Ziege, des Pupsodils. (So viel zu den Tiernamen. Und das waren längst nicht alle.)

Es könnte so einfach sein. Isses. Aber. Nicht.

Man könnte jetzt meinen, dass es doch toll ist, wenn sie endlich soweit ist, dass sie spielen möchte, interagieren möchte, dass man tatsächlich was mit ihr anfangen kann. Und ja, es ist ganz fantastisch, jede Woche eine neue Fähigkeit, einen neuen Fortschritt, oder auch einfach nur ein neu erwachtes Interesse an irgendwas zu beobachten. Doch was es schwierig macht: „Spielen“ beschränkt sich auf recht einseitiges (nämlich elternseitiges) Bewegen von Spielzeug und Greifen üben. Ein wenig vorsichtiges Rumturnen geht auch. Und „interagieren“ beschränkt sich auf Baby zum Lachen bringen oder Baby’s Geräusche nachahmen, so dass ein tolle Zoo-Atmo entsteht. Alles herzallerliebst, wirklich, nur ist man mit jedem Programmpunkt nach kurzer Zeit durch, da die Konzentrationsspanne und körperliche Ausdauer von Mini noch sehr begrenzt sind. Das merkt man daran, dass sie quäkig wird und nicht mehr mitmacht. Wach ist sie aber trotzdem und bis zum nächsten Fläschchen sind es noch zweieinhalb Stunden. Was also tun mit der Kollegin, die nicht mehr als Zuckungen, Grimassen, Tierlaute und Sabberblasen zustande bringt?

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Sie nannten es „Rückbildungsyoga“

Mini_Label(by Mum) Leute, also heute habe ich wieder was erlebt. Ich war unfreiwilligerweise beim Rückbildungsyoga. Hamburg ist echt so ein Pflaster, das gibt bestimmt nur hier, sowas. Okay, ich muss euch das erzählen:

Mum hat mich so gegen 10 Uhr fertiggemacht und in den Kinderwagen gelegt. Ich dachte während der ersten Viertelstunde Rumgeschaukel auch „Yeah, eine Runde spazieren“. Doch dann machte sie irgendwann an einem Gebäude halt, parkte meinen Wagen und hiefte mich ein paar Treppen hoch. Plötzlich war ich mit drei anderen Mums und ihren Frischlingen in einem Raum, in dem sie dann Matten und Sitzkissen auf dem Boden verteilten. Ich wurde auch auf so einer Matte abgelegt und wusste gar nicht was das soll. Ich hab‘ beschlossen erstmal zu heulen. Mum hat mich dann aber hin-und her geschaukelt und den Nucki reingeschoben – dann gings.

Baby auf Yogamatte beim RückbildungsyogaIn der Mitte stand eine nette Frau, sie stellte sich als „Yogalehrerin“ vor. Ich hatte keine Ahnung, was das sein soll, aber plötzlich fingen die Mums an lustige Bewegungen zu machen und ganz laaauuut und tiiieeef zu atmen. Manchmal hatten sie dabei die Augen auf, manchmal zu. Manchmal haben sie das im Stehen gemacht, manchmal im Sitzen und manchmal im Liegen. War echt putzig anzusehen. Weiß gar nicht, warum die bei mir immer lachen, wenn ich mich auf der Spieldecke verausgabe. Irgendwann wurde es mir zu doof und ich bin eingepennt. Eine Stunde später wurde vor dem großen Zusammenpacken noch zehn Minuten lang bei Entspannungsmusik gekuschelt. Das war schööön.

Ich weiß leider immernoch nicht was das alles sollte. Aber Mum sagt, dass sowas total wichtig und gut für sie ist. Naja, dann werde ich sie auch weiter dorthin begleiten. Denn vier weitere Termine folgen wohl noch. Ich frage mich gerade, was eure Mütter denn mit euch so machen. Habt ihr irgendwelche spannenden Tipps? Vielleicht etwas, wo ich auch mal mitmachen darf?

Mini’s Top 5 Tipps an Neugeborene für die ersten Lebenswochen

Mini_LabelMoin Kollegen! Wenn ihr gerade erst aus dem Floatingtank rausgeschlüpft seid, oder schon einige Tage draußen, dann hab ich ein paar heiße Tipps für euch zum Thema Eltern-Handling. Ich bin jetzt volle zehn Wochen im Babybusiness und habe mittlerweile so viel Scheiß gesehen, dass ich heute mal ein bisschen Weisheit weitergeben möchte. Es ist nämlich manchmal nicht einfach mit den Großen. Sie wecken dich mitten im schönsten Tiefschlaf auf, weil sie meinen, du musst was trinken, sie fummeln ewig an dir um, bis mal der Popo wieder trockenliegt und das neue Leibchen sitzt, sie strapazieren deine Nerven, wenn sie nicht kapieren, was du von ihnen willst. Das alles gehört dazu. Allerdings gibt es ein paar einfache Tipps, mit denen ihr die ersten Lebenswochen von eurer Seite aus ein bisschen einfacher gestalten könnt.

Okay, los geht’s mit meinen Tipps:

Tipp 1: Die beiden, die du nicht mehr los wirst, nachdem du deinem gemütlichen Floatingtank tschüß sagen musstest, die nennen sich Eltern. Die beiden sind ab sofort deine direkten Ansprechpartner für alles. Hunger, müde, Windel voll, aua, langweilig oder einfach aggro, sie müssen sich drum kümmern.

Tipp 2: Wenn du irgendwas brauchst, schrei gleich richtig. Nicht erst vorsichtig fragen. Vor allem nachts dauerts nur umso länger, bis du endlich was zu saufen kriegst, wenn du ihnen die Option lässt, weiter zu schlafen. Du wirst sicher den einen oder anderen genervten Blick ertragen müssen, aber die müssen das lernen, dass deine Befehle – und seien sie noch so banal – unverzüglich befolgt werden müssen.

Tipp 3: Kacka und Pipi machen, wenn du eh schon auf dem Wickeltisch liegst. Das erspart dir das erneute Rumgezuzppel auf dem Wickeltisch und überhaupt ein paar Stunden in der vollen Windel, bis es endlich einer merkt. Egal, ob du auf der blanken Wickelunterlage liegst, auf deinem frischen Strampler oder der frischen Windel, lass es kommen. Es gibt erstmal großes Geschrei und lustige Klagelaute von den Eltern, aber am Ende nehmen sie es mit Humor.

Tipp 4: Sei nachsichtig mit ihnen, wenn sie es mal wieder nicht checken, was du brauchst. Es kann dir vor allem in den ersten Wochen passieren, dass sie deine eindeutigen Ansagen nicht verstehen. Zum Beispiel schreist du klar und verständlich „Bring mir was zu saufen!“ und sie fangen an, dich zu windeln, weil sie dich doch „gerade erst“ gefüttert haben. Oder du brüllst „Trag mich rum!“ und die versuchen dich zu füttern. Das wird alles besser, die lernen deine Sprache. Also contenance bewahren, wenn’s mal wieder länger dauert. Übertreibst du es nämlich mit dem Geschrei, dann denken sie noch, du brauchst nen Arzt und dann geht das ziemlich nach hinten los. Dann kriegst du weder Futter noch Schlaf, sondern nen Arztbesuch.

Tipp 5: Wichtigste Regel: Alles, was du machst, ist süß. Habe keine Hemmungen, sie finden (noch) alles an dir süß. Und wenn du es doch mal übertreibst, dann greift die Regel aller Superstars: Lächeln und winken. Lächel sie an, von deinem vollgepischerten Wickeltischchen aus, während sie mit nassen Papiertüchern jonglieren. Lächel sie an, nachdem du auf Papa’s dunklen Lesesessel einen formschönen weißen Kotzfleck gemacht hast. Sie sehen dein Lächeln und verzeihen dir absolut alles. Noch ein bisschen lustig zappeln dazu, das unterstreicht wie hilflos du noch bist und dass du also überhaupt gar nichts dafür kannst.

Das waren meine Top 5. Nicht spektakulär, aber ganz gut zu wissen. Viel machen könnt ihr eh noch nicht, ihr seid total abhängig. Aber Kopf hoch – vorerst natürlich im übertragenen Sinne – wenn ihr erstmal in mein Alter kommt, dann wird die Sache rapide interessanter. Habe ich etwas Essentielles vergessen? Postet hier gerne in den Kommentaren eure eigenen Tipps!

Wenn’s an der Milchbar nicht klappt – ein Erfahrungsbericht über Fläschchen statt Stillen.

Mum_LabelMit dem Stillen ist das ja so eine Sache. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Einstellung der Frauen – der Mütter – zum Stillen immer wieder geändert: Mal ist es das „Natürlichste, Gesündeste und Unbedingteste“ und wird in keinem Fall in Frage gestellt. Mal sind die Frauen nicht so dafür. Entweder um sich nicht von dem Kind abhängig bzw. das Kind nicht von sich abhängig zu machen. Oder sie wollen einfach keine „hässlichen“ Brüste vom Stillen bekommen. Aktuell ist das Stillen absolut „in“. Selbst Promi-Mamis wie Alyssa Milano, Gisele Bündchen und Pink posten auf Instagram oder Facebook Bilder von sich und ihren Lütten beim Stillen.

Vor der Geburt von Mini habe ich gar nicht groß über das Thema nachgedacht. Für mich war das total klar: Es ist die natürlichste und gesündeste Nahrung für’s Baby, es stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind von Anfang an und es kostet nichts …

Wenn die Natur es nicht von alleine regelt

Nun ja. Der Beginn unserer Stillbeziehung war auch ganz vielversprechend. Raus aus dem OP, rein in den zart-grün gestrichenen Kreißsaal, angedockt. Mini hat gleich gecheckt, was zu tun ist. Gutes Mädchen! Ich habe Käsestullen gereicht bekommen, weil ich ja den ganzen Tag nicht trinken und essen durfte. Ein Bild des Friedens: Ich schnabuliere Brote und Mini meine sogenannte Vormilch. Es hätte alles so schön sein können. Aber denkste! Mini hat den ganzen restlichen Tag und auch die folgende Nacht durchgepennt. Keine der betreuenden Hebammen hat mal nachgefragt und der Anfängermutter gesagt, dass man das Kind mal zum Trinken wecken sollte. Ich dachte eben, Mini ist einfach erschöpft von der Geburt und meldet sich schon, wenn sie was braucht. Am nächsten Morgen dann das große Wiegen und die Feststellung einer anderen Hebamme „ganz schön viel Gewicht verloren….und leicht gelb ist sie auch“. Aha. Danke. Und jetzt? „Stillen Sie auch gut?“ fragte sie noch. „Ähm.. nee!“. Also Mini angelegt und sie zutschte los. Das Problem war nur, dass sie ständig eingeschlafen ist dabei, und wenn das nicht, dann hat sie an der falschen Stelle (also um den Nippel herum) gesaugt. Weiterlesen

Seit 8 Wochen Dad – über Schlafmanagement und murkelnde Zombieküken

Gestern war Mini zwei Monate alt. Seit meiner ersten Bestandsaufnahme, zehn Tage nach Mini’s Geburt, sind wieder ca. 50 Tage vergangen und eine Menge hat sich getan. Es wurden – grob überschlagen – 35 Liter Pre-Milch verfüttert, 350 Windeln gewechselt, dabei 1.750 Feucht- und Trockentücher verbraucht, 500 Bäuerchen gemacht und 5.000 Pupse gelassen (ausschließlich durch Mini, wie ich betonen möchte – sonst wäre die Zahl höher). Zudem wurden beim beruhigenden Herumtragen vermutlich 15.000 Meter Laufstrecke durch die Wohnung absolviert sowie mindestens eine Million Fotos von Mini geschossen. Okay, ein paar Hundert waren es auf jeden Fall.

Das klingt nicht nur nach einem Vollzeit-Job, das ist es auch. Den mitlesenden Eltern erzähle ich hier nix Neues, den Eltern in spe habe ich hoffentlich die Illusion genommen, dass es einfach wird. Falls die überhaupt jemand hat. Noch nichteinmal ich dachte das, obwohl ich sonst an die meisten Dinge mit einer wird-halb-so-wild-Einstellung herangehe. Ich habe sicherheitshalber mit dem Schlimmsten gerechnet. Mit der absoluten Erschöpfung, dem totalen Untergang meines Lebens wie ich es kannte. Das wiederum war auch übertrieben, jedoch vermutlich eine gute Strategie, denn ich bin positiv überrascht, wie wenig schlimm es bisher ist. Also mit der Belastung jetzt. Das Kind an sich ist natürlich eh nicht schlimm, sondern der nackte Überwahnsinn. Eine Menge Dinge rund um unsere kleine Hoheit gehen leichter und intuitiver von der Hand, als ich vermutet hätte. Dazu kommt, dass wir tatsächlich mit einem anfängerfreundlichen Kind gesegnet sind: Sie ist kein Schreikind, sie mag das Wickeln, sie mag das Baden, sie hat keine übertriebenen Koliken und reagiert auf wenigstens ein paar Beruhigungstaktiken. Das darf man eigentlich gar nicht erzählen, denn vermutlich zieht man den Zorn unzähliger Eltern auf sich. Dennoch bleibt eine ganze Menge Arbeit und Zeitaufwand übrig. Ich habe mich schon oft gefragt, was wir eigentlich vorher in all den Stunden des Tages gemacht haben, die wir jetzt pro Kopf mit dem Bepuscheln von Mini zubringen, oder mit der Erledigung von zusätzlichen Hausarbeiten wie Milch machen, Fläschchen spülen, Babyutensilien in der Wohnung einsammeln, Wickeltisch aufräumen, Schlaf nachholen.

Wir sind uns jedenfalls einig: Hut ab vor allen Alleinerziehenden. Allemal vor Alleinerziehenden mit zwei oder mehr Kindern. Gar nicht zu sprechen von Alleinerziehenden mit Schreikind. Ein solches ist ja für Paare schon eine extreme nervliche Herausforderung. Auch wenn Mini relativ friedlich ist, sie hat ihre ganz eigenen Nervmethoden, uns um den Schlaf zu bringen und die Harmonie im Hause zeitweise erfolgreich zu torpedieren. Weiterlesen

Die Top 9 des Eltern-Slang – wie anders wir plötzlich reden

Mit der Veränderung des Familienstandes verändert sich auch die Sprache. Das beginnt mit Umschalten des Beziehungsstatus von „Single“ auf „liiert“. Hier kippt bereits so manche vernünftige Ausdrucksweise. Aufbauend auf diesen Veränderungen gräbt dann irgendwann das Elterndasein die Kommunikation nochmal vollkommen um. Diese Entwicklung verläuft ungefähr so:

Als Single ist Sprache noch einfach. Da gibt es nur das „ich“ und die klaren Ansagen. Single-Sprache ist unverfänglich, unkompliziert und gesellschaftstauglich. Anders Pärchensprache. Plötzlich braucht man zwei verschiedene Sprachstile in Gesellschaft und zu zweit. Denn zwischen Pärchen lauert überall die Verniedlichungsform, da warten die Kosenamen nur darauf, versehentlich rauszurutschen, da muss selbst die Tonlage kontrolliert werden, um nicht versehentlich ins Niedliche abzugleiten.

Außerdem ist plötzlich alles „wir“, selbst wenn jemand nur nach „mir“ gefragt hat.
„HASTE Bock am Samstag auf Grillen?“
„Da haben WIR noch nichts vor, passt.“

Nicht zu vergessen, der rasante Aufstieg der Verklausulierung. Am Beispiel des sehr beliebten Pärchen-Konjunktivs:
„JEMAND müsste mal den Müll runter bringen.“

Und an Stelle der klaren Ansagen treten die unbrauchbaren:
„Willst du den Rest hier aufessen?“
„Nur, wenn du nicht willst.“
„Na ich muss es nicht unbedingt haben.“
„Ich auch nicht.“
„Teilen?“
„Okay.“
„Du das größere Stück?“
„Nur wenn du es nicht willst“ …

Dawn Of Elternsprache

Die zweite Weiterentwicklung passiert wiederum in zwei Stufen. Stufe 1 etabliert sich im Verlaufe der Schwangerschaft seitens der Frau. Irgendwann, wenn der Bauch dicker wird kommt ein „Wir“-Gefühl bei ihr auf. Dann haben „wir“ plötzlich Hunger und Dad darf „uns“ ein Kissen bringen. Was er gerne tut, EURE Majestät. Und wenn Dad nicht aufpasst rutscht ihm selbst immer öfter ein Plural heraus. Stufe 2 zündet ab dem Tag, an dem das gemeinsame Kind zur Welt kommt. Jetzt nimmt die Verniedlichungsdebilität endgültig überhand und eine neue Kurve im Kommunikationsweg wird installiert: Der Eltern-Konjunktiv – das Baby als Bande, über die man Botschaften spielen kann.
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