Schlagwort: Problemchen (Seite 1 von 2)

Zwei Jahre Ausnahmezustand

Den Artikel zu Minis erstem Geburtstag hatte ich letztes Jahr gerade noch last Minute hinbekommen. Dieses Jahr nicht, denn dieses Jahr waren der Geburtstag und die Tage drumherum  gesundheitlicher Ausnahmezustand. Normalerweise muss man sich ja NACH der Party auskurieren, aber wir waren halt schon VOR dem Feiern schon krank.

Was man so Geburtstag nennt

Meinerselbst wurde von einer absolut apokalyptischen Halsentzündung geplagt, während Mini fieberte, schnupfte und Ohrenweh hatte. Reingefeiert haben wir trotzdem, in der Form, dass um Mitternacht herum alle mehr oder weniger wach waren, weil Mini bei uns im Bett unruhig schlief, ständig aufwachte und sich mit „Aua-aua“ ans linke Ohr fasste. Ihren zweiten Geburtstag, begann sie denn auch im Kinderkankenhaus in der Notdienst-Sprechstunde (es war ein Samstag). Die Diagnose war eindeutig: wie vermutet, eine Mittelohrentzündung. Und die hatte bereits das Trommelfell durchbrochen. Dafür war das „Aua!“ aber sehr verhalten. Immerhin ist das wohl recht normal und sogar positiv bei Mittelohrentzündung, weil der Druck dadurch verschwindet, und damit auch der Schmerz. Das Trommelfell verheilt innerhalb weniger Tage wieder ohne bleibende Schäden.

Minis Geburtsmonat scheint nicht gerade ihr Gesundheitsmonat zu sein. Letztes Jahr war richtig Ausnahmezustand, als eine Lungenentzündung ihren Geburtstag nur knapp verfehlt hatte. Wir bessern uns also von Jahr zu Jahr – vielleicht wird es im Nächsten nur ein kleiner Schnupfen?
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Momentaufnahme: An manchen Tagen wünsche ich, ich wär mein Hund

Wir haben keinen Hund, aber falls Liedermacherfans unter meinen Lesern sind, werden diese jetzt wissend nicken. Für die ganz jungen Eltern unter euch: „Liedermacher“ ist der Oldschool-Begriff für Singer-Songwriter und bezeichnet deutsche Singer-Songwriter der Nachkriegsgeneration. Reinhard Mey ist einer der Bekanntesten dieses Genres und meine Mum, also Mini’s Oma väterlicherseits, ist ein großer Fan von ihm. Daher kenne ich einige seiner Lieder und der Mann kann nunmal auf eine perfekte Art und Weise den alltäglichen Wahnsinn des Lebens in Liedzeilen destillieren, wie nicht viele andere. „An manchen Tagen wünsche ich, ich wär mein Hund“ ist ein Lied über Tage, die einfach von Anfang an im Arsch sind. Mey drückt es subtiler aus, aber auf subtil ist heute geschissen. Wer jetzt nach diesen letzten zwei Sätzen denkt „Der flucht aber viel“, der hätte unsere kleine Irrenanstalt hier mal durch den Tag begleiten sollen. Da war auch nichts subtil. Außer dem Glücksgefühl vielleicht. Zwar sind wir natürlich selbst an Tagen wie dem heutigen glücklich, eine Familie zu sein. Ich bin glücklich, meine Frau meine Frau nennen zu dürfen, ich bin glücklich, Mini meine Tochter nennen zu dürfen und ich bin mir sicher, es geht den beiden umgekehrt sowie gegenseitig genauso.

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„Gehts auch mal ohne Drama?“

Sprach Mum kürzlich in der Küche, während sie die laut aufheulende Mini vom Boden auflas und auf den Arm nahm. Was der Anlass für den Heulausbruch war, weiß ich schon gar nicht mehr – es gibt so viele Anlässe. Ich weiß nur noch, dass es mal wieder nicht nach little Miss‘ Kopf ging.

Vorsicht Spoiler! Die Antwort auf Mum’s Frage lautet: Nein. Es war eine rein Rethorische und ich wusste sofort, dass dies die Überschrift meines nächsten Blogartikels werden würde. Es geht um die Trotzphase und die damit einhergehenden spontanen Wutattacken, die unseren kleinen Brüllwürfel derzeit häufig heimsuchen. Die Trotzphase birgt zwar eine Menge Überraschungen, doch auf eines kann man sich verlassen: Geschrien wird immer. Wenn man es nicht selbst erlebt hat, glaubt man nicht, welch triviale Handlungen – oder Unterlassungen – eruptionsartige Wutausbrüche auslösen können. Man hat keine Chance, es zu vermeiden.

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Nachsitzen mit Strafarbeit: Flüge vergleichen

Heute gehen wir seit langem mal wieder komplett Offtopic. Ich muss mich mal eben konstruktiv aufregen. Wie ihr aus meinem letzten Artikel wisst, habe ich mich gerade intensiv mit dem Thema Familienurlaub auseinandergesetzt. Was mich dieses Mal wirklich den letzten Nerv gekostet hat, war die Flugsuche. Ich spoilere mal den Teil II meiner „Familienurlaub 2018“-Serie: Es geht darum, von Hamburg nach Südfrankreich zu fliegen. Was als Direktflug anscheinend nur mit easyjet möglich ist, an nicht allen Wochenentagen und zu teilweise beschissenen Zeiten. Wir leben tatsächlich in Hör- und Sichtweite eines Großstadtflughafens, der den gesamten französischen Süden nur mit dieser einen Verbindung als Direktverbindung bedient. Die Suche nach in Sachen Flugzeiten und Reisedauer halbwegs familienfreundlichen Alternativen führte mich zu den großen Markenfluglinien, bei denen das Ticket gern mal so viel kostet wie ein Flugzeug. Es war eine echte Strafarbeit. Hätte mir ne Sauerstoffmaske über dem Schreibtisch gewünscht.

Flüge suchen schwer gemacht

Findet eigentlich noch jemand außer mir, dass die Flugsuche, beziehungsweise Flugpreise vergleichen, eine absolut fürchterlich disfunktionale Angelegenheit ist? Die laut Fernsehwerbung ach so einfache schnelle Flugsuche ist in Wirklichkeit ein scheiß Alptraum, finde ich. Ich habe sie alle benutzt: fluege, momondo, expedia, swoodoo, opodo, kiwi – kannste in die Tonne treten, alle zusammen in eine. Unzureichend berücksichtigte Suchvorgaben und vieldeutige Preisangaben in den Ergebnissen machen die Sache langwierig und umständlich. Keines dieser Suchportale lieferte mir das, was sie eigentlich versprechen: übersichtliche, schnelle Flugsuche und erst recht nicht den günstigsten Flug!

Der falsche Preis

Korrigiert mich, aber nach meiner Definition ist das günstigste Angebot jenes, das mich am wenigsten Geld kostet. Wie die das definieren, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass es mich bei einer Plattform ca. 50 Euro mehr gekostet hätte, den Flug über die Plattform zu buchen, anstatt auf der Airline-Website direkt. Der Grund: Günstiger ist der Flug über die Platform nur, wenn ich die Bezahlung mit deren todesdämlicher Promotion-Kreditkarte vornehme, also eine „Mopodopedia VISA Prepaid deluxe“ oder so. Ja, Prepaid, das ist tatsächlich die Kartenart gewesen. Wer will schon sowas? In diesem Falle wären 90 Euro Rabatt abgezogen worden und nur so wäre der Preis günstig gewesen. Natürlich ist DAS der Preis, der in den Suchergebnissen präsentiert wird, weil diese nichtsnutzige Karte per Default als Zahlungsmittel eingestellt ist. Natürlich hätte ich das Zahlungsmittel in den Suchparametern vorab ändern können, wäre mir das Problem bewusst gewesen, aber: Wie viele blöde Parameter soll ich denn noch ändern?

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Das Leben der Anderen

Echtes Familienleben VS Social Media Familienleben

„Liebe Gruppe, habt ihr Tipps, damit mein Kind eher durchschläft? Ich kann nicht mehr!“ Aha… Eure Kinder schlafen also von selbst schon seit dem sechsten Monat durch? Wie, deines bringt dir schon seit dem Vierten Monat Frühstück ans Bett? Danke für nichts.

Mann, hab ich der Kleinen heute eine schöne Frühstücksbox gepackt! Trauben, Knabberzeug, Frischkäsebrot, Gurke. Huch, ihr ja auch: selbstgebackener Dinkelmuffin, selbstgemachte, vegane Weingummis, karmagereinigtes Bio-Obst. Garniert mit einem Seitenhieb gegen Fruchtquetschies. Na logisch.

Familienselfie-Time! Neeee lass mal, die Bilder sind alle nix, ich seh kacke aus und überhaupt, wer will denn das sehen? Ach, kuck mal da: Dieser Papa hat das schlafende Päckchen auf der Brust liegen, Mama kuschelt sich an die beiden, keiner hat Stress, keiner nen Fleck auf dem Hemd, keiner schwitzt und die Sonne scheint durchs Wohnzimmerfenster. Oder hier: Eine halbe Brust, jugendfrei gemacht duch den Hinterkopf des daran nuckelnden Babys. Schönen Filter ausgewählt, Hashtag Mutterglück und die Bildunterschrift sagt irgendwas von unendlicher Liebe und größtem Glück. Natürlich, denn wer hat schon Schmerzen oder ist gar dem Schlafentzugswahnsinn nahe.

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Der Tisch-Knigge nach Mini

„Die korrekte Einhaltung der Tischmanieren gelingt am besten dann, wenn man dabei berücksichtigt, dass gute Tischmanieren nicht ein Mittel der Selbstdarstellung sind, sondern den gemeinsamen Verzehr von Speisen für alle Beteiligten zu einem Vergnügen machen sollen, das nicht durch störende Geräusche oder unschöne Anblicke beeinträchtigt werden darf.“
Textauszug von knigge.de

Mahlzeit! Um eines vorab klar zu stellen: Es ist nicht so, dass ich von Mini bei Tisch die Einhaltung der Knigge-Regeln erwarte. Ich mag manchmal seltsam sein, aber blöd bin ich nicht. Es ist nur so, dass Mini es beachtlicherweise schafft, so ziemlich jede einzelne Regel, ja jeden Nebensatz der Knigge Tischmanieren, ins exakte Gegenteil zu verkehren oder aber ganz kreativ umzuinterpretieren. Für einen frechen Gnom von knapp 16 Monaten ist ihr Essverhalten vermutlich vollkommen normal. Doch was in der Welt der Gnome normal ist, kann einem Erwachsenen, der Tag für Tag diese Schimpansenfütterung leiten muss, irgendwann den Glauben an die Gerechtigkeit austreiben.

Schon seit Langem gewöhnen wir Mini ans „normale“ Essen zur langsamen Entwöhnung von Baby-Breis und Müslis. Prinzipiell klappt das auch insoweit, als sie so ziemlich alles isst, was die Vorratskammer hergibt. Nur isst sie manches, was sie gestern noch mochte, heute nicht mehr und es ist schwer zu sagen, was morgen von der heutigen Liste der Lieblingsspeisen gestrichen werden wird. Dazu kommt, dass die Aufnahme nicht-breiförmiger Nahrung so langsam vonstatten geht – weil von so viel Spieltrieb sabotiert – dass es kaum möglich ist, ohne die Breis und Müslis als „Füller“ auszukommen. Sie hört eher auf zu essen, wenn sie keine Lust mehr hat, als wenn sie satt ist.

Je nach Laune und Appetit des Miniaffen kann es vorkommen, dass kaum Essen die Speiseröhre passiert, sondern dass alle Nahrungsmasse, die vor dem Ausspucken einmal kurz Berührung mit der Zunge hatte, sich als Sieger fühlen darf. Sieger einer ganz anderen Kategorie sind jene Nahrungsbrocken, die am weitesten fliegen. Je nach Tagesform von Mutter- und/oder Vatertier kommt es vor, dass diese es wider besseres Wissen persönlich nehmen, an ihrer Methodik zweifeln („Haben wir ihr zu lange zu viel durchgehen lassen?“) oder dem Nachwuchs gar Bösartigkeit unterstellen („So. Bitte. Hasts geschafft. Essen dann beendet, leck mich doch am Arsch.“) und dann geknickt und frustriert sind. (Das Schlimme: Kraftausdrücke muss man mittlerweile wirklich bleiben lassen, denn Mini plappert seit Kurzem immer wieder ganz überraschend einzelne Wörter ohne Einüben nach.)

„In Deutschland befinden sich üblicherweise alle Zutaten zu einem Gang – Fleisch, Kartoffeln, Gemüse, Sauce etc. auf einem Teller. Dies bedeutet aber nicht, dass diese – insbesondere Kartoffeln und die Sauce – zu einer amorphen Masse verarbeitet werden dürfen.“
Textauszug von knigge.de

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Morgenroutine ohne Routine (Anekdote aus dem Vaterleben)

Meine Frau fängt morgens sehr früh an zu arbeiten. Deshalb habe ich die Ehre der Morgenroutine: Dafür sorgen, dass das Murkelchen tagesfein gemacht wird, isst und wohlbehalten, sowie halbwegs pünktlich im Gruppenraum der Kita landet. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ich auch mich selbst waschen, füttern (fällt oft flach), anziehen und (halbwegs pünktlich) in den Erwachsenenhort bringen muss. Nun gibt es sicher zwei Gruppen Menschen, die das für überhaupt kein Problem halten: Die Kinderlosen sowie die widerlich gut Organisierten.

Bevor die Kindergartenzeit anbrach, dachte ich auch, dass es alles nur eine Frage von eingespielter Routine und rechtzeitigem Aufstehen ist. Das war Theorie-Dad, der so dachte. Praxis-Dad hat zwei Erkenntnisse gewonnen:

  • DIE eine, immergleiche Routine gibt es nicht. Öfter mal was Neues, denkt sich das Kind und kackt zum Beispiel am einen Morgen zwei frische Windeln voll, am nächsten Morgen kackt es gar nicht. Das macht schon 10 Min. aus.
  • Die Zeit hat Löcher und Laufmaschen und verläuft definitv nicht linear. Wie sonst ist es zu erklären, dass ich am einen Morgen pünktlich aufstehe und es trotzdem nur schweißgebadet und fluchend schaffe, auf den letzten Drücker mit Kind auf dem Arm die Wohnung zu verlassen, während ich am nächsten Morgen eine halbe Stunde zu spät aufstehe und zur exakt gleichen Zeit loskomme? Hm?
  • Lunchbox

    Das einzige Organisierte am Morgen: Die Kita-Lunchbox, von Mum mit Liebe vorbereitet.

    Chronik einer durchschnittlichen Morgenroutine

    06:45 – Durchschnittlich pünktliches Aufstehen. Halb sieben wäre ideal, aber mein Krafttier ist schließlich das Murmeltier – und sogar Mini hat neben mir auch noch so seelig geschlummert. Jetzt hampelt sie ohne Rücksicht auf Verluste im Bett rum und ich muss zu ihrem und meinem eigenen Schutz mit ihr aufstehen. Mum ist bereits seit einer halben Stunde aus dem Haus.

    Kaffee für mich, kurzes Zwischenparken im Gitterbettchen für Mini, weil Papa kurz Toilette. Meistens sorgt das fürs erste Geheul des Morgens, weil Mini absetzen eine solche Grausamkeit ist, dass es in 205 Ländern der Welt geächtet wird. Dann bekommt Prinzessböhnchen eine kleine Waschung … ach nee halt, jetzt piept der scheiß Wecker da drüben im Schlafzimmer. Hatte nur auf Snooze gedrückt. Also den Nackfrosch unter den Arm geklemmt (kann ja schlecht auf dem Wickeltisch liegen bleiben), rüberlaufen, Wecker aus, weitermachen: … eine frische Windel und bereits die untere Schicht des Tages-Outfits an den Körper. Das Essen steht ja noch bevor, da wäre es töricht, schon Kleidung anzulegen, die später noch sichtbar getragen wird. Das gilt übrigens auch für meine eigene Anzieh-Strategie.

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    Sie nennen es Schub, ich nenne es das Love-Hate-Update

    Habe ich schonmal über Entwicklungsschübe geschrieben? Auf jeden Fall schon hier und da im Kontext, aber einen ganzen Artikel habe ich noch keinem von Mini’s Schüben gewidmet. Das hat den Grund, dass noch kein Schub bislang so spektakulär und so stark war, wie ihr derzeitiger. Ich möchte soweit gehen und sagen, wir haben seit zwei Wochen ein anderes Kind. Oder zumindest hat unser Kind ein ziemlich krasses Softwareupdate bekommen.

    Da die Verhaltensänderung unmittelbar nach dem Krankenhausaufenthalt begann dachten wir zuerst, dass diese Woche im Krankenhaus mit all den verstörenden Erlebnissen sie mental aus der Bahn geworfen hätte. Und dass sie sich noch von der Krankheit selbst geschwächt und durch den Wind fühlt.

    Zuckerbrot und Peitsche

    Was nämlich plötzlich ihr Verhalten dominierte – und es immernoch tut – sind schnelle Stimmungsschwankungen und vor allem enorme Ausschläge des Stimmungsbarometers in beide Richtungen, wie wir sie noch überhaupt nicht kannten von ihr. Konkret ist das eine extreme Anhänglichkeit in unser beider Richtung. Sie will andauernd am liebsten auf dem Arm oder dem Schoß sein, sie hat plötzlich begonnen, sich richtig an uns zu kuscheln und aktiv Kuscheleinheiten und Geschmuse einzufordern. Sie klammert sich an unsere Hosenbeine, schmiegt sich an uns und reagiert ganz emfpindlich auf absetzen oder alleine gelassen werden. Wir interpretierten diese neuen Anwandlungen zuerst als Resultat aus der intensiven Zuwendung, die sie 24/7 im Krankenhaus von uns beiden bekommen hatte.

    Zum anderen fängt sie wiederum wegen Nichtigkeiten – und manchmal auch ganz ohne erkennbaren Grund – an, loszuheulen. Mal herzzerreißend leidend und mal als ausgewachsenen Wut- und Trotzanfall. Das kann ausgelöst werden durch Nichtbeachten ihrer Majestät, durch das Verbieten von etwas oder wenn sie etwas weggenommen bekommt, durch hochnehmen, obwohl sie sitzen bleiben wollte, und so weiter. Es kommt auch vor, dass sie auf dem Boden hockt, brüllt und mit dem Kopf auf den Boden hämmert. Kein Witz. Da ist der hässlliche Teppich endlich mal von echtem Nutzen. Sonst dienst er nur als Saugschicht für Sabber, Pippi und Essen.

    Der Fachmann sagt, das muss so

    Wie gesagt, wir kannten Mini so überhaupt nicht. Weder die Kuschelseiten noch die Trotzigkeit in diesem Ausmaß. Wir haben uns tatsächlich ein bisschen Sorgen um ihre Psyche gemacht, bis wir dann auf die Idee gekommen sind, mal das „Hilfe, ich wachse“ Buch aus dem Regal zu holen, das die Entwicklung des Babys im ersten Jahr, nach Lebenswochen gegliedert, beschreibt. Und sieheda. Was da als typisch für den Schub um die 53. Lebenswoche herum aufgezählt wurde, klang wie ein Tagebucheintrag über die letzte Woche in unserem Zuhause. Anscheinend beginnt das Kind in dieser Phase – zu Beginn des zweiten Lebensjahres – sich an Abläufe als Ganzes zu erinnern und Handlungen als Beginn oder Teil eines Ablaufs zu erkennen. Als Beispiel: Wenn ich mit ihr ins Bad gehe und ihre Zahnbürste nehme, dann ist das – laut Buch – kein isoliertes Ereignis mehr, sondern dann weiß sie schon gleich, was als nächstes alles passieren wird: Zahnpasta drauf, dann schrubbelt Papa kurz an den Zähnchen rum, dann kriegt sie die Bürste in die Hand, darf damit Unsinn machen und dann wird der Mund mit dem Handtuch abgewischt.

    Allgemein macht das Gehirn des Kindes wohl in nächster Zeit einen enormen Entwicklungsschub durch und wird in in diesem Zuge auch stark an Größe zulegen.

    So siehts also aus. Einerseits ist das total schön, wenn sie so kuschelig ist, da wird mir immer ganz warm ums Herz. Andererseits bezahlt man das nicht viel später wieder mit Ausschreitung. Füttern und selber essen ist auch wieder schwieriger geworden, als es mal war. Stillsitzen ist noch ein größeres Problem als es schon immer war. Wenn sie noch nicht satt ist, aber vor Hibbeligkeit das Essen verweigert, dann weiß ich manchmal nicht weiter. Gib ihr ein bisschen Fingerfood, gib ihr nen eigenen Löffel, mach ein bisschen Faxen, nimm sie mal „aus der Situation heraus“ (der Spruch ist schon ein kleiner Running-Gag bei uns daheim). Das alles kann helfen, muss aber nicht. Aber einen Trost gibt es: Es ändert sich alles sowieso bald wieder und ein kleiner Rückschritt in einem Bereich ist bei einem anstehenden Fortschritt ganz normal.

    Was habt ihr so für Erfahrungen mit diversen Schüben und deren Nebenwirkungen gemacht?

     

    PS: Die Fachwelt sagt übrigens: Sich-selbst-schlagen oder Kopf-auf-den-Boden-schlagen sind Forderungen nach Beachtung. Diese nicht mit Schimpfen oder Hochnehmen honorieren, sondern versuchen, das Kind mit irgendetwas abzulenken.

    Mini hat Lungenentzündung – willkommen im Ausnahmezustand

    Ich sags euch, Eltern sein ist mein härtester Job bisher. Woanders lernste einmal dein Handwerk und dann weißte mehr oder weniger wie es funktioniert. Aber so ein Kind hat regelmäßig etwas vollkommen Neues parat, was einen vor unbekannte Herausforderungen stellt. Jüngstes Beispiel: Ein Ausnahmezustand namens Lungenentzündung, verbunden mit acht Tagen Krankenhaus. Vier Nächte war Mum bei ihr, vier Nächte ich. Das Kind an Kabeln und Schläuchen, Körperfunktionen auf dem Monitor, Eltern auf dem beschissensten Gästebett aller Zeiten, Angst, Schlafmangel. Aber der Reihe nach.

    Wie man eine normale Erkältung gemeinsam übersteht wussten wir ja schon. So eine hatte Mini vor drei Wochen mal wieder erwischt. Richtig auskuriert war die irgendwie nie, aber auch kaum noch da. Einige Tage später kam dann plötzlich die Bindehautentzündung in beiden Augen. Das war schonmal was Neues, aber nicht tragisch – auch wenn das Tropfen-in-die-Augen-Tropfen jedes Mal eine an Tragik und Weltschmerz nicht zu überbietende Szene war. Wenn sie nur gewusst hätte, was danach alles auf sie zukommt.

    Begleitet wurde die Angelegenheit von einem Auf und Ab an leichtem bis mittlerem Fieber, leichter Mattigkeit und schlechtem Ess- und Trinkverhalten. Wir haben das darauf geschoben, dass sie wahrscheinlich Halsweh hat und keinen Bock zu schlucken – das kannten wir schon. Überhaupt ist man ja bei Krankheit gerne mal etwas apettitloser. Außerdem muss man sich ja nicht gleich die größten Sorgen machen. So ein Baby ist schließlich auch nur ein Mensch.

    Die Augen waren innerhalb 24 Stunden wieder okay und wir dachten schon, sie hat jetzt alles mal wieder überstanden. Auch wenn das Fieber nicht ganz verschwinden wollte. Sie war an jenem Mittwoch Nachmittag noch so gut drauf, dass wir zuerst einmal nicht Böses vermuteten, als Richtung Spätnachmittag plötzlich alles schlechter wurde. Weiterlesen

    Mit Mini allein zuhaus: Mum’s Fazit nach 10 Monaten

    Mum_LabelGar nicht mehr lange, und Mini macht das erste Jahr voll. Der April war der letzte von 10 Monaten, den wir zwei ganz alleine zusammen verbracht haben. Also das heißt im Alltag, wo Dad den ganzen Tag weg von zuhause ist. Ich habe beschlossen den Monat ganz intensiv zu genießen, denn ab Anfang Mai hat Dad bereits frei, bevor Mitte Mai seine zweimonatige Elternzeit beginnt. Den Mai haben wir noch komplett gemeinsam, da wird vor allem viel gereist: Besuche bei den Großeltern und die erste Flugreise im Familienverband steht an: nach Irland!  Ab Juni dann beginnt die Eingewöhnung im Kindergarten, welche Dad übernehmen wird. Gut so, denn ich wäre da wahrscheinlich mit zu vielen Emotionen dabei. Ab Mitte Juni werde ich dann zurück in die Arbeitswelt kehren. Dem schaue dem mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Ich freue mich darauf,  wieder mal „anders gefordert“ zu werden und auf Gespräche mit Leuten außerhalb der „Mum-Community“.

    Natürlich bin ich auch ganz schön traurig, dass das Jahr so schnell vorbeigegangen ist. Mini und ich werden wohl nie wieder so eine intensive gemeinsame Zeit haben. Und soll sie tatsächlich schon in den Kindergarten? Sie ist doch noch so klein! Und werden sich die Erzieherinnen auch gut um sie kümmern? Und klappt es dort mit dem Essen und dem Schlafen? Die Sorgen einer Mutter, wenn sie plötzlich loslassen muss.

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