Schlagwort: Essen

Momentaufnahme: An manchen Tagen wünsche ich, ich wär mein Hund

Wir haben keinen Hund, aber falls Liedermacherfans unter meinen Lesern sind, werden diese jetzt wissend nicken. Für die ganz jungen Eltern unter euch: „Liedermacher“ ist der Oldschool-Begriff für Singer-Songwriter und bezeichnet deutsche Singer-Songwriter der Nachkriegsgeneration. Reinhard Mey ist einer der Bekanntesten dieses Genres und meine Mum, also Mini’s Oma väterlicherseits, ist ein großer Fan von ihm. Daher kenne ich einige seiner Lieder und der Mann kann nunmal auf eine perfekte Art und Weise den alltäglichen Wahnsinn des Lebens in Liedzeilen destillieren, wie nicht viele andere. „An manchen Tagen wünsche ich, ich wär mein Hund“ ist ein Lied über Tage, die einfach von Anfang an im Arsch sind. Mey drückt es subtiler aus, aber auf subtil ist heute geschissen. Wer jetzt nach diesen letzten zwei Sätzen denkt „Der flucht aber viel“, der hätte unsere kleine Irrenanstalt hier mal durch den Tag begleiten sollen. Da war auch nichts subtil. Außer dem Glücksgefühl vielleicht. Zwar sind wir natürlich selbst an Tagen wie dem heutigen glücklich, eine Familie zu sein. Ich bin glücklich, meine Frau meine Frau nennen zu dürfen, ich bin glücklich, Mini meine Tochter nennen zu dürfen und ich bin mir sicher, es geht den beiden umgekehrt sowie gegenseitig genauso.

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Der Tisch-Knigge nach Mini

„Die korrekte Einhaltung der Tischmanieren gelingt am besten dann, wenn man dabei berücksichtigt, dass gute Tischmanieren nicht ein Mittel der Selbstdarstellung sind, sondern den gemeinsamen Verzehr von Speisen für alle Beteiligten zu einem Vergnügen machen sollen, das nicht durch störende Geräusche oder unschöne Anblicke beeinträchtigt werden darf.“
Textauszug von knigge.de

Mahlzeit! Um eines vorab klar zu stellen: Es ist nicht so, dass ich von Mini bei Tisch die Einhaltung der Knigge-Regeln erwarte. Ich mag manchmal seltsam sein, aber blöd bin ich nicht. Es ist nur so, dass Mini es beachtlicherweise schafft, so ziemlich jede einzelne Regel, ja jeden Nebensatz der Knigge Tischmanieren, ins exakte Gegenteil zu verkehren oder aber ganz kreativ umzuinterpretieren. Für einen frechen Gnom von knapp 16 Monaten ist ihr Essverhalten vermutlich vollkommen normal. Doch was in der Welt der Gnome normal ist, kann einem Erwachsenen, der Tag für Tag diese Schimpansenfütterung leiten muss, irgendwann den Glauben an die Gerechtigkeit austreiben.

Schon seit Langem gewöhnen wir Mini ans „normale“ Essen zur langsamen Entwöhnung von Baby-Breis und Müslis. Prinzipiell klappt das auch insoweit, als sie so ziemlich alles isst, was die Vorratskammer hergibt. Nur isst sie manches, was sie gestern noch mochte, heute nicht mehr und es ist schwer zu sagen, was morgen von der heutigen Liste der Lieblingsspeisen gestrichen werden wird. Dazu kommt, dass die Aufnahme nicht-breiförmiger Nahrung so langsam vonstatten geht – weil von so viel Spieltrieb sabotiert – dass es kaum möglich ist, ohne die Breis und Müslis als „Füller“ auszukommen. Sie hört eher auf zu essen, wenn sie keine Lust mehr hat, als wenn sie satt ist.

Je nach Laune und Appetit des Miniaffen kann es vorkommen, dass kaum Essen die Speiseröhre passiert, sondern dass alle Nahrungsmasse, die vor dem Ausspucken einmal kurz Berührung mit der Zunge hatte, sich als Sieger fühlen darf. Sieger einer ganz anderen Kategorie sind jene Nahrungsbrocken, die am weitesten fliegen. Je nach Tagesform von Mutter- und/oder Vatertier kommt es vor, dass diese es wider besseres Wissen persönlich nehmen, an ihrer Methodik zweifeln („Haben wir ihr zu lange zu viel durchgehen lassen?“) oder dem Nachwuchs gar Bösartigkeit unterstellen („So. Bitte. Hasts geschafft. Essen dann beendet, leck mich doch am Arsch.“) und dann geknickt und frustriert sind. (Das Schlimme: Kraftausdrücke muss man mittlerweile wirklich bleiben lassen, denn Mini plappert seit Kurzem immer wieder ganz überraschend einzelne Wörter ohne Einüben nach.)

„In Deutschland befinden sich üblicherweise alle Zutaten zu einem Gang – Fleisch, Kartoffeln, Gemüse, Sauce etc. auf einem Teller. Dies bedeutet aber nicht, dass diese – insbesondere Kartoffeln und die Sauce – zu einer amorphen Masse verarbeitet werden dürfen.“
Textauszug von knigge.de

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