Schlaflos in Hamburg – heute wurde durchgemacht

Mum und ich freuen uns ja schon auf jene Nacht, in der unser Kind zum ersten Mal durchschläft. Das wird naturgemäß wohl noch ein Weilchen dauern, aber dafür war heute der Tag, an dem Mini zum ersten Mal gar nicht geschlafen hat. Nur ein Powernap von ca. zehn Minuten, aber das kann man nicht wirklich zählen. Normal war ja seit ein paar Wochen, dass sie uns mit sehr langen Wachphasen und großem Bespaßungsbedürfnis beglückt hat, wovon sie sich stets mit ein paar kurzen Nickerchen und einem längeren Nachmittagsschlaf erholte. Aber heute war ein Tag, der sich eindeutig für einen kurzen Blogartikel qualifiziert hat – denn sie hat NICHT GESCHLAFEN. (Ich musste es einfach nochmal sagen.)

Es begann damit, dass Mini nach der Morgenfütterung um halb sechs nicht topfit war, wie sonst, sondern wieder eingenickert ist und bis halb acht geschlafen hat. Dafür habe ich ab halb sechs nicht mehr geschlafen, weil ich mir die Ruhe dadurch erkaufen musste, dass ich sie neben mir habe liegen lassen. Das ist oft der Schlüssel zu ein wenig weiterdösen, denn auch wenn das Bettchen direkt daneben steht, entspannt sie sich nach der Morgenfütterung oft erst wieder, wenn sie Nähe spürt. Schön für sie. Denn mit Baby neben sich findet man nicht mehr zurück in den Schlaf. Soll man vermutlich auch nicht, das hat die Natur wohl so eingerichtet zum Schutz des Baby’s. Zumal es eh sauungemütlich ist auf der Gästecouch im Arbeits-/Wickelzimmer, wenn man nur die letzten 50 Zentimeter der Matratze vor dem Abgrund für sich beanspruchen kann. Ist aber zum Glück nicht jeden Morgen der Fall.

Auf diese Couch weiche übrigens ich nicht deshalb aus, weil ich etwa den Zorn des Weibchens erregt hätte, sondern weil das unsere Nacht-Aufteilung ist: Mum übernimmt die Fütterung in den frühen Morgenstunden und ich ziehe dann mit Mini zwischen halb fünf und halb sechs ins andere Zimmer um, wenn sie dann typischerweise wieder anfängt etwas herumzumurkeln (auch wenn es meist bis zum echten Durst noch ein Stündchen dauert).

Okay, ich bin abgeschweift. Halb acht war es also, als Prinzessin Speckbacke beschloss, dass es jetzt genug des Schönheitsschlafes sei. Immerhin habe ich noch schön eineinhalb Stunden vor mich hin dösen können. Also Startschuss (aus der Windelgegend zu hören) für die Morgenroutine. Säugling auf den Wickeltisch packen, sich über das noch stumme Lachen freuen, putzen, windeln, Mum das Ankleiden überlassen, denn die war mittlerweile auch wach. Und fashiontechnisch bin ich sowieso nur Praktikant in diesem Haushalt. Besonders an Tagen, an denen ausgegangen wird muss die Garderobe des Minimenschen besonders hohen Ansprüchen genügen. Heute war so ein Tag. Die beiden Damen brachen nämlich am späten Vormittag zu einem freien Mütter-Baby-Treff in Mini’s zukünftiger Kita auf, ohne dass Mini seit dem Aufwachen geschlafen hätte. Muddi hatte sich schon darauf eingestellt, dass Mini im Kinderwagen auf dem Weg dorthin einschlafen und wie immer die ganze Action verpennen würde. Das macht sie eigentlich immer. Zuhause gut drauf und am Quietschen, aber sobald man ihr die Welt zeigen will schläft sie den Schlaf der Gerechten. Nicht so heute. Die beiden kamen wieder, Mini hellwach und das anscheinend die gesamte Zeit über. Sie hatte wohl aufmerksam verfolgt wie gesungen, gespielt und geklönt wurde.

Wir rechneten damit, dass das Frollein nach der nächsten Flasche in einen tiefen Mittagsschlaf sinken würde. „Von wegen, ihr Anfänger. Ich bin sowas von wach!“ Der Mittag ging, der Nachmittag kam, die Äuglein blieben offen und die Gliedmaßen in zappelnder Bewegung. Mal beim Spielen auf der Decke, mal beim Beobachten von der Wippe aus, aber immer recht friedlich und gutgelaunt. Das einzige, was aufkommende Müdigkeit erahnen ließ, war der Blick – zeitweise. Wir hofften, dass sie nicht irgendwann am Nachmittag hemmungslos für Stunden wegknacken und alles aufholen würde, denn dann wäre der mühsam etablierte Tag-Nacht-Rythmus dahin. Tat sie aber nicht. Auch nicht, als Mum am Spätnachmittag zu einer kurzen Runde Shopping aufbrach. „Tschühüüüß Mama! So, Papa, und jetzt?“ Spielen. Auf der Decke. „Juhuu! Ich übe dann mal, mich umzudrehen (Mist, klappt noch nicht!). Dann fuchtele ich halt einfach ein bisschen rum und zeig der Luft mal, wer die besten Punches und Roundhousekicks austeilt!“ Unglaublich, dieses Kind. War sogar noch glücklich und sich selbst genügend, als Papa dem hölzernen Spielecenter (siehe letzter Artikel) die Regie überließ und sich auf einen Drink unter der Sommersonne auf dem Balkon zurückzog. Mit direktem Blick aufs Kind, versteht sich.

Die Zubettgehzeit rückte näher, die letzte Windelung wurde vorgenommen, Mum kam mit Taschen bepackt und glücklich nach Hause, übernahm die letzte Fütterung – und währenddessen war ganz plötzlich Schicht im Schacht. Zapfenstreich. Kommando Sandmännchen. Ohne quengelige Übergangsphase, einfach so fielen die Augen – noch mit dem Sauger im Mund – zu. Um achtzehndreißig, nach elf Stunden hallowach.

Das war dann wohl mal wieder ein sogenannter Schub. Was der wohl bewirkt hat? Wir werden sehen. Beziehungsweise werden wir morgen sehen, ob es wirklich nur ein Schub war, oder der neue Dauerzustand. Laut der Babyenzyklopädie meines Vertrauens ist der vierte Lebensmonat wohl auch der Wonnemonat. „Ihr Baby ist ständig gut drauf und erwartet von jedem Tag und von jedem Menschen nur das Beste.“ Na dann. Möge der vierte Monat ein paar Jahre andauern!

2 Kommentare

  1. Ja, klingt ganz nach einem Schub. Unsere Hebamme und die Kinderärztin haben uns das so erklärt: Mit diesen Wachstumsschüben gehen immer irgendwie neue Wege der Wahrnehmung einher. Dinge fühlen sich anders an, schauen anders aus und plötzlich hören Babies keinen Einheitsbrei mehr, sondern können Geräusche unterscheiden. Deswegen sind auch gewöhnte Dinge plötzlich für Babies nicht mehr so einfach – denn auch so ein Fläschchen fühlt sich eben nach einem Schub anders an und das Auto das am Fenster vorbeifährt wird zum ersten Mal wirklich wahrgenommen.

    Augen zu und durchhalten! Das mit den Schüben geht wieder vorbei … sagen zumindest alle :p

  2. Dad

    18. September 2016 at 13:58

    +++ UPDATE +++

    Die Schlaflosigkeit war wohl wirklich nur ein Schub. Mini nickert jetzt wieder wie gewohnt über den Tag verteilt zwischendurch für eine mehr oder weniger lange Weile. Hat der Schub irgendwelche bahnbrechenden neuen Fähigkeiten gebracht? Nö, irgendwie auch nicht. Außer dass sie wieder mehr Zicken beim Trinken macht. Manchmal braucht es mehrere Versuche, ihr die Flasche schmackhaft zu machen, obwohl sie richtig Hunger hat. Immerhin, der Wonnemonat hält an.

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