Seit 3 Monaten Dad – trag mich, bespaß mich, gib mir Tiernamen!

Drei Monate sind so eine kurze Zeitspanne und doch kann sich so unglaublich viel währenddessen verändern. So wurden seit Mitte Juni aus ca. 3200 Gramm winziger, zerbrechlicher, dauerschlafender Mini über 6000 Gramm moppelige, robuste, quietschfidele Mini. Wenn ich an die Anfangswochen zurückdenke, als wir sie noch andauernd wecken mussten, damit sie ihre Ration von in stundenlangen Sessions abgepumpter Muttermilch trank. Wie wir uns freuten, als sie endlich sichtlich zunahm, mehrere Stunden am Tag wach war und die ersten leichten Zeichen von Interaktion zeigte.

Mittlerweile haben wir einen Tagesrhytmus etabliert, bereits zwei der berüchtigten „Schübe“ hinter uns und alle Hände voll zu tun, die kleine Dame tagsüber altersgerecht zu bespaßen. Mittlerweile rechnen wir nämlich nicht mehr in Wachphasen, sondern ihr Tag, der von ca. 6:00 bis 19:00 Uhr dauert, ist eigentlich eine einzige Wachphase, unterbrochen von einem längeren Mittagsschläfchen und vereinzelten 20-Minuten-Powernaps. Dazwischen straft sie uns bei aufkommender Langeweile, oder einfachem Nähebedürfnis, mit penetrantem Quäken. Wer darauf nicht hören will, der muss eben fühlen – und zwar Schmerzen im Trommelfell. Da kommt man nicht davon, da bleibt nur das stundenlange Rumtragen oder Bespaßen des Mäuschens, des Äffchens, der Ziege, des Pupsodils. (So viel zu den Tiernamen. Und das waren längst nicht alle.)

Es könnte so einfach sein. Isses. Aber. Nicht.

Man könnte jetzt meinen, dass es doch toll ist, wenn sie endlich soweit ist, dass sie spielen möchte, interagieren möchte, dass man tatsächlich was mit ihr anfangen kann. Und ja, es ist ganz fantastisch, jede Woche eine neue Fähigkeit, einen neuen Fortschritt, oder auch einfach nur ein neu erwachtes Interesse an irgendwas zu beobachten. Doch was es schwierig macht: „Spielen“ beschränkt sich auf recht einseitiges (nämlich elternseitiges) Bewegen von Spielzeug und Greifen üben. Ein wenig vorsichtiges Rumturnen geht auch. Und „interagieren“ beschränkt sich auf Baby zum Lachen bringen oder Baby’s Geräusche nachahmen, so dass ein tolle Zoo-Atmo entsteht. Alles herzallerliebst, wirklich, nur ist man mit jedem Programmpunkt nach kurzer Zeit durch, da die Konzentrationsspanne und körperliche Ausdauer von Mini noch sehr begrenzt sind. Das merkt man daran, dass sie quäkig wird und nicht mehr mitmacht. Wach ist sie aber trotzdem und bis zum nächsten Fläschchen sind es noch zweieinhalb Stunden. Was also tun mit der Kollegin, die nicht mehr als Zuckungen, Grimassen, Tierlaute und Sabberblasen zustande bringt?

Ausprobieren, wonach ihr als nächstes der Sinn steht. Und zwar anfangend mit der Option, die maximale Freiheit für einen selbst bedeutet. Läuft das nicht, kann man sich schrittweise zu den anstrengenden Optionen vorarbeiten, die Vollbeschäftigung der eigenen Person bedeuten. Dabei sollte man schon aus Selbstschutz immer kreativ sein und immer neue Sachen fürs Repertoire entwickeln. Denn man kann gar nicht genügend Ideen für die Baby-Bespaßung haben. Stolze zehn Ideen kann man haben, aber jede ruft nur Geschrei hervor, während Nummer elf die Erlösung bringen würde – wenn man nur wüsste, was Nummer elf ist.

Spielideen fürs Baby

Die Überschrift klingt jetzt nach der ultimativen Anleitung fürs sorgenfreie Spielen mit dem Säugling, was aber nicht suggeriert werden soll. Ich dachte, ich zeige euch einfach nur mal, was wir so als Beschäftigungs-Repertoire für Mini am Start haben bis jetzt.

Baby liegt unter Holzmobilé
Maximale Freiheit verschafft uns auf jeden Fall das sogenannte Spielecenter. Aus Holz, nicht Plastik. Plastik ist scheiße. Jedenfalls gibt uns das Teil ca. 20 Minuten lang die Freiheit, uns absolut nicht um sie kümmern zu müssen.

Baby spielt mit Mobilé
Ebenfalls ein Burner in der Welt der Spielideen: Baby liebt Waldtiere-Mobilé. Doll. (Designed, genäht und gebastelt by Mum.) Superpraktisch ist hierfür ein Fotostativ, denn daran kann man das Ding aufhängen und überall in der Wohnung platzieren und an jede erforderliche Höhe anpassen. Selbst wenn man das Teil niemals zum Filmen oder Fotografieren gebrauchen sollte, die 19,90 EUR lohnen sich allemal für diese exzellente Mobilé-Halterung. Wer weiß, was man daran in Zukunft noch alles aufhängen kann. Ihren ersten Lover zum Beispiel …

Spieldecke für babies
Die Spieldecke. Für Babies das unverzichtbare Utensil sei hier mal separat vorgestellt. Dieses Modell ist made by Mum und ihrer Nähmaschine.

Baby spielt auf Spieldecke
Und genau das macht man darauf. Unter anderem. Babies lieben es, frei zu strampeln, zu zappeln, am liebsten nackt spielen, denn dann haben sie die maximale Bewegungsfreiheit und das beste Körpergefühl. Leider muss man dafür mitunter auch im Sommer die Heizung aufdrehen, denn da unten auf dem Boden wird es so einem nackten Würmchen auch bei wohligen Zimmertemperaturen schnell mal zu kühl.

baby greift spielzeug
Das erste Erfolgserlebnis mit Greifspielzeug. Aus Plastik zwar, aber wenn alles aus Holz wäre, gäbs auch bald keine Bäume mehr zum Angucken (siehe weiter unten). Jedenfalls, spielen und lernen heißt die Devise. „Affi“ heißt dieses Modell. Namensgebung by Mum.

Baby betrachtet bunte Stoffbänder

Baby auf dem Wickeltisch
Am Wickeltisch scheiden sich auf jeden Fall die Babygeister. Die einen hassen es und nutzen das Daraufliegen zum exzessiven Stimmbändertraining, die anderen lieben es. So unsere Mini. Auf dem Wickeltisch ist immer Friede auf Erden. Warum auch immer.

BücherregalWenn die Energie oder Lust zum Spielen fehlt, aber das Langeweilepotenzial groß ist, dann hilft bunte Sachen betrachten. Bücher zum Beispiel. Kleines Plädoyer gegen den Digitalisierungswahn.

Baum

Ansonsten:
Leute beim Sachenmachen zu betrachten ist auch super. Zum Beispiel im Baby Björn liegend den Papa dabei beobachten, wie er kocht und sich erklären lassen, was er da gerade macht. Regelmäßig werden Lebensmittel zum dran Riechen unter das Näschen gehalten. Das macht sogar eine Mini mal für locker eine halbe Stunde mit. Davon gibt’s kein Bild, denn während Dad kocht hat Mum verdiente Couchzeit und Mini fotografiert noch nicht so souverän.
Ebenfalls nicht im Bild, der „Baby-Scooter“. Das ist das Fußteil auf Rollen, das zu meinem Herrensessel (ja, der heißt hier wirklich so) gehört. Ein Polsterhocker auf Rollen. Mini bäuchlings darauf gelegt und ab geht die Post kreuz und quer durch die Wohnung unter Missachtung aller mütterlicherseits gesetzten Tempolimits und Überholverbote. Für wenige Minuten ist das selbst im jüngsten Alter schon ein Spaßfaktor.
Baby kuschelt in Mama's Armen
Und wenn gar nichts anderes mehr geht, dann geht immernoch kuscheln mit Mami. Immer. Unendlich. Ist einfach das Beste, wo gibt. Danke, Mami!

+++ ERGÄNZUNG +++
Mum hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich etwas wichtiges vergessen habe: Das in-den-Spiegel-Gucken! Wenn Baum oder Bücherregal gerade nicht mehr ziehen, dann immernoch der Spiegel. Sich darin zu betrachten findet sie total faszinierend. Ist halt jetzt schon eine echte Prinzessin.

2 Kommentare

  1. Henrick Müller

    13. September 2016 at 22:15

    Schön geschrieben.. Da kommen Erinnerungen wieder hoch, unser Kleiner ist mittlerweile 20 Monate alt. Ich werde diese langen Tage nie vergessen. Was ich damals oft gemacht habe, dass ich mit ihm auf dem Arm durch den Garten gegangen bin und ihn Blätter usw habe anfassen lassen. Ach ja, und wahnsinnig viel gesungen haben wir. Das fand er auch immer klasse. Und auf Papas Knieen fliegen.. Also ich auf dem Rücken, Kind in Bauchlage auf meinen Wadenbeinen liegend, ich seine Hände festhaltend und und dann die Beine hoch und runter bewegen. Das Problem war, den extrem schmalen Grad zwischen Überreizen und Langeweile zu treffen. Unser Sohn konnte in dem Alter nie viel action vertragen und dass hieß schon etwas längerer Besuch oder auch nur das Radioduddeln. Bis heute mag er es ruhig, wenn auch nicht mehr so extrem. Aber für Eltern wird es dann wirklich langweilig, gerade alleine. Meine Frau hat meinen Feierabend herbeigesehnt.

    • Dad

      15. September 2016 at 19:05

      Hi Hendrick
      Das Kniefliegen ist ne gute Idee, darauf bin ich bis jetzt noch nicht gekommen. Werd ich morgen gleich mal ausprobieren. Klingt auch nach einer guten Bauchmuskelübung für Papa. Da tut man was fürs Kind und gleichzeitig was gegen die Wampe 😉 Ich war jetzt zwei Monate zuhause und ab Montag geht das Arbeitsleben wieder los. Meine Frau wünscht sich auch, sie müsste nicht wieder den ganzen Tag lang Alleinunterhalterin spielen. Und mir wird das Bespaßen dann sicher fehlen, denn dann seh ich Mini nur noch morgens. Abends maximal noch zum Insbettbringen , vorausgesetzt ich kann superpünktlich Feierabend machen. Na ich bin mal gespannt. Immerhin scheint Mini sich mit jeder Woche ein Stückchen weiter zu entwickeln, denn seit dieser Woche kann man ihr immerhin schon ein Spielzeug in die Hand drücken und mit etwas Glück hält sie es zehn Minuten fest und betrachtet und besabbert es, ohne dass man aktiv mitmachen muss.

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